Bevor der Sachsenring 2027 sein ganz großes, das 100-jährige Jubiläum feiert, ist in dieser langen Geschichte auch 1996 ein besonderer Meilenstein gesetzt worden, der sich demzufolge 2026 zum 30. Mal jährt. Es war der 26. Mai 1996, als auf einem neuen, noch sehr provisorischen Kurs ein weiteres und ganz anders gelagertes Kapitel aufgeschlagen wurde. Dies war der Ausgangspunkt des neuen Sachsenrings, mit dem die Fortsetzung der langen Motorsport-Tradition gesichert wurde.
Abschied mit Trauerflor
Der 1927 erstmals befahrene sonst öffentliche Straßenkurs mit Ortsdurchfahrt von Hohenstein-Ernstthal sowie durch Waldpassagen forderte im Wende-Jahr 1990 drei Todesopfer und war damals einfach nicht mehr zeitgemäß. Somit war das reine Motorradrennen zur letztmals ausgetragenen DDR-Meisterschaft inklusive eines prädikatfreien Superbike-Rennens das letzten auf der 8,618 Kilometer langen Naturrennstrecke.
Der Westdeutsche Rainer Tews (aus Coburg) und der langjährige Rennfahrer aus der DDR-Königsklasse bis 250 ccm Zweizylinder Bernhard Findeisen aus Schönebeck verloren an jenem schwarzen Sonntag, dem 8. Juli 1990, ihr Leben. Der Wuppertaler Edgar-Peter Leyer erlag mit kleinem zeitlichem Versatz seinen zugezogenen schweren Verletzungen. Die Durchführung weiterer Rennen auf dem traditionsreichen Straßenkurs war danach undenkbar.
Verkehrssicherheitszentrum als Heilsbringer
Mit dem Wunschgedanken eines modernen, zeitgemäßen Motodroms sollte es weitergehen, doch ließ sich dies in der unmittelbaren Wende- und Nachwendezeit nicht darstellen und realisieren.
Nach langem Hin und Her schien ein Verkehrssicherheitszentrum mit motorsportlicher Nutzbarkeit des Rätsels Lösung zu sein, doch auch diese wollte finanziert sein.
Der „Plan B“ ließ sich schließlich in die Tat umsetzen, sodass am 30. April 1994 der offizielle erste Spatenstich in der Nähe der alten Strecke getätigt werden konnte.
Nach einer kleinen Pause und anschließend effektiv zehnmonatiger Bauzeit konnte am 22. August 1995 das „Verkehrssicherheitszentrum Sachsenring“ feierlich eröffnet werden. Ein VSZ war schön und gut, aber die Region rings um den alten Sachsenring lechzte nach Motorsport.
Deutsche Motorradmeisterschaft läutete neue Ära ein
Wie 1927 und auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren es zahlreiche Enthusiasten, die den Traum Wirklichkeit werden ließen. Nach dem Trainingstag 25. Mai 1996 der Deutschen Motorradmeisterschaft sowie des damaligen Sahnestückes Pro Superbike konnten am 26. Mai beim „Internationalen ADAC – Sachsenringrennen“, und damit auf den Tag genau 69 Jahre nach dem 1. Badberg-Vierecks-Rennen, in Hohenstein-Ernstthal auf dem nun neuen Sachsenring wieder Rennsieger ermittelt werden.
Auf dem 3,583 Kilometer langen noch ziemlich provisorischen neuen Sachsenring gewann der Schwede Christer Lindholm beide Superbike-Läufe auf einer Ducati vorm Schweizer Roger Kellenberger auf Honda. Dritter wurde im ersten Lauf der Österreicher Andy Meklau, ebenfalls auf Ducati, und im zweiten Jochen Schmid aus Backnang auf Kawasaki. Der Hohenstein-Ernstthaler Lokalmatador André Friedrich mit der ihm anvertrauten Aral-Yamaha wurde einmal Achter und einmal Zehnter.
Zum zweiten Rennen auf dem neuen Kurs kamen 29. und 30. Juni 1996 die Autos mit ihrer damaligen zweiten Liga nach der DTM, dem Super Tourenwagen Cup (STW).
Eine zweite Erfolgsgeschichte bis heute und hoffentlich noch viele weitere Jahre
1998 kehrte die Motorrad-Weltmeisterschaft auf den Sachsenring zurück und ist seit dem eine zweite Erfolgsgeschichte sondergleichen. Seit dem hat sich der neue Sachsenring zu einem wahrlich weltweiten Wallfahrtsort vor allem für MotoGP-Fans entwickelt. Wurden in der ersten WM-Ära von 1961 bis 1972 zwölf Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe hier ausgetragen, sind es auf dem neuen, einst mit den West-Rennstrecken Hockenheim und Nürburgring konkurrierenden Kurs in Summe schon deren 27. Nummer 28 folgt vom in diesem Jahr vom 10. bis 12. Juli.
Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.




