Traditionsgeschäft zieht innerhalb Zwickaus näher an den Hauptmarkt

Das Traditionsgeschäft „Kunsthandwerk Liebig“ zieht in der zweiten Januarhälfte in das neusanierte Gebäude Hauptstraße 3–5. Am Montag nach Weihnachten hatte das Geschäft zum letzten Mal in seinen bisherigen Räumen an der Hauptstraße 55 geöffnet.

Zwickau

Inhaberin Anja Kehle, die das Familienunternehmen im Sommer 2025 von Arndt und Katrin Liebig übernommen hat, blickt dem Umzug gemeinsam mit zahlreichen Helfern voller Vorfreude entgegen. Zu ihnen zählen ihr Mann Steffen ebenso wie die früheren Inhaber. "Wir erhoffen uns durch den Umzug mehr Laufkundschaft", sagt Kehle. Bewusst habe man den Standortwechsel erst nach Weihnachten geplant. "Unter unseren Stammkunden sind viele Sammler erzgebirgischer Volkskunst, die gezielt vor Weihnachten zu uns kommen. Ihnen wollten wir den Einkauf unter der gewohnten Adresse erleichtern", erklärt sie. Zu den begehrten Sammlerstücken zählen seit Jahren auch die jahreslimitierten Editionen von Liebigs Bergmännern.

 

Zwickaus Wahrzeichen in festen Händen

"Martin" - so heißt Liebigs Bergmann Nr. 10 - hält in seinen hölzernen Händen das Zwickauer Kornhaus. Benannt wurde die Figur nach Martin Römer, dem zu seiner Zeit reichsten Mann Sachsens, der den Bau des Kornhauses von 1480 bis 1481 in Auftrag gab. Auf dem beiliegenden Informationszettel ist die wechselvolle Geschichte des Bauwerks nachzulesen: Es diente als Kornspeicher für Zwickau und Umgebung, später als Zeughaus mit Kanonen in der Tuchmacherbastei und zur Stadtbefestigung. Von 1835 bis 1982 war es Gefängnis, verfiel anschließend zusehends und wurde schließlich bis 2009 dem Verfall preisgegeben. Seit 2014 beherbergt das Gebäude die Stadtbibliothek.

"Geburt" des ersten Bergmanns

Der erste Bergmann von Arndt Liebig erblickte 2017 das Licht der Welt. Zu den "Geburtshelfern" der Bergmann-Serie gehört auch sein langjähriger Freund Lutz Weißbach, Professor an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ).

Von der Idee zur Serie

Die Idee, einen kleinen Bergmann aus der Drechslerei Hennig in Deutschneudorf zum Prototyp einer jährlich zertifizierten Serie zu machen, stammt von Arndt Liebig selbst - ebenso wie der Gedanke, den Figuren Zinnmodelle prägnanter Zwickauer Bauwerke in die Hände zu legen. Inspiriert wurde er dabei von Tastmodellen des Kornhauses und des Gewandhauses, die Lutz Weißbach entwickelt hatte.

Detailliert bis ins feinste Strukturen

Seitdem entwirft der WHZ-Professor jedes Jahr neue 3D-Modelle Zwickauer Wahrzeichen, die in einer Chemnitzer Zinngießerei gefertigt werden. Nach dem Bürsten und Polieren durch Arndt Liebig sind die Modelle so detailreich ausgearbeitet, dass selbst feinste Strukturen sichtbar werden. Anschließend werden sie an der Bauchbinde der Bergmänner befestigt.

Zehn Bergmänner mit Geschichte

Die inzwischen zehn Zwickauer Bergmänner aus dem Hause Kunsthandwerk Liebig sind jeweils neun Zentimeter groß. Ihre Namen lauten Martin, Sig, Manne, Kurt, Fritz, Willi, August, Hans, Franz und Jo - Namen, wie sie einst viele Bergleute trugen, die unter Tage schufteten. Bis heute werden ihre Trachten zu besonderen Anlässen wie der Bergparade mit Stolz getragen.

Die Bergmänner der vergangenen Jahre

Den Auftakt machte 2017 Bergmann "Sig" mit dem Gewandhaus. 2018 folgte "Manne" mit dem Pulverturm, 2019 "Kurt" mit dem Schiffchen, 2020 "Fritz" mit der Katharinenkirche, 2021 "Willi" mit dem Dünnebierhaus, 2022 "August" mit dem Audi-Kontor. 2023 erschienen "Hans" und "Franz", die die Priesterhäuser tragen, und 2024 schließlich "Jo" mit der Villa Wolf, der heutigen Villa Mocc.

Welches Wahrzeichen ist das nächste?

Welches Wahrzeichen aktuell als nächstes 3D-Modell entsteht, verraten die Macher noch nicht. Sicher ist jedoch: An geeigneten Zwickauer Motiven mangelt es nicht. Arndt Liebig nennt in diesem Zusammenhang unter anderem das Rathaus und das Zwickauer Wappen.

 

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