Am vergangenen Sonntag endete das erfüllte Leben von Lothar Thomas im Alter von 90 Jahren. Er war mit zwei gewonnenen DDR-Meisterschaften einer der erfolgreichsten Rennfahrer des DDR-Autorennsports.
Vom Motorrad zum Formel-Flitzer und schließlich zum Tourenwagen
Lothar Thomas erblickte am 15. Juli 1935 in Dresden das Licht der Welt. Seine Motorsport-Karriere begann er 1958 auf zwei Rädern, konkret auf einer MZ-RT 125, doch bereits 1960 wechselte er auf vier Räder.
Los ging es mit einem Formel-Flitzer der Marke Eigenbau auf Wartburg-Basis in der damaligen Formel Junior. Nach abgeschlossener Ausbildung zum Kfz-Meister eröffnete er 1964 in seiner Heimatstadt Radeburg eine Auto-Werkstatt, mit der er sich auf Skoda-Fahrzeuge aus der benachbarten Tschechoslowakei spezialisierte. Dem böhmischen Hersteller blieb er auch Zeit seines Lebens treu, speziell auf den Rennstrecken.
Im Formel-Sport konnte er auf keine großen Erfolge verweisen, doch mit dem Aufkommen der neuen Tourenwagen-Klasse A 2, Gruppe 22 bis 1.300 ccm im Jahr 1972 sollten sich die erhofften Erfolge schnell einstellen. In dieser Klasse waren anfangs die fast ausschließlich in Eigenregie zum Renn-Tourenwagen modifizierten Zweitakt-Wartburg 353 praktisch unschlagbar. So ging 1973 auch der erste offizielle DDR-Meistertitel an den Scheibenberger Manfred Günther, und somit an einen Wartburg-Treiber.
Erster DDR-Meistertitel im Skoda gegen übermächtige Wartburg-Konkurrenz
Lothar Thomas brachte zunächst einen Skoda 1000 MB mit traditionellem Viertakt-Motor und 1973 einen Skoda S 100 an den Start. Mit letzterem wurde er 1974 unter anderem auf dem Sachsenring Zweiter hinter Manfred Günther, nach wie vor in einem Wartburg, und ebenso Zweiter auf dem Schleizer Dreieck hinter dem Ost-Berliner Peter Mücke, ebenfalls in einem Eisenacher Dreizylinder-Wagen. Am Jahresende hatte er mehr Meisterschaftspunkte auf seinem Konto als jeder andere fast ausschließlich Wartburg-Fahrer und durfte sich so über seinen ersten DDR-Meistertitel freuen.
Der zweite Genie-Streich
Nach einer weniger erfolgreichen Saison 1975 wiederholte der für den ruhmreichen MC Lockwitzgrund startende Lothar Thomas diese feine Leistung 1976, nun mit einem Skoda S 120. Dabei wurde er auf dem Sachsenring im halb-internationalen Ost-Block-Feld Sechster, gleichbedeutend mit Platz drei der DDR-Meisterschaftspiloten.
In Schleiz gewann er danach den reinen DDR-Meisterschaftslauf und beim Finale auf dem Frohburger Dreieck wurde er zum Abschluss Zweiter, sodass er erneut die meisten Punkte auf dem Zettel hatte. Im "Pokal für Frieden und Freundschaft" wurde er in jenem Jahr zudem bester DDR-Fahrer und lehrte dabei so manchem tschechoslowakischen Rennfahrer- und Markenkollegen mit logischerweise besseren Voraussetzungen das Fürchten.
Wechsel in eines der schönsten Autos des Ostblocks
1977 wechselte er in einen von einem CSSR-Schrottplatz importierten, aber schick wieder aufgebauten Schrägheck-Skoda 130 RS (Coupé). Nach einem Eingewöhnungsjahr konnte er sich 1978 damit die DDR-Vizemeisterschaft sichern.
Auf Grund neuer Homologationsregeln wäre Lothar Thomas 1979 nicht mehr konkurrenzfähig gewesen, sodass er den Helm an den Nagel hängte.
Allerdings nicht auf ewig, denn in der Klassik-Szene tauchte er nach der Wende mit dem wunderschönen "130er" immer wieder auf und beteiligte sich, außer an Demonstrationsfahrten und Jubiläumsveranstaltungen, regelmäßig auch an den Rennen der HAIGO (Historische Automobil Interessengemeinschaft Ost) respektive dem heutigen ADAC Historic Cup Ost.
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