Tschechischer Wallfahrtsort für Rennfans ist 90

Der nicht ungefährliche Straßenrennkurs von Horice präsentiert sich bis heute in altem Gewand

Horice

Die Rennveranstaltungen im tschechischen Horice genießen Kultstatus und werden bis heute alljährlich auch von Rennsport-verrückten Sachsen immer wieder gern besucht. Der reine Straßenrennkurs macht seinem Beinamen „kleine Isle of Man“ heutzutage zwei Mal jährlich alle Ehre. Am heutigen 28. Juni vor 90 Jahren fand hier das erste Rennen statt.

Die Ursprünge liegen 1926 und 1936

Einst war das Straßenrennen im tschechischen Horice v Podkronosi im Riesengebirgsvorland unweit von Hradec Kralove ein Rennen wie viele andere zur damaligen Zeit. Das erste wurde am 28. Juni 1936 ausgetragen und danach 1937 und 1938 zwei weitere. Vorausgegangen waren diverse Städte-Rennen, beginnend im Jahr 1926 mit Horice-Milovice-Sadova-Horice.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einer noch längeren Pause erlebte der damals zeitgemäße, typische Straßenkurs durch Häuserschluchten und Waldabschnitte erst am 24. und 25. Juni 1961 seine Neuauflage mit Rennen zur Tschechoslowakischen Meisterschaft. Das Rennen wurde die „300 Kurven von Horice“ genannt, weil das Hauptrennen über zwölf Runden ausgetragen wurde und die Fahrer dabei 312 Kurven zu durchfahren hatten.

Die „300 Zatacek Gustava Havla“

Seit 1968 wurde das Rennen zudem nach dem tschechischen Rennfahrer Gustav Havel benannt, der auch auf der Weltbühne erfolgreich unterwegs und neben Frantisek Stastny ein Lokalheld war. Nachdem dieser am 30. Dezember 1967 auf dem Weg zur Arbeit tragisch ums Leben kam, wurde das Rennen ihm gewidmet und in die „300 Zatacek (Kurven) Gustava Havla“ umbenannt.

Diese wurden mit dem Beginn der 1970er-Jahre als offene Meisterschaftsrennen ausgetragen, was auch Rennfahrern aus dem westlichen Ausland die Möglichkeit eröffnete, dort mitzufahren und gutes Start- sowie Preisgeld zu kassieren. Sehr zur Freude vor allem der Rennfans aus der damaligen DDR, die die Rennen in Horice, in der Regel am verlängerten Pfingst-Wochenende, nach und nach, neben dem WM-Lauf in Brno, zum Wallfahrtsort erhoben.

Ab nun mit internationalen Spitzenfahrern

1970 war der spätere finnische Weltklassefahrer Teuvo Länsivuori einer der ersten Nicht-Tschechoslowaken, der sich in die Siegerliste eintrug. Ihm folgten zum Beispiel die Schweizer Franz Kunz, Rolf Blatter, Bruno Lüscher und Ruedi Gächter, die Österreicher Edi Stöllinger und Herbert Zwickl oder die Deutschen Karl-Thomas Grässel und Herbert Besendörfer.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde auch in der noch Tschechoslowakei (die nahezu geräuschlose Trennung der beiden Länder erfolgte per 1. Januar 1993) alles anders und Motorsport nahm eine noch größere Nebenrolle im Leben vieler Menschen auf und neben der Rennstrecke ein. Nachdem 1992 und 1993 in Horice keine Rennen ausgetragen wurden, schafften es die Verantwortlichen jedoch, neue Strukturen zu schaffen und vor allem vermögensrechtliche Probleme zu lösen.

Road-Racing-Genuss zwei Mal jährlich

Der Rennveteran Libor Kamenicky hatte später eine Idee und bereitete zusammen mit anderen AMK (Auto Moto Klub)-Mitgliedern den Weg zu einer neuen Tradition – die Czech Tourist Trophy. Sie wurde 2014 zum ersten Mal als zweite Veranstaltung neben den 300 Kurven auf der bis heute unveränderten schönen Naturstrecke durchgeführt. Seit dem werden zwei Rennen pro Jahr, eins im Mai oder Juni und eins im August veranstaltet, wobei der der zweite Termin der IRRC (International Road Racing Championship) gehört.

Natürlich waren in Horice die besten tschechoslowakischen Fahrer am Start, wie die bereits erwähnten Frantisek Stastny und Gustav Havel, oder auch Stanislav Malina, Karel Bojer, Vaclav Parus, Bohumil Stasa, Peter Balaz, Zbynek Havrda, der Horice-Einwohne Zdeněk Bima, Jiri Safranek und Josef Bares. Später wurden Oldrich Podlipny, Roman Bocek, Jiri Broz, Michal Dokoupil oder der Anfang Mai beim North West 200 in Nordirland tödlich verunglückte Kamil Holan zum Publikumsliebling der einheimischen Fans.

Den Charakter als echte Road-Racing-Strecke hat sich Horice bis heute erhalten und auch das Drumherum ist liebenswert schlicht und unkompliziert wie in den 1970- und 1980-Jahren und damit immer wieder eine kleine Zeitreise in längst vergangene Zeiten.

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