„Mauer letztes gelungenes Bauprojekt in Deutschland“: Lisa Eckhart bewegt sich in Zwickau an der Grenze

Zwischen Applaus und leisen Aha-Momenten: Lisa Eckhart brachte am Donnerstagabend in Zwickau unsere Gegenwart auf den Punkt – mit Witz statt Zeigefinger.

Zwickau

„Ich war mal wer“ ist kein loses Gag-Buffet, sondern ein straff gebautes Programm mit Rahmenhandlung. Eckharts Kunstfigur „Kaiserin Stasi die Erste“ ist tot. Doch der Thron bleibt dabei auf der Bühne stehen, nicht als Deko, sondern als Zeichen für Macht und Pose, für Abgesang und Comeback in einem.

„Das letzte gelungene Bauprojekt in Deutschland war die Mauer“

Eckhart setzt ihre Pointen wie Nadelstiche, kurz, sauber, und genau dort, wo es weh tut. Sie destilliert große Themen und schrumpft sie zu funkelnden Miniaturen, die im Kopf bleiben. Bei Stuttgart 21 reicht ihr ein einziger Satz, um Jahre an Baustellenfrust auf den Punkt zu bringen: „Niemand hat die Absicht, einen Bahnhof zu bauen.“ Das letzte gelungene Bauprojekt in Deutschland sei die Mauer gewesen. Früher ging‘s radikal, heute geht‘s endlos.

Gesellschaftsspiegel mit Nachhall

Doch gemeint sind nicht nur „die anderen“, sondern auch wir. Eckhart nimmt Cancel Culture, Scheinheiligkeit und Moralposen auseinander, ohne belehrend zu werden. „Trash-TV, ich dachte, da ginge es um Recycling“, und hat damit in einem Atemzug Medienkonsum und Selbstbetrug erledigt. Man lacht, und dann wird klar, dass es nicht nur Comedy war. „Wir sind ständig in Bewegung, doch innerlich durch nichts bewegt“ ist weniger Spruch als Kurzdiagnose.

Applaus für die unbequeme Wahrheit

Im Netz sieht Eckhart die große Bühne der Gegenwart, mit allem, was daran nervt. „Vor dem Internet war das Private nicht politisch, sondern einfach nur peinlich.“ Man hat das Gefühl, im Saal klicken gerade ein paar Erinnerungen ein. Am Ende mündet das in einer Bestandsaufnahme zwischen Überforderung und Rückzug: „Wir waren noch nie so vernetzt und noch nie so einsam.“ Mehr mit Menschen reden, rät sie, aber die Pointe kommt sofort hinterher: Danach wolle man „schnell wieder allein sein“. Genau diese Mischung aus Gag und Gegenwartsgefühl macht das Lachen kurz unbequem.

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