Ab dem morgigen Freitag bietet das August Horch Museum Zwickau seinen Besuchern eine neue Sonderausstellung mit dem Namen "100 Jahre Horch 8 - Auf den Spuren eines Mythos". Diese wird ein knappes Jahr (bis zum 10. Januar 2027) zu bewundern sein. Auf rund 650 Quadratmetern werden 13 überwiegend Luxus-Karossen der Extraklasse zu sehen sein, welche Geschichte geschrieben haben und hinter jeder einzelnen eine große Geschichte steht.
Vor genau 100 Jahren präsentierten die Horch-Werke Zwickau mit dem Typ 303 den ersten serienmäßig in Deutschland produzierten Achtzylindermotor-Wagen auf der Berliner Automobilausstellung. Ab Januar 1927 wurde der "Horch 8" (noch vorm ersten Mercedes mit Achtzylinder-Motor) dann produziert und zu einem wahren Mythos für Wertigkeit und Eleganz. Zur Käuferschaft zählten vor allem Gutbetuchte.
Auch Weltstars fuhren Horch
Im vergangenen Jahr machten 91.000 Besucher dem August Horch Museum Zwickau ihre Aufwartung. Für viele lohnt sich ein neuerlicher Besuch, denn mit der neuen Sonderausstellung verweist das gediegene Haus in der Audistraße 7 auf wahre Automobilbau-Kunst. Mit dem Horch 8 / Typ 303 stieg der Zwickauer Hersteller in die Oberklasse ein und setzte Maßstäbe an Schönheit und Eleganz.
Eines von vielen besonderen Exponaten der aktuellen Sonderausstellung ist neben dem "Einstiegsmodell" der Horch 855 Spezialroadster von 1938. Von diesem wurden zwar nur sieben Stück verkauft, doch eines davon schaffte es auf die große Kino-Leinwand. Im Film "Diese Erde ist mein" klemmte sich Rock Hudson hinters Steuer. Trotz großer Bewunderung seitens der Automobilfans entschied sich die Mehrheit für den günstigeren und mit einem Platzangebot für vier Personen größeren Horch 853 A.
Wenngleich nur eine Replika, dürften sich Motorsport-Fans für den Horch 853 Sport Coupé "Manuela" von 1937 interessieren. Ein solches chromblitzendes Schmuckstück war, leider nur kurzzeitig, einst der Dienstwagen des Auto-Union-Silberpfeil-Starfahrers Bernd Rosemeyer. Der Emsländer verunglückte am 28. Januar 1938 bei Weltrekordfahrten auf der heutigen A5 Frankfurt-Darmstadt tödlich.
Rost statt Chrom
Eine besondere Geschichte steckt auch hinter dem sogenannten "Texas Horch" von 1953. Bei ihm handelt es sich um den letzten hergestellten Horch. In der Versuchsabteilung des nach dem Zweiten Weltkrieg nach Ingolstadt übergesiedelten DKW-Werkes entstand damals ein Auto mit Fahrgestell eines Horch 830 BL von 1938, jedoch neuer Karosse. Es war ein Geschenk an den Geschäftsführer der nun in Bayern ansässigen Auto Union GmbH, Dr. Richard Bruhn, zu dessen zum 67. Geburtstag. Später kaufte ein in Deutschland stationierter US-Soldat das Auto, doch nach 40 Jahren in der Texanischen Wüste ohne jegliche Pflege ist das Fahrzeug nun das komplette Gegenteil der einst und heute noch wunderschönen Luxus-Autos. Ein besonderes Exponat ist es allerdings sehr wohl.
Oberklasse oder Kleinwagen
Ebenso die nicht zu 100 Prozent in die neue Sonderausstellung passende P 240 Sachsenring Limousine von 1959, denn diese hat lediglich einen 2,4-Liter-Sechszylinder-Motor. Trotz staatlichem Forschungsauftrag und öffentlicher Vorstellung auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1956 sowie zaghaft angelaufener Produktion wurde dieses oberhalb der Mittelklasse angesiedelte Projekt wegen begrenzter Produktionskapazitäten und Materialknappheit zu Gunsten des neuen Trabant P 50 1959 beerdigt.
Auch der gezeigte Audi V8 3.6 von 1988 passt nicht unmittelbar ins Bild, hat sich aber als erstes Modell von "Audi-West" in Ingolstadt mit Achtzylindermotor und Einstieg von Audi in die Oberklasse, seinen Platz im Horch Museum Zwickau, respektive in der neuen Sonderausstellung, verdient.
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