Glauchau: So geht es nach dem Aus für Events im Café Taktlos weiter

Café-Crew und Kulturknall-Verein dürfen keine Veranstaltungen mehr im Treff an der Heinrich-Heine-Straße organisieren. Sie befürchten: „Damit stirbt in Glauchau eines der letzten Stücke Subkultur.“

Glauchau

Solidarisierung und Spenden spüren die Mitglieder des Kulturknall-Vereins und die Crew des Café Taktlos an den letzten Tagen.

So fasst Vereinsmitglied Michael Berger, der sich in Glauchau auch in der Kommunalpolitik engagiert, die Reaktionen nach der Mitteilung zum Ende von Konzerten und weiteren Angebote im Café Taktlos im Objekt an der Heinrich-Heine-Straße zusammen. „Wir haben zudem einige überregionale Presseanfragen erhalten“, sagt Berger.

Über 30 Jahre Geschichte

„Seit über 30 Jahren steht das Café Taktlos in Glauchau für gelebte Subkultur, ehrenamtliches Engagement und einen offenen Raum für Jugendliche und Erwachsene, die abseits des Mainstreams Gemeinschaft, Kreativität und Ausdruck suchen. Umso unverständlicher und schmerzhafter ist für uns die Entscheidung der Diakonie Westsachsen, uns vor die Tür zu setzen“, fassen Kulturknall-Verein und Café Taktlos die Situation in einem kürzlich veröffentlichten offenen Brief zusammen.

Diakonie betreibt eine Jugendhilfestation

Die Diakonie betreibt die Jugendhilfestation an der Heinrich-Heine-Straße, wo in einem Teil der Räume die Veranstaltungen von Verein und Café stattfanden. Die Entscheidung wird mit Sicherheitsbedenken begründet.

Hintergrund sind in Glauchau und vor allem rund um die Heinrich-Heine-Straße aufgetauchte Sticker des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Darauf war das H2 – also die vom Café genutzten Räume – im Fadenkreuz zu sehen. „Mit dem Ende der Konzerte und weiterer Angebote im Café Taktlos stirbt in Glauchau eines der letzten Stücke Subkultur.

Für viele Jugendliche, die sich bewusst gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck positionieren, geht damit ein sicherer Ort verloren“, heißt es im offenen Brief von Kulturknall-Verein und Café Taktlos zum Aus am Standort an der Heinrich-Heine-Straße.

Neustart geplant

Im Hintergrund wird an einem Neustart an einem bisher noch nicht benannten Standort gearbeitet. Ziel sei es, auch zukünftig einen unabhängigen Raum für Subkultur, Begegnung und ehrenamtliches Engagement in Glauchau und Umgebung zu schaffen.

Im offenen Brief steht: „Einen Ort, der weiterhin für Vielfalt, Offenheit und kritische Kulturarbeit steht.“ Dafür haben Verein und Café-Crew eine Spendensammlung initiiert.

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