Bis zuletzt Gutes getan: Motorsporttalent rettet mit Tod fünf Leben

Vor zehn Jahren verunglückte der Motorradrennfahrer Jonas Hähle tödlich – sein Herz schlägt weiter

Sachsenring

Heute auf den Tag genau ist es zehn Jahre her, dass der Motorrad-Nachwuchsrennfahrer vom Sachsenring Jonas Hähle sein junges Leben verlor. Mit ihm verlor nicht nur der Motorsport ein großes Talent, sondern die Welt, trotz seiner erst 15 Jahre, einen großen Menschen.

Die hässliche Seite des geliebten Motorsports

Am 22. August 2015 zeigte sich der ohne Zweifel gefährliche Motorsport mal wieder von seiner hässlichsten Seite. Beim ersten Rennen des ADAC Junior Cup im Rahmen der German Speedweek in der Motorsport Arena Oschersleben kam es zu einem verhängnisvollen Startunfall, bei dem es Jonas Hähle aus Ursprung am schwersten erwischte. Mit schweren Kopf- und inneren Verletzungen wurde er per Hubschrauber in die Uni-Klinik Magdeburg geflogen. Noch am gleichen Samstagabend kam die traurige Kunde, dass die Ärzte ihn nicht retten konnten. Doch Jonas Hähle hatte sich im Vorfeld zur Organspende bereiterklärt. Mit fünf seiner Organe konnte anderen schwerkranken Patienten geholfen werden, von denen zum Beispiel sein Herz in einer damals Zwölfjährigen weiterschlug.

Karriereverlauf zeigte steil nach oben

Jonas Hähle wurde am 22. Juni 2000 in Stollberg geboren und lebte bei seinen Eltern im Lugauer Ortsteil Ursprung auf. Er war ein netter und allseits beliebter junger Mensch, der sich zusammen mit seinem Bruder Adrian, befeuert von seinem Motorsport-begeisterten Vater und Opa, frühzeitig mit dem Motorsport-Virus infizierte. Mit der Rennerei begann er in einem nahezu frühestmöglichen Alter. Als Mitglied des AMC Sachsenring nutzte auch er die unterste Einstiegsmöglichkeit in den Motorradrennsport, und zwar im Jahr 2009 bei den Pocketbikes. Zu denen hatte er über diverse Schnupperkurse und Trainingseinheiten des AMC sogar noch früher gefunden. Schon 2010 wurde sein Talent sichtbar, als er sich den dritten Platz in der Deutschen Pocketbike Meisterschaft Junior A sichern konnte. Wiederum ein Jahr später wechselte er auf die größeren Motorräder in den ADAC Mini Bike Cup. In der Klasse Einsteiger NSR 50 belegte er auf Anhieb den siebenten Platz, um gleich danach in die den versierteren Fahrern vorbehaltene Nachwuchsklasse aufzusteigen. Nach Gesamtrang 13 im ersten Jahr, sprang für ihn 2013 schon der neunte Platz heraus.

Podest beim wichtigsten Rennen des Jahres

Im Eiltempo ging es für ihn dann weiter, denn ein Jahr später mischte er bereits im ADAC Junior Cup powered by KTM, der auf richtigen Rennstrecken Deutschlands und der angrenzenden Länder ausgetragen wurde, mit. Und wie, denn ausgerechnet beim wichtigsten Rennen des Jahres, welches die ADAC-Nachwuchsklasse alljährlich vor den Augen tausender Fans sowie der versammelten Motorsport-Weltpresse im Rahmen des Motorrad Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring bestritt, hatte Jonas Hähle seinen größten Auftritt. Als Zweiter fuhr er auf das prestigeträchtigste Podest des Jahres. Mit weiteren vorderen Platzierungen beendete er die Saison auf dem sechsten Rang.

2015 nahm er erneut Maß auf Top-Platzierungen im ADAC Junior Cup, was er gleich beim Saisonauftakt auf dem Lausitzring mit Platz drei in die Tat umsetzte. Danach schaffte er noch zwei fünfte Plätze, bevor es zum unsäglichen Rennen nach Oschersleben ging.

Mit Ableben Gutes getan

Zwar kam am Abend des Unglückstages die traurige Kunde vom zu erwartenden Ableben von Jonas Hähle, doch verabschiedet hatte er sich damit von dieser Welt noch nicht. Da man seinem Wunsch nach dem Spenden von Organen nachgekommen war, datiert sein offizieller Todestag auf dem 24. August - ein Tag, an dem man in Gedenken an einen großartigen Menschen ebenfalls innehalten sollte. Zu seiner bewegenden Beisetzung strömten keine zwei Wochen später rund 400 (!) Trauergäste und erwiesen ihm die letzte Ehre. Schade, dass die Welt damals um einen so jungen, lebensfrohen, weitsichtigen und guten Menschen ärmer wurde.

 

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