Während in Deutschland Karnevalisten am Rosenmontag und Faschingsdienstag gefeiert haben, bevor am Aschermittwoch die Narren- und damit die „fünfte“ Jahreszeit zu Ende ging, wird in Ostasien noch bis Sonntag der Beginn des neuen Jahres nach dem Mondkalender begangen. 2026 steht im Zeichen des Feuer-Pferdes.
Gut ins Neujahr gestartet
Während in Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt und tausend Orten dazwischen die Märkte wegen des Tet-Festes geschlossen sind, bleiben in Zwickau die vietnamesischen Geschäfte und Restaurants geöffnet. „Wir haben montags geschlossen, deswegen konnten wir um 18 Uhr das neue Jahr auch pünktlich begrüßen“, freute man sich im „Good Morning Vietnam“ an der Leipziger Straße, das an anderen Wochentagen bis 22 Uhr und am Samstag bis 23 Uhr geöffnet hat. So lief am Dienstag, am asiatischen Neujahrstag, der Restaurantbetrieb wie an jedem beliebigen Dienstag bereits ab 11 Uhr.
„Wir feiern am Wochenende nach“
Gegenüber vom Dom freut sich im Restaurant „Sen Viet“ der Besitzer Dang Quoc Binh über das „Chúc mừng năm mới“ (Frohes neues Jahr) eines Gastes. „Wir hatten am Montag, so wie heute, einen normalen Arbeitstag“, sagt der gelernte Koch aus Hanoi, der seit 36 Jahren in Sachsen lebt. „Wir feiern am Wochenende nach.“
Gefragt nach seinem Lieblingsessen antwortet er mit einer Gegenfrage: „Deutsches oder vietnamesisches?“ Er liebe die deutschen Rouladen und die in der Zubereitung sehr aufwändige vietnamesische Nudelsuppe Pho, die es in seinem Restaurant nur auf Vorbestellung gibt.
Trotz Arbeitsalltag wird angestoßen
Der Inhaber des A&K Gardinenmarkts, Nguyen Huu An, und seine Frau Bui Thi Thuy stießen nach der Arbeit am Montagabend mit einer befreundeten Familie auf das neue Jahr an, fuhren zur kleinen Pagode in Mülsen und telefonierten anschließend ausgiebig mit der Familie in Vietnam.
„Wir haben nur symbolisch auf das neue Jahr angestoßen, wir müssen ja alle arbeiten“, sagte Bui Thi Thuy am Dienstag, die zur Feier des Tages ein traditionelles Áo Dài trägt. Ihre Kinder – eine 13-jährige Gymnasiastin und ein neunjähriger Junge – wachsen zweisprachig auf. „Sie müssen doch mit unserer Verwandtschaft in Vietnam sprechen können“, sagt die 39-Jährige, die vor 20 Jahren aus dem Norden Vietnams nach Deutschland kam. Hier lernte sie ihren Mann kennen, der 1987 als Gastarbeiter in die DDR kam und bis zur Wende als Textilarbeiter in der Zwickauer Kammgarnspinnerei arbeitete. 1992 erfüllte er sich seinen Traum und eröffnete seinen Gardinenladen in Zwickau.
Das sind die Wünsche fürs neue Jahr
Fragt man das Ehepaar, was man sich zum neuen Jahr wünscht, sagt Bui Thi Thuy: „Glücklich und gesund zu sein.“ Und sie ist glücklich darüber, dass ihre Kinder sich in beiden Welten zu Hause fühlen, auch wenn sie selbst ihre Eltern und Geschwister an solchen Tagen wie dem Tet-Fest, an dem in Vietnam immer Familien zusammenkommen, sehr vermisst.
Werdauer Paar beschreibt die tradition
Auch Nguyen Sy Cuc und seine Frau Thi Thoa, die einen Obst- und Gemüseladen an der Marienstraße betreiben, vermissen ihre Familie in Vietnam. Nguyen Sy Cucs Eltern sind beide 97 Jahre alt. Er kam 1987 aus der Provinz Hà Tĩnh in die DDR und arbeitete in der Zweiga-Spinnerei Werdau. Seine Frau Thi Thoa, die in Glauchau als Näherin tätig war, lernte er hier kennen.
Am Montagabend feierte das Ehepaar, das heute in Werdau lebt, zusammen mit seinen Kindern, die aus Berlin und Frankfurt angereist waren, den Beginn des Feuer-Pferd-Jahres. Auf dem Tisch standen Bánh Chưng (Klebreiskuchen) und Xôi Gấc (roter Klebreis) – Symbole für Glück und Zusammenhalt. Gearbeitet wurde sowohl am Montag als auch am Dienstag.
Tet-Fest als Tradition in der Heimat
„Wir leben in Deutschland. Hier ist kein Feiertag. Also müssen wir arbeiten“, sagt Nguyen Sy Cuc und zeigt noch schnell auf seinem Smartphone, wie bei seinen Eltern in Vietnam gefeiert wurde. „Ein volles Haus wie immer zum Tet-Fest“, erklärt der Gemüsehändler.
Viel Zeit zum Betrachten der Bilder bleibt allerdings nicht, denn seine Frau bereitet Obstsalate zu, auf die ein Stammkunde an der Kasse wartet. Es ist eben ein normaler Arbeitstag in Deutschland. „Wir leben schon so lange hier, dass es ganz normal für uns ist. Aber wenn wir zum Tet-Fest bei der Familie in Vietnam zu Besuch sind, dann feiern wir natürlich richtig mit“, sagt der ehemalige Gastarbeiter.
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