Die letzte Standortbestimmung vorm diesjährigen LIQUI MOLY Motorrad Grand Prix von Deutschland vom 11. bis 13. Juli auf dem Sachsenring ist Geschichte. Diese ging an diesem Wochenende auf dem geschichtsträchtigen TT Circuit Assen in den Niederlanden über die Bühne, brachte aber in Sachen auf die Favoriten für die deutsche WM-Runde keine gravierend neuen Erkenntnisse.
Marc Marquez wurde seiner Favoritenrolle erneut gerecht
In der Premium-Klasse MotoGP feierte Marc Marquez seinen dritten Grand-Prix-Sieg in Folge sowie seinen sechsten Saisonsieg insgesamt. Zusammen mit seinen neun Siegen in den bisherigen Sprintrennen am Samstag, unter anderem gestern, hat der Spanier schon bei 15 von 20 Siegerehrungen des Jahres in der Mitte Aufstellung genommen. Zudem stand er zwei weitere Male auf dem Podest.
Klar, dass er die Tabelle nach wie vor mit deutlichem Vorsprung anführt. Genau genommen konnte der achtfache Weltmeister vom Ducati-Werksteam seinen Vorsprung auf seinen jüngeren Bruder Alex weiter ausbauen, denn dieser schied heute in der sechsten von 26 Runden nach einem Techtelmechtel mit dem Spanier Pedro Acosta beim Kampf um Platz vier per Sturz aus und blieb somit ohne Punkte.
Sein Punktekonto kräftig aufstocken konnte dafür der Italiener Marco Bezzecchi, der mit seiner Aprilia Marc Marquez die ganze Zeit und ab der achten Rennrunde auf Platz zwei hinter dem von da an führenden Spanier folgte, aber keinen wirklich erfolgversprechenden Überholversuch lancieren konnte. Letztendlich folgte der Ex-Prüstel-Moto3-Pilot dem elffachen Sachsenring-Sieger mit nur 0,635 Sekunden Rückstand als Zweiter über den Zielstrich. Dritter wurde der zweifache Weltmeister Francesco "Pecco" Bagnaia.
Die bis zum Wechsel von Marc Marquez ins Ducati-Werksteam in diesem Jahr klare Nummer eins in diesem (und nun als solche abgelöst) aus Italien hatte mit nur 2,666 Sekunden Rückstand auf den Sieger zumindest eine aufmunternde Leistung abgeliefert. Vierter wurde der beste KTM-Pilot Pedro Acosta, ebenfalls aus Spanien, vor seinem Teamkollegen und Landsmann Maverick Vinales. Die weiteren Top-10-Plätze belegten die weiteren Italiener Fabio di Giannantonio und Franco Morbidelli, der weitere Spanier Raul Fernandez, der nächste Italiener Enea Bastianini sowie der Franzose Fabio Quartararo.
Die Tabelle führt nach zehn der 22 Saisonläufe Marc Marquez mit 307 Punkten vor Alex Marquez mit deren 239 sowie Pecco Bagnaia mit 181 Zählern souverän an. Demzufolge ist Marc Marquez die WM-Halbzeitführung am Sachsenring nicht zu nehmen. Was für ihn ebenfalls ein Ziel sein dürfte, ist das Dutzend an Sachsenring-Siegen voll zu machen.
Zweiter GP-Sieg für Moreira, Gonzalez behält WM-Führung
Das Rennen der "Mittelklasse" Moto2 führte der Spanier Aron Canet von der zweiten Runde an und im Prinzip die ganze Zeit ganz knapp vor dem Pole Setter Diogo Moreira aus Brasilien an. Im drittletzten Umlauf schnappte Moreira Canet die Spitzenposition weg. Da Canet nicht mehr kontern konnte, musste er sich mit Platz zwei begnügen. Immerhin hatte er damit sein bestes Saisonergebnis vom Saisonauftakt egalisiert. Diogo Moreira durfte sich hingegen über seinen zweiten Grand-Prix-Sieg nach 2023 in der Moto3 freuen.
Wenn überhaupt nur mäßig enttäuscht dürfte der Spanier Manuel Gonzales vom Memminger Team LIQUI MOLY Dynavolt IntactGP nach den 22 Rennrunden gewesen sein, hatte er doch hinter den beiden Streithähnen an der Spitze Platz drei belegt und damit seine WM-Spitzenposition verteidigt. Er hat aktuell 159 Punkte auf seinem Konto und damit fünf mehr als Aron Canet. Tabellendritter ist Diogo Moreira mit 128 Zählern.
Meist enge Rennen, aber klare Tabellensituation
Auch das Rennen der Moto3-Kategorie gewann der Trainingsschnellste, nämlich Jose Antonio Rueda aus Spanien. Dieses war mit einer breitgefächerten Spitzengruppe mit diesmal elf Piloten gewohnt spannend, musste aber nach einem Massencrash mit drei Fahrern in der vorletzten Runde per roter Flaggen abgebrochen werden.
Somit wurde der Stand nach der 19. Runde zur Ergebnisfindung zurate gezogen, und da hatte Jose Antonio Rueda zum sechsten Mal in dieser Saison die Nase vorn, diesmal vor seinem Landsmann David Munoz sowie seinen KTM-Teamkollegen Valentin Perrone aus Argentinien und Alvaro Carpe, ebenfalls aus Spanien. Damit baute auch Jose Antonio Rueda seine WM-Führung aus und kommt mit total 187 Punkten sowie 69 bzw. 70 Vorsprung auf Alvaro Carpe und den weiteren Spanier Angel Piqueras zum Sachsenring.
Bewegende 100-Jahr-Feier
Zum Tagesabschluss gab es anlässlich des großen Jubiläums "100 Jahre TT Circuit Assen" bzw. Dutch TT noch eine herrliche Parade mit rund 150 historischen Motorrädern, Seitenwagen-Gespannen und einzelnen Automobilen. An der Spitze des Aufgebotes standen der Rekord-Weltmeister und -Grand-Prix-Sieger Giacomo Agostini und der 500er-Weltmeister von 1981 Marco Lucchinelli aus Italien sowie der Niederländer Henk van Kessel, der 1974 Weltmeister der 50-ccm-Klasse werden konnte.
"Nur" zugegen ohne in einen Rennsattel zu steigen war auf Grund seines stolzen Alters von 93 Jahren der sechsfache Weltmeister Jim Redman aus Südafrika bzw. Großbritannien. Weitere Koryphäen vergangener Tage waren die Vize-Weltmeister Randy Mamola aus den USA, Aalt Toersen und Theo Timmer aus den Niederlanden sowie "de witte Reus/der weiße Riese" Wil Hartog, Theo Bult, Jos Schurgers, der Ex-MuZ-Pilot Jurgen van den Goorbergh sowie der aktuelle WM-BMW-Superbiker Michael van der Mark.
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