Nachdem die seriennahe Motorrad-Weltmeisterschaft „WorldSBK“ 2021 ihr Debüt im Autodrom Most feiern durfte, gastierte die „zweite Liga“ unterhalb der MotoGP an diesem Wochenende zum sechsten Mal in der traditionsreichen Anlage im Norden Tschechiens. Den offensichtlichen wirtschaftlichen Erfolg für die Rennstrecke, die Tourismusbranche sowie Wirtschaft selbst sichern auf Grund der Grenznähe immer wieder auch sächsische Fans ab. in diesem Jahr besuchten insgesamt 53.952 Zuschauer die drei tollen Tage von Freitag bis Sonntag, womit der Rekordwert (55.318) vom Vorjahr nur knapp verfehlt wurde. Die neuerliche Sachsen-Präsenz dokumentierten wieder einige Banner und Flaggen des Freistaates.
Bulega raste weiter von Sieg zu Sieg
In der Top-Kategorie Superbike bestätigte beim fünften Saisonevent Nicolo Bulega erneut seine diesjährige Dominanz. Der Italiener vom Werksteam Aruba.it Racing - Ducati fuhr zunächst im Superpole-Qualifying mit 1:29,616 Minuten einen neuen absoluten Streckenrekord und dominierte anschließend auch das erste SBK-Rennen.
In diesem lieferte er sich ein rundenlanges spannendes Duell mit seinem Teamkollegen Iker Lecuona aus Spanien, der zwischenzeitlich sogar für einige Runden die Führung übernahm. Im drittletzten Umlauf des 21-Runden-Rennens holte er sich die Führung zurück und gewann am Ende mit 1,330 Sekunden Vorsprung. Mit 11,222 Sekunden Rückstand auf den Sieger wurde der weitere Italiener Yari Montella auf einer Ducati des Privatteams Barni Spark Racing Dritter. Für Nicolo Bulega war es der 13. Saisonsieg in Folge bei einem Haupt- oder Sprintrennen, bzw. Saison-übergreifend der 17., womit er seinen Rekordwert erneut in die Höhe getrieben hatte. Vierter wurde der US-Amerikaner Garret Gerloff vom Kawasaki WorldSBK Team vor seinem Halb-Markenkollegen Axel Bassani (bimota by Kawasaki Racing Team), ebenfalls aus dem Stiefelland.
Montellas Teamkollege, der Weltmeister der Jahre 2022 und 2023 Alvaro Bautista aus Spanien, hatte sich schon bei einem Sturz im Samstagtraining so schwer verletzt, dass für ihn das Wochenende vorzeitig zu Ende war. Im ersten Hauptrennen zog der weitere Italiener Danilo Petrucci vom ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team nach. Nach seinem Sturz in der ersten Runde musste das Rennen abgebrochen und neu gestartet werden.
Die Saisonsiege 14 und 15
Das Sprintrennen bzw. Superpole Race am späten Sonntagvormittag über zehn statt 22 Runden endete mit dem gleichen Zieleinlauf wie am Samstag – Bulega vor Lecuona und Montella. Lorenzo Baldassarri (Ducati, Team Goeleven) und Surra (Ducati, Motocorsa Racing) trugen als Vierter bzw. Fünfter ihren Teil zu den nächsten italienischen Festspielen bei.
Im zweiten Hauptrennen als krönender Abschluss der drei tollen Moster Tage das gleiche Spiel. Wieder machten Bulega und Lecuona vorn ihr Ding für sich, und Montella lag ebenso von Beginn an auf der dritten Position. Wenngleich Lecuona Bulega über die gesamte Renndistanz wie ein Schatten folgte, hatte vorn Bulega alles unter Kontrolle oder Lecuona durfte auf Grund einer eventuellen Stallregie zum Wohle des klaren WM-Spitzenreiters nicht. Wie dem auch sei, im Ziel traf Bulega mit 0,594 Sekunden Vorsprung als nun in 15 Rennen 2026 ungeschlagener Sieger bzw. 19 Mal in Folge seit der Vorschlussrunde 2025 im portugiesischen Estoril. Die Plätze vier und fünf gingen diesmal an Baldassarri und Gerloff.
Franzose gewann auf Chinesen-Bike beide Rennen
Wenigstens ein deutscher Vertreter im WorldSBK-Paddock ist uns in der Supersport-WM geblieben – Philipp Öttl aus Ainring in Bayern. Auch auf Grund seines ersten Sieges in dieser Klasse beim zweiten Saisonevent im April im niederländischen Assen ruhten auf ihm berechtigte Hoffnungen der deutschen Fans. Wegen chronischer technischer Probleme an diesem Wochenende konnte der seit dem 3. Mai 30-jährige Ducati-Pilot (Feel Racing WorldSSP Team) diese nur bedingt erfüllen. Im ersten Rennen am Samstag fuhr er von Startplatz 15 immerhin bis auf Rang neun in die Top-10 nach vorn. Im zweiten tags darauf kam er als Siebenter ins Ziel.
In Rennen eins sicherte sich der Franzose Valentin Debise auf einer chinesischen ZXMOTO (820RR) den Sieg vorm Türken Can Öncü und dem Spanier Albert Arenas, beide auf Yamaha.
Am Sonntag bot das zweite Supersport-Rennen deutlich mehr Spannung als die Top-Kategorie. Im packenden (Foto-)Finish siegte Debise erneut vor Öncü. Da in der Schlussrunde die auf den Plätzen drei und vier liegenden Tom Booth-Amos aus Großbritannien und Lucas Mahias aus Frankreich in der gleichen Kurve aber unabhängig voneinander stürzten, erbte der australische Weltmeister-Sohn Oli Bayliss Rang drei.
Diesmal ohne Tonn
In der dritten WM-Klasse (Sportbike) hätte der gebürtige Werdauer Phillip Tonn mitmischen sollen, doch auf Grund einer wieder aufgebrochenen älteren Verletzung musste er leider passen. Seinen Platz im Kove Racing Team 109 übernahm Loris Schönrock aus Wesel in Nordrhein-Westfalen, doch er verfehlte die vorgegebene Qualifikationszeit meilenweit.
Im ersten Rennen sicherte sich der Italiener Matteo Vannucci vor Jeffrey Buis aus den Niederlanden und David Salvador aus Spanien den Sieg. Im zweiten hatte der Spanier Antonio Torres die Nase vorm Italiener Bruno Ieraci. Mit wieder Platz drei verteidigte Salvador die Tabellenführung.
Der nächste Lauf findet vom 29. bis 31. Mai in Aragon in Spanien statt.
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