Faust im Krankenzimmer: Zwickau feiert Premiere von Goethes Urwerk

Zwischen klinischem Weiß und großen Lebensfragen: Warum das Theater Plauen-Zwickau Goethes Klassiker jetzt ganz neu erzählt.

Zwickau

Goethes "Urfaust" feiert am Samstag, 7. März, im Zwickauer Gewandhaus Premiere. Inszeniert wird das Stück von der Regisseurin Nora Bussenius. Einblicke in ihre Arbeit gab die 1982 in Ost-Berlin geborene Künstlerin bei einer Einführung in das Stück und einer anschließenden öffentlichen Probe - beides stieß auf großes Interesse beim Zwickauer Publikum.

 

Verpasste Chancen und die Fragen des Lebens

"Was bleibt am Ende eines Lebens, und was wäre gewesen, wenn?" - diese beiden Fragen treiben die Gastregisseurin Nora Bussenius bei ihrer "Urfaust"-Inszenierung für das Theater Plauen-Zwickau besonders um. Sie betrachtet Goethes Jugendwerk unter dem Aspekt der "verpassten Chancen". Was wäre, wenn Faust und Gretchen zusammengekommen wären?

 

Ein ungewöhnliches Setting: Das Krankenzimmer

Die Erinnerung an den Besuch ihres Großvaters im Krankenhaus sowie an ihren eigenen Aufenthalt "auf der Schwelle zwischen Leben und Tod" brachte die 43-Jährige auf die Idee, die Geschichte des "Urfaust" in einem Krankenzimmer anzusiedeln. Wie das aussieht und wie es mit gleich drei "Fäusten" funktioniert, konnten die Besucher der öffentlichen Probe am vergangenen Donnerstag im Gewandhaus Zwickau erleben.

 

Präzision im Sekundentakt: Die Arbeitsprobe

Dabei warnte die Regisseurin: "Es ist eine Arbeitsprobe. Auch wenn wir scheinbar nur reden, arbeiten wir - bleiben Sie also aufmerksam." Ebenso kündigte sie an: "Es kann zu laut, zu leise, zu dunkel oder zu hell sein", da Ton und Licht sekundengenau abgestimmt werden müssen und Requisiten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein müssen.

 

Einblick in den Probenprozess

Die Besucher konnten verfolgen, wie minutiös nicht nur an Text, Bewegung und Mimik, sondern auch an technischen Abläufen gearbeitet wird. Den Proben auf der großen Bühne war eine intensive Rollenarbeit mit dem Ensemble vorausgegangen, für die die Regisseurin eine eigene Bühnenfassung erstellt hatte. "Wir haben in diesen Wochen gelacht und geweint und uns unsere Lebensgeschichten erzählt", erklärte Bussenius bei der Einführung, bei der die Kostüme als Figurinen auf einer Leinwand präsentiert wurden.

 

Hinter den Kulissen: Präzision und Pannen

Dass bei einer Probe nicht alles sofort reibungslos funktioniert, wurde ebenfalls sichtbar: So mussten etwa die Tabletten des greisen Faust genau dort liegen, wo er sie greifen soll, der begehbare Schrank offenbarte technische Tücken, und das Krankenbett stand erst stabil, nachdem Bühnen- und Kostümbildnerin Lara Belén Jackel den richtigen Hebel betätigt hatte.

 

Das Ensemble und die Rollenverteilung

Für komische Momente sorgten vor allem die Darsteller der drei "Fäuste" - der Gastschauspieler Klaus Gramüller sowie die Ensemblemitglieder Daniel Koch und Lev Semenov. Gretchen, das Objekt ihrer Begierde, wird von Kristin Heil gespielt. Publikumsliebling Ute Menzel übernimmt gleich mehrere Rollen: Unter der Bezeichnung "M" verkörpert sie Gevatterin Tod, Muhme Gewissen und Mephisto, außerdem Marthe, Lieschen und den Erdgeist. Eine große Rolle spielt auch die Musik, komponiert von Sebastian Undisz.

Die eine Probenstunde verging für die Zuschauer wie im Flug. Zurück blieben Vorfreude und Spannung auf die Inszenierung, deren Textfassung laut Regisseurin zu nahezu 100 Prozent auf dem Original basiert. Ein bekanntes Faust-Zitat werde dennoch jeder sofort erkennen.

 

Premiere und Zusatzveranstaltungen

Die Premiere am 7. März im Gewandhaus beginnt um 19.30 Uhr. Im Anschluss findet ein Premierenempfang im Foyer statt.

Weitere Termine:

  • 11. und 12. März, jeweils 18 Uhr
  • 13. März, 19.30 Uhr
  • 22. März, 16 Uhr
  • 11. April, 19.30 Uhr.

Nach der Vorstellung am 22. März findet ein Nachgespräch unter dem Titel "Alles in der Welt lässt sich ertragen" statt - über Resilienz und den Umgang mit multiplen Krisen bei Johann Wolfgang von Goethe und in der Gegenwart. Gesprächspartnerin ist Pfarrerin Insa Lautzas von der Stadtkirchgemeinde Zwickau.

 

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich