1975 gewann Johnny Cecotto die Motorrad-Weltmeisterschaft in der Klasse bis 350 ccm. Der Venezolaner war damals mit seinen 19 Jahren der jüngste Weltmeister der 1949 begonnenen Geschichte der Motorrad-WM. Gleichzeitig war er der erste Motorrad-Weltmeister aus Südamerika bzw. vom amerikanischen Kontinent überhaupt. In seiner aktiven Zeit als Motorrad-Rennfahrer war der Sachsenring nicht im WM-Kalender, den zahlreichen sächsischen Besuchern der damaligen Rennen in Brno in unserem südlichen Nachbarland Tschechoslowakei war und ist er aber bis heute sehr wohl ein Begriff. Nachdem er zum Auto-Rennsport gewechselt war, wurde er auf dem Sachsenring doch noch vorstellig. 1997 kam er erstmals als BMW-Werksfahrer zu den hiesigen Rennen des Super Tourenwagen Cup (STW). Im damaligen sogenannten Sprintrennen wurde er 15. und im Hauptrennen guter Fünfter. Im darauffolgenden Jahr feierte er dann die Siege in beiden Läufen sowie am Jahresende den Titel. Knapp 20 Jahre später (2017) kam er auf Einladung erneut zum nun ganz neuen Sachsenring und war mit einer 500er-Yamaha aktiver Teil der Feierlichkeiten anlässlich 90 Jahre Sachsenring. Heute feiert Johnny Cecotto seinen 70. Geburtstag.
Einst jüngster Motorrad-Weltmeister der Geschichte
Geboren wurde Alberto „Johnny“ Cecotto Persello am 25. Januar 1956 in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Dort studierte er später auch Maschinenbau. Seine Karriere wurde maßgeblich gefördert von Andreas Ippolito, dem venezolanischen Yamaha-Importeur „Venemotos“ und damaligen Vorsitzenden des venezolanischen Motorradverbandes sowie Vater des späteren engagierten FIM-Präsidenten Vito Ippolito.
Andreas Ippolito entdeckte Johnny Cecotto, als der gerade einmal 16 Jahre jung war und verfolgte mit ihm ein klares Ziel – schnellstmöglich in die Motorrad-WM und dort an die Spitze. Nach zwei nationalen Titeln in der Klasse bis 350 ccm wurde dieses Ziel 1975 bereits erreicht.
Schon sein WM-Debüt war eine Sensation. Beim Saisonauftakt Ende März im französischen Le Castellet gewann er sowohl das Rennen der 250- wie auch der 350-ccm-Klasse. Bei den 350ern fuhr er mit 25 Sekunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, keinem geringeren als den zu dem Zeitpunkt bereits 14-fachen Weltmeister der Klassen bis 350 und 500 ccm Giacomo Agostini, ins Ziel.
Von den zehn 350er-WM-Rennen gewann er in jenem Jahr vier und wurde zudem einmal Zweiter. Das war es aber auch schon an Zielankünften, denn seinen Draufgängertum bezahlte er häufig mit Stürzen und Verletzungen. Dennoch war er damit am Jahresende 350er-Champion und mit seinen erst 19 Jahren zugleich der jüngste Weltmeister in der Geschichte der damals 26 Jahre alten Motorrad-Weltmeisterschaft.
1976 waren Harley-Davidson(-Aermacchi) und Walter Villa in den mittleren Hubraumklassen dominant. Jonny Cecotto musste sich bei den 350ern mit zwei weiteren GP-Siegen, zwei zweiten, einem vierten und einem achten Platz mit dem Vize-Weltmeistertitel begnügen. Zudem debütierte er in der 500-ccm-Klasse und feierte beim Saisonauftakt, diesmal in Le Mans, mit Platz zwei erneut einen Einstand nach Maß. Dies war aber sein einzig Zählbares, ebenso seine Siege in der Formel 750 am Saisonanfang in Daytona und San Carlos in seinem Heimatland.
Ein Heimrennen für den Volksheld
1961 war das WM-Finale in Buenos Aires der erste Grand Prix außerhalb Europas der 1949 erstmals ausgetragenen Motorrad-WM. 1977 wurde dann erstmalig ein WM-Lauf in Venezuela ausgetragen. Diesem sollten nur 1978 und 1979 zwei weitere folgen. Im Rennen der 350er 1977 in San Carlos lieferte Johnny Cecotto den von ihm erwarteten Heimsieg. Sein Fokus lag in jenem Jahr allerdings auf der Halbliterklasse. In San Carlos wurde er Vierter und nach einer längeren Verletzungspause im schwedischen Anderstorp Zweiter. Danach feierte er im finnischen Imatra seinen ersten 500er-GP-Sieg und legte beim darauffolgenden Lauf im damals tschechoslowakischen Brno sogleich nach. Hier gelang ihm im Rennen der 350-ccm-Klasse auch sein zweiter Saisonsieg. Während er mit diesen nur zwei 350er-Ergebnissen über Endrang neun nicht hinauskam, hatte er mit Platz vier in der Königsklasse auch hier seine Zugehörigkeit zur Weltspitze demonstriert.
Diesen Platz verbesserte er 1978 um einen Rang. Ergo, mit unter anderem einem weiteren GP-Sieg in Assen sowie zwei zusätzlichen Podestplätzen wurde er WM-Dritter.
Doch damit nicht genug. Parallel wurde er von Yamaha in die Formel-750-WM geschickt. Hier gelangen ihm in 18 Rennen der zehn teilweise Doppelveranstaltungen außerhalb der Grand Prix vier Siege und sieben weitere Podestplätze. Damit ging er als mittlerer von nur drei offiziellen 750er-Weltmeistern in die Geschichte ein. Im letzten Jahr 1979 wurde er hier noch einmal WM-Dritter.
1980 holte er sich in Misano im Rennen der 350-ccm-Klasse seinen 14. und letzten GP-Sieg und wurde noch einmal WM-Vierter.
Aufstieg auf vier Rädern bis in die Formel 1
Parallel dazu stieg er erstmals in einem Formel-Rennwagen. Nach drei Jahren in der Formel 2 mit vereinzelten Siegen bekam er für 1983 beim unterlegenen Team Theodore seine Chance in der Formel 1. Als Sechster beim Grand Prix „USA-West“ in Long Beach holte er immerhin einen WM-Punkt, den einzigen für Toleman in jenem Jahr und den zweiten des insgesamt nur drei Jahre aktiven Hinterbänkler-Teams.
Ein Jahr später wechselte zu Toleman und war hier Teamkollege von Ayrton Senna. Allerdings war ihm kein Glück beschieden, im Gegenteil. Beim zehnten Grand Prix des Jahrs im englischen Brands Hatch hatte er im Qualifying einen schweren Unfall, bei dem er sich beide Beine brach und er seine Formel-Karriere daraufhin beenden musste. Insgesamt bestritt er 18 F1-Grand-Prix.
Nach langer Zeit der Rekonvaleszenz und sporadischen Renneinsätzen wurde er 1988 von Mercedes-Benz für die DTM verpflichtet. Das war der Startschuss für eine erfolgreiche Tourenwagen-Karriere, wenngleich ihn diese schnell zu BMW brachte. Während er 1989 in der DTM Gesamtsiebenter wurde, gewann er für die Münchner die Italienische Tourenwagenmeisterschaft. 1992 gewann er mit Christian Danner und Marc Duez das 24h-Rennen auf dem Nürburgring und 1994 mit dem ADAC GT Cup und 1995 mit dem erstmals ausgetragenen Super Tourenwagen Cup (STW) zwei weitere nationale Titel. 1999 gewann er diesen erneut.
Danach betrieb er den Motorsport nicht mehr mit der letzten Konsequenz, was ihn nicht davon abhielt, 2001 die neue V8-Star-Serie zu gewinnen.
2003 beendete der in Italien heimisch gewordene Venezolaner seine Profi-Rennfahrer-Karriere endgültig.
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