Heim-Grand-Prix für die letzten deutschen Mohikaner: Titelträume auf dem Sachsenring

Das Team Liqui Moly Dynavolt IntactGP aus Memmingen greift nach dem WM-Titel in der Moto2

Sachsenring

Das Moto2-Team Liqui Moly Dynavolt IntactGP sind die letzten deutschen Vertreter im Grand-Prix-Zirkus, hat aber ausgezeichnete Chancen, es in diesem Jahr in der WM-"Mittelklasse" allen anderen zu zeigen und den Weltmeister zu stellen.

Gonzalez übernimmt die Führung

Nach dem vorangegangen Rennen im niederländischen Assen, dem zehnten von 22 in dieser Saison, steht es mit dem Spanier Manuel Gonzalez an der Spitze der WM-Tabelle für die Fahrerwertung. Er feierte bereits vier Saisonsiege und sein Teamkollege Senna Agius aus Australien einen, sodass die Mannschaft aus Memmingen in der Team-Wertung aktuell Rang zwei nimmt.

 

Vor dem Heimrennen: Ein Blick hinter die Boxengasse

Vorm Heimrennen der "letzten deutschen Mohikaner" im GP-Paddock führten wir mit dem Teammanager und Ex-Rennfahrer Jürgen Lingg folgendes Interview:

Herr Lingg, fühlt man sich als einzige deutsche Vertreter im MotoGP-Paddock als vom Aussterben bedrohte Art oder befindet man sich ein bisschen in einer privilegierten Position?

Weder noch, weder bedroht noch privilegiert. Uns macht die Arbeit im Fahrerlager nach wie vor viel Spaß, und wenn wir so erfolgreich sind wie jetzt umso mehr, Erfolg ist immer das Ziel. Und wenn es nicht gut läuft, versucht man alles um wieder in die "Spur" zu kommen. Es gibt nichts Schöneres als in zufriedene Gesichter bei den Fans, Fahrern, im Team und bei den Sponsoren zu schauen.

 

Sie sind nicht nur international aktiv, sondern auch von Mitgliedern her international bestückt. Wie viele Teammitglieder umfasst ihre dreiteilige Mannschaft, bestehend aus den Abteilungen Moto2, Moto3 und MotoE, und wie viele Deutsche sind davon an Bord?

Gerade, weil wir international aktiv sind, haben wir glücklicherweise auch ein gutes internationales Netzwerk, was Personal betrifft. Für uns ist das absolut nebensächlich welche Nationalität und Hautfarbe. Wichtig sind die Qualifikation und der Einsatz von jedem. Wie viele einen deutschen Pass haben bei uns kann ich jetzt aus dem Stehgreif nicht sagen, den Gedanken hatte ich noch nie und deshalb habe ich da nie darauf geschaut. Wir sind im technischen Bereich 23, administrativ und Medien 7, Fahrer mit Betreuer, 12. Also insgesamt 42 Leute.

 

Mit Manuel Gonzalez und Senna Aguis haben Sie in diesem Jahr das große Los gezogen und sind in Sachen Moto2-WM-Titel so nah dran wie noch nie. Ist das bei Ihnen intern schon ein Thema?

Ja, wir sind sehr glücklich mit unseren Fahrern. Es ist auch schön zu sehen, wie Senna sich entwickelt, den wir ja schon seit der Europameisterschaft ausbilden. Manu ist schon einen Schritt weiter, aber über den Titel reden wir nicht, wir versuchen Runde für Runde, Session für Session und Rennen für Rennen unser Bestes zu geben. Die Anzahl der Siege und Podiums zeigen klar auf, dass das der richtige Weg ist, um nicht den Fokus zu verlieren.

 

Wäre der WM-Titel in einer klassischen WM-Kategorie die Erfüllung eines Traumes, es als einziges deutsches Team inmitten von fast ausschließlich spanischen und italienischen Team allen gezeigt zu haben?

Der WM-Titel ist immer das Ziel, wenn man die Möglichkeiten hat, dafür. Egal wo man herkommt, das ist bei allen gleich. Wir wollen es ausschließlich uns selber beweisen, nicht den Anderen.

 

Welche Sympathien haben Sie gegenüber ihrem Heimrennen auf dem Sachsenring und was wünschen Sie sich für dieses?

Der Sachsenring ist immer sehr speziell mit seinem ausgefallenen Layout, den vollen Tribünen, den vielen Zuschauern und Fans. Das ist sehr schön für uns und beflügelt schon noch extra. Ich wünsche mir, dass alle unsere 4 Fahrer max. Punkte einfahren, am besten mit Podium (am besten in der Mitte stehend, haha..).

 

Unsere Fahrer mögen den Sachsenring und dementsprechend schnell sind dort. Die Chancen stehen gut!

 

Ich treffe dort auch immer Leute von früher aus IDM-Zeiten usw. Wenn ich ein bisschen Zeit habe Quatschen wir da immer noch ein bisschen, das ist immer sehr nett und lustig.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

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