Die in Zwickau 1984 geborene Künstlerin Henrike Naumann erlag am Samstag in Berlin ihrem Krebsleiden. Keine andere Nachricht erschütterte die Menschen, die sie als Mensch und Künstlerin kannten, so sehr wie diese. Die Nachricht kam am Sonntagabend - als schlichte Mail: "Henrike Naumann ist am 14. Februar 2026 nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung im Kreis ihrer Familie und Freund:innen in Berlin verstorben."
Abschied nach eigener Vorbereitung
Veranlasst wurde das Verschicken der Mail von Henrike selbst. Sie konnte noch kurz vor ihrem viel zu frühen Tod vieles selbst regeln.
Persönliche Erinnerungen der Familie
Henrike Naumanns Onkel Daniel Jakob sagt, für ihn werde seine persönliche Verabschiedung von Henrike die letzte Umarmung sein. "Die bleibt für immer in meinem Herzen", so der Museologe der Zwickauer Priesterhäuser.
Wurzeln in der Heimat, Karriere in der Welt
Henrike lebte abwechselnd in Berlin und London und war als Konzeptkünstlerin weltweit gefragt. Doch ihre Wurzeln vergaß sie nie - ebenso wenig, dass ihre erste Einzelausstellung 2013 von den Freunden Aktueller Kunst" in Zwickau organisiert und in den Vereinsräumen präsentiert wurde.
Große Anteilnahme aus der Kunstszene
Klaus Fischer, langjähriger Vorsitzender des Vereins Freunde aktueller Kunst, sagte im Namen des Kunstvereins: "Es ist unfassbar, erschütternd und endlos traurig. Zu ihrer Heimatstadt Zwickau hatte sie immer ein besonderes Verhältnis. Hier begann ihr künstlerischer Weg, der sie innerhalb weniger Jahre rund um die Welt führte. Vor bald 13 Jahren konnte unser Kunstverein ihre erste Einzelausstellung ausrichten. Doch dieser Weg ist nicht zu Ende. Henrike bleibt mit ihrer einzigartigen, sinnlichen und zugleich intellektuellen Kunst fester Bestandteil der deutschen und internationalen Gegenwartskunst. Zutiefst vermissen wir ihre offene, kluge, immens freundliche Art und die inspirierenden Gespräche mit ihr. Unsere große Anteilnahme gilt ihrem Mann Clemens und ihrer Tochter Nina."
Bleibende Spuren und ein unvollendetes letztes Projekt
Immer wieder hatte die international renommierte Künstlerin und diplomierte Filmausstatterin, die bis zuletzt an der Gestaltung des Deutschen Pavillons der 61. Biennale in Venedig arbeitete, auch Spuren in ihrer Geburtsstadt hinterlassen. Zuletzt Ende Januar 2025, als sie mit ihrer Installation "DDR Noir (Der Cellist)" als Erste den sogenannten "Frei-Raum" im "Zwischen-Raum", dem Ausweichquartier der Zwickauer Kunstsammlungen in der Galerie am Domhof, gestaltete. "Zur Eröffnung konnte sie nicht kommen, weil sie kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand", erinnert sich Petra Lewey, bis Ende 2025 langjährige Direktorin der Kunstsammlungen. "Im April hat sie Zwickau dann mit dem Baby besucht."
2019 gewann die Enkelin des Zwickauer Malers und Grafikers Karl Heinz Jakob (1929-1997) den Max-Pechstein-Förderpreis. Es war einer der Höhepunkte einer Künstlerinnenlaufbahn, die sie neben Europa auch in die USA, nach Südkorea und in den Kongo führte. Ihr letztes großes Projekt sollte die Ausstattung des deutschen Pavillons der diesjährigen Biennale in Venedig sein, den sie gemeinsam mit Sung Tieu gestalten wollte. Das Konzept hatte sie bereits erarbeitet - die Eröffnung wird sie nun nicht mehr erleben. "Sie hat sich bis zuletzt noch intensiv damit beschäftigt", sagt ihre Mutter. "Es tut mir gut zu erfahren, wie sehr Henrike auch als Mensch geschätzt wurde und wie groß die Anteilnahme an unserem Verlust ist", sagt die Mutter - der widerfahren ist, was keiner Mutter der Welt widerfahren sollte.
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