Großer Ehrentag: Ex-Vizeweltmeister ist am Sachsenring bekannt wie ein bunter Hund

Sachsen-Inventar aus Holland Aalt Toersen feiert 80. Geburtstag

Sachsenring

Heute feiert mit dem Niederländer Aalt Toersen nicht nur ein sehr erfolgreicher Rennfahrer seinen 80. Geburtstag, sondern ein in unseren Breiten auch sehr beliebter Zeitgenosse. Seine großen Erfolge im Rennsport feierte der heutige Jubilar Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre, doch auf Grund seiner fast lückenlosen Teilnahmen bei Klassik-Veranstaltungen auf dem Sachsenring und dem Zschorlauer Dreieck (bis einschließlich dieses Jahr) gehört er hier inzwischen sozusagen zum Inventar. "Ich liebe Sachsen und komme immer wieder gern hierher. Meist verbinde ich das mit ein paar Tagen Urlaub und der wirklich schönen Landschaft", sagte er zum Beispiel im Rahmen des 28. Zschorlauer Dreieck Classic Grand Prix im August 2025.

 

Vom Bahnsport auf die Rundstrecke

Das Metier des am 6. November 1945 in Staphorst geborenen Aalt Toersen war die nur von 1962 bis 1983 als Weltmeisterschaft ausgeschriebene kleinste Hubraumklasse bis 50 ccm. Dabei dauerte seine WM-Karriere nur sechs mehr oder weniger volle Saisons bzw. 30 Grand Prix, war aber, außer kompakt, auch sehr erfolgreich.

Nach ein paar Rennen beim Grasbahnsport wechselte er 1965 auf die Straße und gewann bereits 1966 auf Anhieb die Niederländische Meisterschaft in der sogenannten "Schnapsglasklasse". Im gleichen Jahr debütierte er per zunächst einmaligem Gaststart bei der Dutch TT in Assen in der Motorrad-Weltmeisterschaft, blieb aber ohne zählbares Ergebnis.

Anders 1967, als er wiederum bei seinem Heimrennen als Fünfter seine ersten beiden WM-Punkte einfuhr und diesen danach im belgischen Spa-Francorchamps mit der gleichen Platzierung zwei weitere hinzufügte. In der Niederländischen Meisterschaft verteidigte er seinen Titel 1967 und auch 1968.

 

Die besten Jahre

Danach folgten seine international besten Jahre. Nach WM-Endrang neun 1968 feierte der Kreidler-Werksfahrer beim Saisonauftakt 1969 im spanischen Jarama seinen ersten Grand-Prix-Sieg und gewann auch die beiden nachfolgenden WM-Läufe in Hockenheim und in Le Mans. Danach stand er zwar noch vier Mal als Dritter auf dem Podest, doch am Ende musste er sich mit dem Vizetitel hinter dem spanischen Derbi-Ass Angel Nieto begnügen.

So auch 1970, als er seinen Landsmann Paul Lodewijkx im Jamathi-Rennstall vertrat. Wieder gewann er, diesmal zur Saisonmitte, drei Grand Prix (Spa, Sachsenring und Brno) in Folge und auch diesmal reichte es mit nur zwei zusätzlichen Podestplätzen in der Endabrechnung nur für den Silberrang.

Parallel stellte Aalt Toersen 1969 einen neuen damals noch attraktiven und von Werken hart umkämpften Geschwindigkeits-Weltrekord für ein 50-ccm-Motorrad auf. Auf dem Militär-Flughafen im englischen Elvington fuhr er mit einem Kreidler-Spezialgefährt ziemlich genau 130 km/h.

 

Rücktritt vom Rücktritt und Erfolge in der Klassik-Szene

 

An die ganz großen Erfolge auf der Rundstrecke konnte er danach nicht mehr anknüpfen, sodass sein 3. Platz 1970 im Nordirischen Ulster sein letzter GP-Podestplatz war.

Seinen letzten Grand Prix bestritt er 1972 auf dem Sachsenring, denn auf die letzten beiden GP des Jahres verzichtete er. Somit beendete er dieses nur auf Platz acht.

Ende 1975 hängte er den Helm endgültig an den Nagel, doch bereits 1978 wurde er zumindest insofern rückfällig, dass er wieder Grasbahnrennen fuhr.

Wenig später gab er sich auch wieder den Rekordfahrten hin, und 1993 kehrte er bei Klassik-Veranstaltungen und -Rennen auch auf die asphaltierten Rennstrecken zurück. Mit zwei Gesamtsiegen beim 50cc-Eurocup war er auch hierbei sehr erfolgreich.

 

Geschwindigkeitsrekorde für die Ewigkeit

In der offiziellen FIM-Statistik für Weltrekordfahrten wird Aalt Toersen mit 158.088 km/h für einen Kilometer sowie 158.164 km/h für die Meile, aufgestellt am 24. August 2014 auf den Bonneville Salt Flats im US-Bundesstaat Utah, nach wie vor in der Kategorie "I.A1.B I.1 50cc" als aktueller Weltrekordhalter geführt.

Beim jährlichen Sprint-Meeting auf dem Militär-Flugplatz im englischen Elvington verbesserte er zuletzt am 7. Juli 2019 im Alter von 73 Jahren den Geschwindigkeitsweltrekord auf einem 50-ccm-Motorrad über die Viertelmeile mit stehendem Start um nicht weniger als eine halbe Sekunde auf 15,05 Sekunden.

In seinen nur sechs echten Grand-Prix-Jahren gelangen Aalt Toersen in 30 GP sechs Siege und insgesamt 13 Podestplätze. Damit ist er einer der erfolgreichsten 50-ccm-Rennfahrer.

 

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