285.000 Euro für Familien mit Krebs: Sachsen fördert innovatives Projekt in Zwickau

Sozialministerin Petra Köpping hat der Sächsische Krebsgesellschaft Fördergelder übergeben

Zwickau

Sozialministerin Petra Köpping hat der Sächsischen Krebsgesellschaft (SKG) einen Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 285.000 Euro für das Projekt „Wissen. Halt. Perspektive.“ überreicht. Das Vorhaben richtet sich gezielt an junge Familien und Schwangere mit Krebsdiagnose. „Dieser ganzheitliche Zugang ist ein starkes Signal – denn Krebs betrifft nie nur einen Menschen allein, sondern immer auch das familiäre Umfeld“, betonte die Ministerin.

Fokus auf Familien und besondere Belastungen

Erstmals nimmt ein Projekt in Sachsen gezielt die Situation von Eltern mit kleinen Kindern sowie Schwangeren mit einer Krebsdiagnose in den Blick. Neben der medizinischen Behandlung werden auch psychosoziale und familiäre Belastungen berücksichtigt. „Eine Krebsdiagnose während der Schwangerschaft oder mit kleinen Kindern stellt Familien vor enorme Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene schnell Orientierung und verlässliche Unterstützung finden“, sagte Köpping. Mit dem Projekt entstehe ein Angebot, das medizinische, psychosoziale und sozialrechtliche Hilfe verbinde und die gesamte Familie einbeziehe.

Bedarf und Ziele des Projekts

In Sachsen erkranken jährlich mehr als 2.400 Menschen mit minderjährigen Kindern sowie etwa 50 Schwangere an Krebs. „Eine Krebsdiagnose betrifft nie nur eine Einzelperson. Sie hat als ,Wir-Erkrankung‘ auch dramatische Auswirkungen auf die gesamte Familie“, erklärte SKG-Geschäftsführer Ralf Porzig. Ziel sei es, Betroffenen künftig eine integrierte Begleitung anzubieten, die auch die Bedürfnisse von Kindern und Angehörigen konsequent einbezieht. Wichtig sei zudem die Gründung von Selbsthilfegruppen für junge Familien. „Selbsthilfe ist enorm wichtig – gerade durch den Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben“, so Porzig. Geplant sei daher auch der Einsatz von Navigatoren mit eigener Selbsthilfeerfahrung aus bestehenden Gruppen.

Persönliche Erfahrungen und Unterstützungsbedarf

Auf die Frage der Ministerin nach einem Wunsch für das Projekt antwortete Porzig: „Eine institutionelle Förderung.“ Das Projekt sei bislang einmalig in Deutschland und schließe eine wichtige Versorgungslücke. Wie einschneidend die Diagnose das Leben verändert, weiß Projektkoordinator Thomas Heckmann aus eigener Erfahrung. „Nach 20 Jahren bei der SKG und dem Wissen, dass statistisch jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt, war ich möglicherweise gefasster als andere“, sagt der 57-Jährige. „Viele Betroffene trifft die Diagnose völlig unvorbereitet – und im Klinikalltag fehlt oft die Zeit für ausführliche Gespräche.“ Kurz nach der ersten Diagnose musste er zudem eine zweite Schockdiagnose verkraften. Deshalb seien Onkolotsen, die Betroffene und ihre Familien gezielt begleiten, besonders wichtig. Heckmann weiß, dass es gerade für Kinder schwer ist, die neue Situation zu verstehen. In seinem Fall seien es die Enkelkinder, die noch zu jung seien, um die ganze Wahrheit zu erfassen. „Deswegen sage ich manchmal: Opa muss sich jetzt ein wenig ausruhen.“

Angebote, Schulungen und Kontaktmöglichkeiten

Bei der Projektpräsentation wurde zudem ein von Heckmann mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz geschriebener Song vorgestellt, in dem er seine Erfahrungen verarbeitet. Im Rahmen des Projekts bündelt die SKG Informations- und Unterstützungsangebote sowie Online-Kurse für Betroffene und Angehörige. Zudem sind Fortbildungen für medizinisches Personal und Qualifizierungen zum Selbsthilfe-Navigator in Zwickau geplant. Interessierte können sich per E-Mail an [email protected]

oder telefonisch unter 0375/21186772 an die SKG wenden, um weitere Informationen zu erhalten oder an Angeboten teilzunehmen.

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