"Man muss sich drehen": Traditionsgärtnerei blickt trotz schwieriger Zeiten nach vorn

Antje-Katharina Nobst zwischen Gewächshaus und Paketshop

Neukirchen

"In der heutigen Zeit muss man in gewissen Situationen Flexibilität an den Tag legen", so Antje-Katharina Nobst von der gleichnamigen Gärtnerei in der Pestalozzistraße. Auch wenn die dritte Generation für die in Neukirchen ansässige Gärtnerei schon in den Startlöchern steht "muss ich mich drehen, um alles zu erhalten."

Sohn will eines Tages zurückkehren

Tobias, der 19-jährige Sohn von Antje-Katharina Nobst, die 2002 die Gärtnerei von ihren Eltern übernahm, freut sich darüber besonders. Zurzeit absolviert er noch eine Lehre für Garten- und Landschaftsbau bei der Firma Henkler in Zwickau und beendet voraussichtlich im August diesen Jahres seine Ausbildung. Sein Ziel ist es, nach dem erfolgreichen Abschluss noch Berufserfahrungen in anderen Gartenbaubetrieben zu sammeln und dann zeitnah noch den Meisterabschluss zu stemmen. "Wenn‘s passt, auch im Ausland um dann in den Betrieb meiner Mutti einsteigen", so der junge Mann.

Suche nach Azubi bisher ohne Erfolg

Für Antje-Katharina Nobst, wäre das dann auf jedem Fall ein echter Lichtblick. Schon seit Jahren versuchte sie einen Lehrling zu finden, leider ohne Erfolg. Zwar hatte sie vor zwei Jahren ein junges Mädchen gefunden, welches den Beruf einer Gärtnerin erlernen wollte, aber leider gab es gesundheitliche Probleme und sie musste ihre bereits begonnenen Ausbildung abbrechen.

Gärtnerei besteht seit vielen Jahren

Als Gärtner verbringt man seine Arbeitszeit nicht nur in den Gewächshäusern, sondern auch auf den Freiflächen wo Obst, Gemüse, Blumen und anderes gedeihen. "Man ist also auch öfters bei Wind und Wetter in der freien Natur, um zu arbeiten - und das muss man schon mögen", betont Antje-Katharina Nobst. Bereits seit 1892 gibt es in der Neukirchner Pestalozzistraße eine Gärtnerei. Und das soll auch in Zukunft so sein.

1971 erwarben Werner und Beate Nobst, die Eltern, das Grundstück mit der Gärtnerei. Diese wurde allerdings von der GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) unter der Leitung von Werner und Beate Nobst, bewirtschaftet. Ab 1990 erfolgte wieder die Eigennutzung. Für Antje-Katharina Nobst, die von 1993 bis 1996 ihre Lehre in der Werdauer Gärtnerei Wegenast und 2003 ihre Meisterausbildung in Pillnitz absolvierte, ist der Erhalt der Gärtnerei wichtig.

Auswahl an Gartenfachbetrieben hat sich verkleinert

Haben doch in den letzten Jahren in der Region mehrere Gärtnereien, auch wegen Nachfolgemangel schließen müssen. Natürlich sei es nicht leicht die Gärtnerware an den Mann, die Frau zu bringen. Auch viele Abnehmer der reinen Bioprodukte sind in den letzten Jahren weggefallen. "Eine Gärtnerei ist eigentlich mit einem Landwirtschaftsbetrieb zu vergleichen, denn man muss 365 Tage im Jahr bei Fuß stehen! Egal, ob Sommer, Herbst, Winter oder Frühling - wir müssen immer die jeweiligen Produkte, Ansaaten oder Früchte vorhalten können", so Nobst.

Weiteres Standbein und Paketshop im Betrieb

Man muss sich halt drehen, so die 48-Jährige. Bereits seit 2020 gehört sie der Gilde der "Marktschwärmer" an, beliefert derzeit immer noch Geschäfte und Niederlassungen in der Region saisonal mit frischem Obst, Kräutern, Pflanzen und Gemüse. Um jedoch der Inflation, steigende Kosten, vor allem Heizung und Energie, geringere Einnahmen durch Produkte, entgegenzuwirken, hat sie sich ein weiteres Standbein geschaffen.

Seit April 2023 ist sie im DHL Paketzentrum Neumark als sogenannte Springerin im Einsatz. Zusätzlich eröffnete sie am 2. Februar diesen Jahres einen reinen Paketshop in der Gärtnerei.

Das bedeutet, dass die Öffnungszeiten der Gärtnerei entsprechend angepasst wurden. Bei Bedarf ist Antje-Katharina Nobst auch telefonisch unter 0151/56932969 erreichbar.

 

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