Ärger nach Reborn-Absage in Zwickau: Veranstalter meldet sich nach Monaten – viele Fans warten weiter auf ihr Geld

Das Reborn Festival in Zwickau findet 2026 nicht statt. Doch nach der offiziellen Absage gibt es viel Ärger um die Ticketrückerstattungen – der Veranstalter äußert sich jetzt nach langer Zeit. Doch stehen viele Fragezeichen im Raum.

Zwickau / Schwarzenberg

Es ist die Story eines Festivals, das schon einmal vor dem Abgrund stand. Jetzt, zwei Jahre später, ist es komplett Geschichte. Die dunklen Hintergründe und was Betroffene jetzt noch tun können, um ihr Geld vielleicht doch noch wieder zu bekommen:

Die Wurzeln lagen im Erzgebirge

Nach Ende der Corona-Pandemie, als Veranstaltungen langsam wieder stattfinden durften, wurde 2022 in Schwarzenberg das "Black Mountain Festival" (BMF) ins Leben gerufen. Es sollte als neuer Treffpunkt der "schwarzen Szene" im Erzgebirge für die Musikrichtungen Gothic, Dark Wave, EBM, Industrial und Mittelalterrock etabliert werden. Als direkte Übersetzung von Schwarzenberg war der Name zudem auch eine Anspielung auf die Gothic-Szene. Nachdem es 2022 als Ein-Tages-Festival stattfand, konnte es 2023 bereits zwei Tage lang auf der Waldbühne Schwarzenberg das Publikum begeistern. (BLICK.de berichtete)

Black Mountain Festival erleidet Image-Schaden

Doch 2024 kam der Knall. Der einstige Geschäftsführer hatte mit dem offiziellen Festivalaccount des BMF Beiträge der AfD kommentiert und geliked. Daraufhin hatten sämtliche Geschäftspartner, Sponsoren und Bands die Zusammenarbeit beendet und das Festival, mit all seinen Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Helfern, stand vor einem erheblichen Imageschaden. (BLICK.de berichtete)

Das Reborn Festival war geboren

Doch aufgeben wollte das Orga-Team damals nicht. Man ging im Einvernehmen mit dem Geschäftsführer auseinander und das Festival distanzierte sich öffentlich von ihm. Dann startete die große Rettungsaktion: Eine neue Veranstaltungsfirma aus der Schweiz wurde an Bord geholt und das Festival ging unter neuem Namen als "Reborn Festival" doch noch an den Start. Es gelang Szenegrößen wie Rotersand, Ost+Front, L‘Âme Immortelle oder Agonoize an Bord zu holen. Rund 700 Besuchende kamen.

2025 wurde das Festival dann in seiner zweiten Auflage unter dem neuen Namen "Reborn" in eine neue Location verlegt - auf den Flugplatz Zwickau. Hier traten dann erneut Szenegrößen wie Covenant, Stahlmann, Welle:Erdball und viele weitere auf.

Festival abgesagt - Schweizer Veranstalter im Konkurs

Doch dann kam der erneute Schock: Eigentlich hätte das "Reborn Festival" am Wochenende vom 31. Juli bis 2. August 2026 wieder am Flugplatz Zwickau stattfinden sollen. Combichrist, Eivor, DAF und viele mehr waren im Line-up angekündigt. Im März 2026 gab das Festival dann die offizielle Absage bekannt. Nach einem guten Vorverkaufsstart seien die Ticketverkäufe hinter den Erwartungen gegenüber dem Vorjahr geblieben. Alle Ticketkäufer und -käuferinnen hatten dann kurz darauf eine E-Mail mit den Infos zur genauen Rückabwicklung erhalten, es wurde auf Eventim und das City-Ticket Chemnitz verwiesen. Eine Rückabwicklung geschah nie.

Entgegen den Darstellungen des Veranstalters weist Eventim die Behauptung offiziell von sich, für die Ticketrückabwicklung zuständig zu sein. Auf die Käuferinnen und Käufer, die ihre Tickets auf dem letzten Reborn Festival vor Ort fürs Folgejahr gekauft hatten, wurde übrigens seitens des Veranstalters bis heute gar nicht eingegangen. Es folgten dann Wochen und Monate der Ungewissheit.

Ein Facebookpost, der wieder Bewegung in die Sache brachte

Unter einem Facebookpost vom 7. Juni, meldeten sich dann viele Ticketkäufer und -käuferinnen mit ihrem Unbehagen zum Thema. Es waren Wochen vergangen und so gut wie niemand hatte sein Geld zurückbekommen. Es war ein Hilfe-Schrei, denn es war unklar, wie es weiter gehen würde.

Das erste Problem: Kurz nach Verkünden, dass das Festival 2026 nicht stattfinden würde, wurden die Webseite und alle Internetauftritte des Festivals deaktiviert. Auch das Blacktron Festival, was am 11. April 2026 im Kulturbahnhof in Chemnitz stattfinden sollte und was zum gleichen Veranstalter gehörte, wurde ebenfalls abgesagt. Es war also nicht einmal möglich den Veranstalter irgendwie über offiziellen Weg zu erreichen. Wie sollte es auch? Die B.U.T. Executive Services GmbH befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in einem regulären Geschäftsbetrieb.

Veranstalter im Konkursverfahren

Recherchen von BLICK.de zeigen, dass über die "B.U.T. Executive Services GmbH" von Daniel Gierke in der Schweiz bereits im Dezember 2025 ein Konkursverfahren eröffnet wurde. Wie aus den Handelsregisterdaten hervorgeht, gründete Gierke im November 2025 eine neue Firma, wieder mit Sitz in der Schweiz, ähnlichem Namen und fast ähnlichem Logo, bei der er bis heute scheinbar wieder als Geschäftsführer tätig ist. Einen Monat später wurde über die B.U.T. Executive Services GmbH ein Konkursverfahren eröffnet. Diese war als Veranstalter für das Reborn und Blacktron Festivals zuständig und nun offiziell insolvent.

Das Konkursverfahren wurde dann im März 2026 mangels "Masse" wieder eingestellt. Das bedeutet: Nach den veröffentlichten Angaben war nicht genügend Vermögen vorhanden, um die Kosten eines regulären Konkursverfahrens zu decken. Wird ein solches Verfahren nicht von Gläubigern auf eigene Kosten fortgeführt, wird es eingestellt. Ein regulärer Geschäftsbetrieb oder erreichbare Ansprechpartner waren dadurch nach außen nicht mehr erkennbar.

Ticketrückerstattungen gestalten sich schwierig

Doch was wird nun aus den Ticketrückerstattungen, wenn das Unternehmen insolvent ist? Einige Betroffene hatten Glück und die Rückabwicklung war auf eigene Versuche hin erfolgreich, sie erhielten ihr Geld, z.B. weil sie mit Paypal oder per Kreditkarte gezahlt hatten und der Käuferschutz rückwirkend noch funktionierte (Weitere Infos dazu hier).

Lösung bis Ende Juni?

Seit Beginn der redaktionellen Recherche von BLICK.de in der vergangenen Woche zum Thema, tut sich etwas im Fall. Nach langem Stillschweigen erreichte alle Ticketkäufer und -käuferinnen plötzlich am 10. Juni eine E-Mail von der offiziellen Reborn-Mailadresse. Diese wurde scheinbar reaktiviert, denn nur Tage zuvor konnte die Presseanfrage von BLICK.de nicht zugestellt werden. Auch die Gäste des Festivals berichteten BLICK.de gegenüber, dass die Mailadresse in den letzten Wochen nicht erreichbar war.

In dieser E-Mail heißt es wieder in einem Absatz: "Leider wurden bis heute nicht alle Tickets vollständig erstattet. […] Die Rückerstattungen sollten technisch und organisatorisch durch den Ticketanbieter CTS Eventim Sports GmbH abgewickelt werden. […] Um eine schnellstmögliche Klärung und vollständige Abwicklung aller offenen Rückerstattungen zu erreichen, haben wir rechtliche Schritte lanciert. Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass wir bis Ende Juni 2026 eine Lösung erreichen können und alle noch offenen Rückerstattungen entsprechend ausgezahlt werden."

Eventim weist Behauptungen von sich

Für die Betroffenen ist es bitter, denn wieder verweist der Veranstalter auf Eventim. Christian Colmorgen, Vice President Corporate Communications von CTS Eventim, erklärt die Zusammenhänge: "Die Ansprüche von Ticketbesitzern richten sich stets gegen den Veranstalter. Das gilt für die Durchführung der Veranstaltung und den Einlass genauso wie für die Entschädigung z. B. bei Ausfall oder Verschiebung einer Veranstaltung. CTS Eventim bietet Veranstaltern für die Erstattung einen bewährten Service an, mit dem Kunden mit wenigen Klicks eine Erstattung beantragen können. Allerdings liegt die Entscheidung beim Veranstalter, ob er die Rückerstattung selbst vornehmen oder über uns abwickeln lassen möchte. Im aktuellen Fall hat der Veranstalter nicht die für eine Erstattung nötigen Voraussetzungen geschaffen."

"Sollte der Veranstalter im Zusammenhang mit der Ticketpreiserstattung auf Eventim verweisen, ist dies unzutreffend."
Christian ColmorgenVice President Corporate Communications CTS Eventim

Nun will Gierke plötzlich selbst abwickeln

Am vergangenen Freitag, nur zwei Tage nach der letzten E-Mail des Reborn Festivals erreicht die Fans ein neues Update zum Fall. Diesmal heißt es: " Viele von Euch warten inzwischen seit Wochen auf die Rückerstattung ihrer Tickets. […] Deshalb haben wir entschieden, die noch offenen Rückzahlungen selbst vorzunehmen, ungeachtet der offenen Themen im Hintergrund."

Plötzlich ist auch die Webseite des Reborn Festivals wieder online, als Veranstalter steht die neue Firma von Herrn Gierke im Impressum. Über ein Kontaktformular sollen die Gäste ihre Daten eingeben (Bestellnummer, Bestellbestätigung, Name, IBAN und Anschrift des Kontoinhabers). Die Angaben würden dann geprüft und das Geld zurücküberwiesen werden.

Zu dieser Maßnahme erklärte Daniel Gierke gegenüber BLICK.de am Sonntag: "Die Rückabwicklung der Ticketkäufe erfolgt automatisiert über den jeweiligen Ticketanbieter und die ursprünglich verwendeten Zahlungsmittel. Da dieser Prozess mehr Zeit in Anspruch nahm als erwartet, haben wir den Gästen eine direkte Abwicklung über uns als Veranstalter ermöglicht." Offen bleibt, aus welchen Mitteln die noch ausstehenden Rückerstattungen erfolgen sollen.

Welche Lösung letztlich zum Erfolg führt und ob tatsächlich alle Betroffenen ihr Geld zurückerhalten, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Disclaimer: Achtung: Es gibt 2026 ein neues Festival in München, was ebenfalls den Namen "Reborn" trägt. Es handelt sich dabei um ein anderes Festival, was mit dem "alten" Reborn aus Sachsen nichts zu tun hat.

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