BLICK: „Hallo Robin, der FSV Zwickau hat – im Vergleich zu den letzten drei Spielzeiten – diesmal nur vier Neuzugänge präsentiert: Wie schwer war es, diese zu finden und nach Zwickau zu lotsen? Und welche Erwartungen hast Du an sie?“
Lenk: „Wir haben ganz gezielt Profilanforderungen festgelegt und danach geschaut, welche Spieler dafür infrage kommen, und die Idee, die war dahinter sehen, auch umsetzen können. Wir hatten einige gute, talentierte Kicker auf dem Radar. Die vier Spieler, die wir letztlich verpflichten konnten, um die haben wir uns sehr bemüht – und deswegen freuen wir uns, sie in Zwickau begrüßen zu dürfen. Wir sind davon überzeugt, dass sie die Qualität im Kader erhöhen und uns auf dem Platz besser machen. Wir haben nun noch mehr Möglichkeiten im Spiel mit und ohne den Ball bekommen.“
BLICK: „Auf der anderen Seite stehen 20 Spieler bei Euch unter Vertrag, die schon mindestens ein Jahr miteinander zusammengespielt haben: Welche Vorteile hat ein Team, welches sich bereits kennt?“
Lenk: „Vermeintlich sollte das ein Vorteil sein, dass wir eine eingespielte Mannschaft haben. Einige Spieler gehen sogar schon in ihre vierte FSV-Saison. Besonders in den letzten beiden Jahren haben die Jungs gezeigt, dass sie in der Lage sind, an guten Tagen jeden in der Regionalliga-Nordost zu schlagen. Auf der anderen Seite hat die Vergangenheit auch immer wieder gezeigt, dass wir – wenn wir unser Potential eben nicht abrufen – gegen jeden, auch gegen die kleinen Teams, verlieren können. Und genau hier müssen wir wachsam sein und stets den Finger in die Wunde legen. Zum Beispiel beim Ligastart, welcher uns in den letzten drei Spielzeiten kein einziges Mal geglückt ist. Das soll diesmal anders werden.“
Gestiegene Erwartungshaltung - im Umfeld & in der Mannschaft
BLICK: „Die Schwäne hatten eine „vogelwilde“ Vorbereitung: So gab es zwei Kantersiege gegen Vertreter aus der Westsachsenliga und hohe Erfolge gegen den FK Ústí nad Labem und VFC Plauen sowie außerdem ein 1:1 gegen Greuther Fürth II. Auf der anderen Seite setzte es Niederlagen gegen den Drittliga-Absteiger aus Schweinfurt und die zweite Mannschaft von Sparta Prag. Wie bewertest Du die Vorbereitung insgesamt?“
Lenk: „Es zieht sich ein bisschen auch wie ein roter Faden durch unsere Vorbereitung. Auf der einen Seite funktionieren einige Dinge schon ganz vernünftig, doch dann gibt es wiederum Aspekte, die noch nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen. Speziell die Defensive bereitet uns gegenwärtig die meisten Sorgen. Wenngleich diese mit der Verpflichtung von Ben-Luca Moritz noch eine sehr starke Verpflichtung erfahren hat, zeigt sie Schwächen. Erkennbar vor allem an den Gegentoren, die wir gefangen haben. Was obendrein hinzukommt, ist die Erwartungshaltung, die aufgrund der letzten drei Spielzeiten entsprechend gestiegen ist. Das gilt gleichermaßen für das Umfeld als auch innerhalb der Mannschaft. Dem gerecht zu werden, ist nicht so einfach.
Ich glaube, aktuell fehlt uns schlichtweg die Balance zwischen Offensive und Defensive. Beim letzten Testspiel gegen Sparta Prag II lässt sich das gut festmachen. In den ersten 40 Minuten lag der Fokus klar auf der Defensive, wir haben kein Gegentor zugelassen, aber im Umkehrschluss keine Torchance kreieren können. Danach haben wir offensiver gespielt, dafür hinten gepatzt. An diesem Switch im Spiel müssen wir arbeiten, um den schweren Start bei Carl-Zeiss Jena bewältigen zu können.“
U17 & U19 haben eine beeindruckende Entwicklung genommen
BLICK: „Bei diversen Testspielern waren Probespieler am Start: Wann und wie wollt ihr die U23-Spieler-Lücke schließen? Haben möglicherweise auch Talente aus der U19 eine Chance diesbezüglich? Und will der FSV Zwickau noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen?“
Lenk: „Fakt ist: Aktuell sind wir gut aufgestellt und wissen, was die Jungs können und wo möglicherweise noch versteckte Reserven liegen. Wir werden jetzt erst einmal schauen, wie die ersten Spiele laufen, um dann eventuell reagieren zu können. Bis zum 31. August sowie darüber hinaus haben wir Zeit, um Spieler nachzuverpflichten. Wir halten Augen und Ohren offen. Mit Sezer und Putze hat das in der Vorsaison gut geklappt.
Was die U23-Thematik betrifft, sind wir immer auf der Suche nach entwicklungsfähigen Spielern, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie uns entsprechend verstärken können und nicht nur aufgrund der Regel geholt werden. Eine weitere Möglichkeit stellt unser eigener Nachwuchs dar. Die Entwicklung in der U17 und U19 ist beeindruckend und die beiden Aufstiege sind der Lohn harter Arbeit. Ich selbst habe mir das entscheidende Relegationsspiel der U19 gegen SCHOTT Jena angeschaut und eine starke Leistung gesehen. Wir werden deswegen auch vier Talente auf der Spielberechtigungsliste vermerken. Und dann wird sich zeigen, ob wir den einen oder anderen perspektivisch im Männerteam mit einbauen können.“
Schwäne sind eine Spitzenmannschaft, aber kein Top-Team
BLICK: „Vor drei Jahren waren es 41 Punkte, vor zwei Jahren schon 60 Punkte, die der FSV Zwickau holen konnte. Und die letzte Saison habt ihr sogar mit 64 Punkten abgeschlossen. Worauf wird es ankommen, um die Leistung der Vorsaison zumindest bestätigen zu können? Welche Rolle wollt ihr insgesamt spielen?“
Lenk: „In den letzten drei Jahren gab es ausschließlich positive Entwicklungen, wodurch wir selbst die Messlatte sehr, sehr hoch gelegt haben – und der Pfeil zeigt weiterhin stetig nach oben. Das birgt natürlich ein Stück weit die Gefahr, weil zu solch einer tollen Entwicklung ebenso eine gewisse Stagnation, vielleicht auch ein kleiner Rückschritt dazugehört. Wir werden alles versuchen, um dem entgegenzuwirken, wissen aber ganz genau, dass es von Jahr zu Jahr schwerer wird. Die Leistung ein- oder zweimalig abzurufen, ist das eine. Das permanent wieder und wieder zu bestätigen, ist wesentlich schwieriger. Aber dieser Herausforderung stellen wir uns, wissen aber, dass wir noch allerhand Arbeit vor uns haben. Wir sind diesbezüglich aber gut gerüstet. Und was wir dabei nicht vergessen dürfen: Die Saison ist kein Einzel-Sprint, sondern ein 34-Spieltage-Marathon. In den letzten drei Spielzeiten haben wir nach einem schwachen Start stets noch die Kurve gekriegt. Und wir sind realistisch genug, um einzuschätzen, dass wir nicht zu den absoluten Topteams der Liga gehören.“
BLICK: „Letzte Frage: Wer sind für Dich die Topfavoriten in der kommenden Regionalliga-Saison?“
Lenk: „Da denke ich als Erstes an wirtschaftlich besser aufgestellte Vereine, die im Sommer Geld in die Hand genommen und für Spieler sogar Ablösesummen bezahlt haben. Zum einen wäre das die VSG Altglienicke, zum anderen Erzgebirge Aue. Sowohl der Hallesche FC als auch der Chemnitzer FC haben sich qualitativ und ebenso in der Breite sehr gut verstärkt. Den CFC habe ich gegen Unterhaching gesehen, da haben sie einen guten Eindruck hinterlassen. Es wird am Ende insgesamt sechs, sieben andere Vereine geben, die darauf abzielen, oben mitzuspielen. Der FSV Zwickau wird einer dieser Vereine sein.“
BLICK.de bedankt sich für das informative und ausführliche Interview und wünscht dem FSV Zwickau eine erfolgreiche Regionalliga-Saison 2026/27!
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