Es ist ein Moment, auf den Michael Kühn mehr als drei Jahrzehnte gewartet hat. Als am Dienstagnachmittag im Kirchenschiff des Doms St. Marien der Förderbescheid für die Restaurierung der letzten drei Fassadenfiguren überreicht wird, spricht der langjährige Dombaumeister von einer „Sternstunde“.
„Als 1991 mit der Restaurierung der ersten Figuren begonnen wurde, hätte ich nie geglaubt, dass ich noch erlebe, wie alle 74 erhaltenen Statuen restauriert werden“, sagt Kühn sichtlich bewegt. Damals war es der Engel über dem Hauptportal, den er als erste Figur in die Hände der Restauratoren gab – heute sind es die letzten drei: Petrus, Paulus und der Prophet Jesaja.
Unterstützung durch Sparkassenstiftung und Sparkasse Zwickau
Möglich wird dieses letzte große Kapitel dank der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Ostdeutsche Sparkassenstiftung und der Sparkasse Zwickau Sparkasse Zwickau. Deren Geschäftsführerin Patricia Werner betont: „Wir freuen uns sehr, gemeinsam die Restaurierung dieser bedeutenden Figuren am Dom St. Marien ermöglichen zu können.“ Die Förderung liege im sechsstelligen Bereich und würdige zugleich das jahrzehntelange Engagement des Fördervereins sowie die besondere Rolle des Doms als geistliches und kulturelles Zentrum der Stadt.
Auch Grit Joseph vom Vorstand der Sparkasse Zwickau dankt allen Beteiligten – von der Kirche über die Handwerker bis hin zu den Denkmalpflegern. Besonders hebt sie Dr.-Ing. Michael Kühn hervor: „Ihr Einsatz zeigt, was erreicht werden kann, wenn Vision und Tatkraft Hand in Hand gehen.“
Ein Zeichen des Dankes
Als Zeichen des Dankes überreicht Kühn Patricia Werner ein Bild des Zwickauer Altars – mit einem Augenzwinkern und der Bemerkung, es erinnere daran, bei allem Handeln auch an das Jüngste Gericht zu denken, das auf der Rückseite des Altars dargestellt ist.
Historische Figuren und Restaurierungsstart
Die drei Figuren stammen aus dem Jahr 1891 und wurden vom Architekten Oskar Mothes geschaffen. Nun beginnen sie eine neue Reise: In zwei sächsischen Steinmetzbetrieben sollen sie in den kommenden Monaten restauriert werden. Etwa ein Jahr wird es dauern, bis Petrus, Paulus und Jesaja an ihre angestammten Plätze zurückkehren. Am Dienstagnachmittag wurden sie unter großem medialen Interesse von der Fassade abgenommen.
Ihr Zustand zeigt, wie dringend diese Rettung ist. Petrus fehlt seit dem Zweiten Weltkrieg der Kopf. Bei Paulus löste er sich beim Abbau fast von selbst – und landete nur dank schneller Hände sicher bei den Steinmetzen. Allen Figuren fehlen Gliedmaßen, sie sind stark verwittert. „Die Restaurierung kommt wirklich keine Minute zu früh“, sagt Kühn.
Aufwendige Rekonstruktionen
Besonders aufwendig wird die Rekonstruktion des Kopfes des Petrus. Alte Fotografien müssen dafür als Vorlage dienen. Auch bei Paulus reicht einfaches Ausbessern nicht aus: Als ein Arbeiter den Stein bearbeitete, stieg ihm ein starker Kohlengeruch in die Nase – ein Zeichen dafür, wie sehr das Material im Inneren bereits geschädigt ist.
Blick in die Zukunft
Doch Kühn blickt weiter nach vorn. Er hofft, auch noch die Rückkehr einer weiteren Figur zu erleben: des Apostels Philippus, dessen Platz seit dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg leer ist. „Wir haben Fotos der Figur. Sie kann nachgebildet werden. Den Kalkstein dafür haben wir schon 1995 gekauft“, erzählt der heute 83-Jährige.
Auszeichnungen und Engagement
Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Kühn 2015 das Bundesverdienstkreuz sowie die Martin-Römer-Ehrenmedaille der Stadt Zwickau. Seine Leidenschaft für den Dom hat er an seine Enkeltochter Christina weitergegeben, die ihn heute tatkräftig in der Vereinsarbeit unterstützt.
Lebenswerk aus Stein
Wenn Petrus, Paulus und Jesaja in etwa einem Jahr wieder an der Fassade stehen, schließt sich ein Kreis, der 1991 begonnen hat. Fast. Denn es fehlt noch Philippus. Für Michael Kühn ist es mehr als ein Bauprojekt – es ist ein Lebenswerk aus Stein.
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