Musik im Blut, Metall in den Händen: Crimmitschauer lernt besonderes Handwerk

Geduld, Talent und Herzblut vereint: So entsteht aus Musik echtes Handwerk.

Crimmitschau/Markneukirchen

Wenn man den heute 21-jährigen Crimmitschauer Johannes Arlt in seiner Heimatstadt treffen möchte, benötigt man schon Geduld, denn meist ist er in seiner mittlerweile zweiten Heimat, Markneukirchen, anzutreffen. Warum? Hier erlernt er derzeit seinen Wunschberuf, nämlich den eines Metallblasinstrumentenbauers.

 

Schulzeit und erste musikalische Leidenschaft

Nach dem Grundschulbesuch von 2011 bis 2015 auf der Käthe-Kollwitz Schule wechselte er auf das Julius Motteler Gymnasium, wo er 2023 erfolgreich das Abitur absolvierte. Als Lieblingsfächer nennt er spontan Musik und das spielen in einer Jazzband, Werken und sportliche Betätigung beim Floorballspielen. Und hier findet man auch eine enge Verbindung zu weiteren damaligen Hobbys, nämlich Trompete spielen, Eisschnelllauf und Judo. Trompete spielt er übrigens seit seinem 8. Lebensjahr und probierte auch schon des Öfteren das Spielen auf einem Flügelhorn aus. Die musikalische Begabung färbte übrigens von Seiten seiner Eltern und der Oma ab.

 

Frühe Begegnungen mit Metall

"Ich hätte es mir vor reichlich 10 Jahren noch nicht träumen lassen, das ich einmal diesen nicht alltäglichen Beruf eines Metallblasinstrumentenbauers erlerne. Als Bub stand ich gerne bei meinem Vati Roland Arlt in der Schmiedewerkstatt," so Johannes Arlt. Ob am Schmiedefeuer, bei ersten Schweißversuchen, Schleifen oder maßgenauem Bohren in vorgefertigte Teile - all das gehörte zu seinen Aufgaben. "Ja, ich hätte bei meinem Vater als Metallbaulehrling eine Lehre anfangen können. Aber mich hat das glänzende Metall etwas mehr gereizt", erklärte er.

 

Praktika und Lehrbeginn

Im Frühjahr 2023 begann er dann Nägel mit Köpfen zu machen, indem er ein Praktika in der Chemnitzer Firma Kroning und eines in Markneukirchen bei der Firma Jürgen Voigt absolvierte. Danach waren die Würfel gefallen und er begann am 1. September 2023 seine Lehre. Während die praktische Ausbildung bei der Firma Voigt in Markneukirchen stattfindet, muss er für die theoretische Ausbildung ins nahe gelegene Klingenthal auf den Amtsberg fahren.

 

Herausforderungen der Ausbildung

Bis jetzt, so Arlt, macht die abwechslungsreiche Ausbildung viel Spaß. Die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien wie Kupferlegierungen, Messing, Goldmessing, Neusilber und ab und zu auch reinem Silber ist jedoch anspruchsvoll. Man muss wissen welche Härte oder Rekristallisationstemperatur das Material hat. Auch der Legierungsaufbau, Lötbarkeit und das Zerspanungsverhalten sind wichtige Eigenschaften, die man lernen muss. Mit der Zeit kommen jedoch erste Erfahrungswerte hinzu.

 

Erste eigene Instrumente

Bisher hat Johannes Arlt neben einer C-Trompete, welche er auch selbst angespielt hat, auch schon eine Tenorposaune selbst hergestellt. Aber auch kleinere Reparaturen und komplette Instrumentenmontagen aus fertigen Teilen gehören ebenfalls zum Ausbildungsalltag. Für Johannes Arlt ist derzeit die "Findungsphase" ein wichtiger Aspekt: Die Aneignung des nötigen Geschicks und der dazugehörige geschulte Blick sind für eine gewisse Perfektion unerlässlich. Denn Kraft, Konzentration und Ausdauer allein reichen nicht aus. Ziel ist es, seine eigene Handschrift zu entwickeln, die sich von chinesischen Billigprodukten unterscheidet.

 

Zukunftsperspektiven

Wenn alles gut läuft, werden sich im Sommer 2026 nach der Abschlussprüfung die Weichen neu stellen. Noch ist sich Johannes nicht ganz sicher auf welche Größe der Instrumente er sich in der Fertigung verschreiben wird. Der Reiz, eigene Instrumente zu planen und zu bauen, ist jedoch groß: So kann er sich ausprobieren und viele Feinheiten lernen. Eines ist für ihn sicher: Eines Tages wird ein Blechblasinstrument aus Markneukirchen seine Namensgravur tragen.

 

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