Ehrenamt in Westsachsen: „Warenkorb“ unterstützt Bedürftige bei der Lebensgrundlage

Für Menschen in Not und in jedem Alter

Limbach-Oberfrohna

Immer freitags ab 13.30 Uhr bildet sich Am Hohen Hain 18 eine lange Schlange. In den Räumen, die durch den Sozialverein „Halt“ in der Stadt bekannt sind, bieten die Mitarbeiter des „Warenkorbes“ ihre Produkte an. Willkommen ist zur Ausgabe dann jeder der nachweisen kann, dass er in einer bestimmten Form Sozialleistungen bezieht. Das sind zum Beispiel Senioren mit geringer Rente, Alleinerziehende oder Flüchtlinge. „Zu uns kommen auch Süchtige oder Verschuldete, wir sind für alle offen“, erklärte Heidemarie Berndt. Die frühere Lehrerin hat sich von jeher sozial engagiert und ist immer wieder von den Notsituationen berührt, die sie und ihre Mitstreiter bei der ehrenamtlichen Aufgabe zu hören bekommen. Seit 1989 ist sie helfend unterwegs, den „Warenkorb“ selbst gibt es seit über 20 Jahren.

Viele Abgabepunkte in Westsachsen

Neben ländlichen Ausgabestellen gibt es Abgabepunkte in Meerane, Lichtenstein und eben Am Hohen Hain. Allein in Limbach-Oberfrohna gibt es 35 bis 40 Bedarfsgruppen, die aus einzelnen Personen oder Familien bestehen können. Geschätzt sind dies um die 75 Personen, die die Angebote nutzen. Initiiert wurde das Projekt vom Frauenzentrum Hohenstein-Ernstthal, deren Vorsitzende Berndt ist.

Was jeweils freitags im Angebot ist, kann man im Vorfeld nur schwer sagen. Die ehrenamtlichen Helfer fahren vormittags die Märkte ab, dann wird in den Räumen Am Hohen Hain vorsortiert. Meist sind es frische Waren des täglichen Bedarfs, was länger haltbar ist, wird meist zugekauft. „Da viele Märkte ihre Produkte, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, inzwischen selbst reduziert verkaufen, bleibt weniger für unsere Bedürftigen“, erläuterte Berndt. Hier kommt die Bürgerstiftung von Limbach-Oberfrohna ins Spiel. Die Gruppe ist seit 2000 für Bürger in Notlagen aktiv und unterstützt seit ein paar Jahren finanziell den „Warenkorb“.

Vorsitzender Oberschelp über die Zukunft

„Die aktuell 10.000 Euro, die wir jährlich dafür einplanen, soll es auch in Zukunft geben“, betonte der Vorsitzende Dietrich Oberschelp. „Wir möchten keinen Hunger hier in der Stadt, vor allem nicht in Familien.“ Im Jahr 2025 hat die Bürgerstiftung unabhängig von der Unterstützung für den „Warenkorb“ 40 bis 50 Einzelfallhilfen geleistet. Das Motto dabei ist: Förderung der Erziehung und Bildung, Jugend- und Altenhilfe sowie von wirtschaftlich Bedürftigen.

Kleine Spende für Erwachsene

Dies sind immer wieder auch die Kunden des „Warenkorbs“, der oft mit der „Tafel“ in Verbindung gebracht wird. Heidemarie Berndt betont, dass man mit dieser ähnlich agierenden Gruppe gut zusammen arbeitet, vor allem beim Austausch von Dingen, die jeweils gerade fehlen. „Ansonsten sind wir aber zwei völlig voneinander unabhängige Projekte“, informierte sie. Seit Sommer 2025 ist Jana Heinig für die wöchentlichen Abläufe zuständig. 18 ehrenamtliche Helfer stehen für fünf Tage Arbeit in der Woche bereit, die morgens beginnen und sich bis weit in den Nachmittag erstrecken. Wer seinen Einkommensnachweis beim „Warenkorb“ gezeigt hat, kann gegen eine kleine Spende von 3 Euro pro Erwachsenem schauen, was aktuell zur Ausgabe steht.

Ein Ausblick für die nächste Woche

Nicht immer ist unmittelbar dabei, was sich der Bedürftige wünscht, aber der BLICK konnte sich vor Ort selbst ein Bild machen, wie umfangreich das Angebot ist. Vor allem Backwaren und Obst, aber auch frische Blumen standen beim vor-Ort-Termin reichlich zum Angebot. Am Ende verlassen alle zufrieden und mit gefüllten Tüten die wöchentliche Ausgabe. Für die Ehrenamtler ist dann noch nicht Schluss: Nun wird aufgeräumt und überlegt, wie man verderbliche Waren noch sinnvoll nutzen kann. Am Montag beginnt der wöchentliche Kreislauf von Neuem.

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