Notbesetzung wird zum Triumph: Die „Frau Luna“-Premiere feiert ein starkes Ensemble

Ein volles Gewandhaus, glückselige Operettenliebhaber, Zwischenapplaus und am Ende acht Minuten stehende Ovationen – die Premiere von Paul Linckes „Frau Luna“ am Theater Plauen-Zwickau wurde ein glanzvoller Erfolg, obwohl sie mit einer unerwarteten Ansage begann.

Zwickau

Wenn unmittelbar vor einer Vorstellung der Intendant oder – wie am Samstag – der Operndirektor auf die Bühne tritt, ahnt das Publikum, dass etwas im „Busch“ ist. Horst Kupich, der die Operette inszeniert hat, verkündete, dass Joanna Jaworowska von der Erkältungswelle erwischt wurde und zur Premiere ausfällt. Die Aufführung sei dennoch gesichert, denn das Ensemble sei außergewöhnlich stark: Elisabeth Birgmeier übernehme zusätzlich zu ihrer Rolle als Marie auch die Partie der Stella. Sie sagte: „Am Mittwoch habe ich frei, da übe ich sieben Stunden – bis zur Premiere wird das schon werden“.

Triumph auf der Bühne: Zwei Rollen in drei Tagen erarbeitet

Hätte Kupich nichts erwähnt, niemand hätte bemerkt, dass Birgmeier die Rolle der mondänen Stella – mit Gesang, Spiel und Tanz – in nur drei Tagen erarbeitet hatte. Die Gewinnerin des jüngsten Robert-Schumann-Wettbewerbs brillierte in ihrem „Frau Luna“-Debüt doppelt: als Stella - Hofdame und Vertraute der Göttin des Mondes Frau Luna - und als Marie, die süße und sehr bodenständige Verlobte des Berliner Weltraumabenteurers Fritz Steppke (André Gass).

„Trotz unterprobter Situation war ich entspannt“

Nach der Premiere sagte sie: „Ich bin dankbar für all die Unterstützung auf und hinter der Bühne – und auch für mich selbst. Trotz der ‚unterprobten‘ Situation war ich entspannt und glücklich. Seit Anfang 2024 war es ein langer Weg, nachdem ich meine erste Panikattacke auf der Bühne hatte. Ich habe gelernt, wieder zu Kräften zu kommen.“

Frenetischer Jubel: Das Ensemble und die Schneiderei

Beim Premierenempfang wurden Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Tänzer sowie das Regieteam frenetisch gefeiert – und zuerst die Schneiderei, in der Ella Spätes prächtige Kostüme entstanden. „Sie haben parallel auch an den Kostümen für unser Musical ‚Spamalot‘ gearbeitet, das am Freitag Premiere hatte“, erklärte Intendant Dirk Löschner, der zu Ehren des Vaters der Berliner Operette, Paul Lincke (1866–1946), zeitweise frei von der Leber berlinerte. Er würdigte auch den französischen Tenor André Gass, der das Berlinern mit einem charmanten „à la bonheur“ beherrscht – beigebracht von Dramaturgin und gebürtiger Berlinerin Christina Schmidt.

Kluge „Schachrohade“ und süße Überraschungen

Schauspielerin Claudia Lüftenegger ist zwar keine Berlinerin, doch ihre rigorose Witwe Mathilde Pusebach liefert die unentbehrliche Prise Salz im süßen Operettenkuchen. Die Witwe Pusebach gibt ordentlich Zünder sowohl ihrem Fast-Ehemann Pannecke (Andrey Valiguras) und seinen Kumpels Lämmermeier (Alexander Voigt) und Steppke, als auch dem Mondbeamten Theophil (Nikolaus Nitzsche), mit dem sie während einer Mondfinsternis ein kurzes Techtelmechtel hatte. Sie versteht es auch, den Prinz Sternschnuppe (Wonjong Lee) erfolgreich zu kommandieren

Dass Claudia Luftenegger in dieser Musiktheaterproduktion nicht nur „Berliner Luft“ geschnuppert, sondern auch musikalisch überzeugt hat, sei eine kluge „Schachrohade“: sie wechselte für „Frau Luna“ ans Musiktheater, während Sängerin Christina Gass fürs Musical „Spamalot“ ins Schauspielensemble ging.

Familienglück und Wiedersehen im Orchestergraben

Eine süße Überraschung war der neunjährige Emil Range, der in der Eröffnungsszene den jungen Fritz Steppke – nonverbal und sehr eindrucksvoll – darstellte. „Es ist sein Bühnendebüt“, sagte sein Vater, Bratschist Johannes Range, der den Auftritt des Sohnes aus dem Orchestergraben nicht sehen konnte – im Gegensatz zu Emils Großmutter Susanne Germer, ehemalige Dramaturgin des Theaters, die im Saal Platz genommen hatte.

„Grandios“: Die nächste Gelegenheit für „Frau Luna“ steht schon fest

Für den süßesten Moment der Premierenfeier sorgte die kleine Luna, die in den Armen seines Vaters, des Sängers Wonjong Lee, die den Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Auf der Bühne wird Lees Figur, Prinz Sternschnuppe, von Frau Luna verschmäht. Dargestellt von Natalia Willot, die sich glücklich zeigte über ihr gefeiertes Debüt als Titelheldin unter der musikalischen Leitung ihres Ehemannes Paul Willot-Förster. „Es ist schön zusammen zu arbeiten“, sagt Willot, die seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied des Musiktheaters ist, während ihr Mann als Gast am Theater Plauen-Zwickau dirigiert.

„Grandios“, fasste Premierenbesucherin Renate Lang zusammen und sprach damit vielen aus der Seele. „Ich freue mich schon jetzt, ‚Frau Luna‘ an Silvester noch einmal zu erleben.“

Die nächste Vorstellung findet am Samstag, dem 29. November, um 19.30 Uhr im Gewandhaus statt.

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