Zum 60. Geburtstag: Sachsenring erinnert an zu früh verstorbenen Ralf Waldmann

„Waldi“ lieferte einst einen großen Baustein zum WM-Comeback auf dem (neuen) „Ring“

Sachsenring

Der Motorrad Grand Prix von Deutschland 2026 ist nun zwei Tage her und die jüngsten Erinnerungen an diesen sind noch ganz frisch. Ein neuer Besucherrekord (261.813 von Donnerstag bis Sonntag) wurde von offizieller Seite für den neuen Sachsenring vermeldet, zum fünften Mal in Folge. Die absolute Rekordzahl 480.000 will einst jemand im Jahr 1950 am alten damals 8,731 Kilometer langen Sachsenring ermittelt haben.

Einer, der ziemlich sicher in irgendeiner Funktion oder auch „nur“ als Ehrengast wieder dabei gewesen wäre, ist Ralf Waldmann. Leider ist der 20-fache Grand-Prix-Sieger und Weltmeister der Herzen aus Ennepetal am 10. März 2018 im Alter von nur 51 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Heute würde er seinen 60. Geburtstag feiern. Gewiss hätte er wieder unzählige Autogrammwünsche erfüllen sollen, denn „Waldi“, wie er fast ausschließlich genannt wurde, und der Sachsenring stehen in einer bis heute besonderen Beziehung.

Worte wie Musik in den Ohren der Sachsenring-Fans

Mitte der 1990er-Jahre war die Frohnatur als dreimaliger WM-Dritter und zweimalige Vize-Weltmeister auf dem Höhepunkt seiner Rennfahrerkarriere, doch der Motorrad-GP von Deutschland steckte mit vergleichsweise lächerlichen Zuschauerzahlen auf dem Nürburgring in einer tiefen Krise.

Bei der Erstveranstaltung auf dem noch ziemlichen Provisorium neuer Sachsenring kamen am 25. und 26. Mai 1996 zum Deutschen Meisterschaftslauf der Motorräder 60.000 Zuschauer. So auch 1997, was inzwischen locker das dreifache vom Grand Prix auf dem Nürburgring war.

Das war natürlich auch Verantwortlichen nicht verborgen geblieben, doch in den Überlegungen bei der Suche nach einem alternativen Austragungsort in Deutschland spielte die motorsportliche „Wüste“ Sachsenring mit der Nutzung des neuen Verkehrssicherheitszentrums und Gewerbegebietsstraßen, einem Teil der noch alten Strecke und Containern sowie Zelten für die Rennleitung, das Organisationsheer und Fahrerlager keinerlei Rolle.

Wenngleich es eine verrückte Idee war, hatten nimmermüde Funktionäre und private Initiativen rund um den Sachsenring mit der Rückkehr der Motorrad-WM an den neuen Kurs geliebäugelt. Und „Waldi“ sprach öffentlich aus, was sich viele wünschten: „Wenn die Fans nicht zum Grand Prix kommen, muss der Grand Prix zu den Fans!“ Auch diese Worte, die Kraft seines Status sehr wohl Gewicht hatten, waren ein großer Baustein in der Erfolgsgeschichte des neuen Sachsenrings. Und für diesen lieben und verehren ihn die Fans ringsum das Mekka des deutschen Motorrad-Rennsports bis heute.

Erfolgreiche Karriere, privates Auf und Ab

In seiner langen von Höhen und Tiefen (Verletzungen und persönliche Enttäuschungen) geprägten Karriere stand Ralf Waldmann bei 169 Grand Prix am Start und gewann davon deren 20. Damit ist er hinter Toni Mang diesbezüglich der zweiterfolgreichste deutsche Solo-Rennfahrer.

Ein Weltmeistertitel war ihm leider nicht vergönnt, was seiner Popularität allerdings keinerlei Abbruch tat. Ganz im Gegenteil, es war vor allem die menschliche Komponente, die aus dem erfolgreichen Sportler einen allseits beliebten und geschätzten Superstar machte. Menschen, die nicht mit ihm auskamen, gibt es praktisch nicht. Medienschaffenden gegenüber freundlich zu sein, ist keine Kunst, und doch schafft das der eine oder andere nicht. Allen Fans gegenüber aber freundlich und nie abweisend zu sein, egal wie groß der Trubel auch gerade ist, ist hingegen schon ein Kunst, die „Waldi“ beherrschte wie kaum ein Zweiter und ihn nahezu einzigartig machte. Schlicht, er war ein feiner Kerl. Unterstrichen wird diese Feststellung mit dem Fakt, dass zu seiner Beerdigung und Trauerfeier am 20. März 2018, neben mehreren hundert Menschen, sogar sein ehemaliger Gegner Max Biaggi aus Italien nach Ennepetal reiste.

Karriere-Start in den kleinen Klassen

Ralf Waldmann begann seine Rennfahrerkarriere 1986 im OMK-Pokal in der Klasse bis 80 ccm auf einer Seel, bezeichnenderweise wurde er damals einerseits auf Anhieb immerhin, andererseits erstmals „nur“ Vize. Auf Grund seiner guten Leistungen durfte er im gleichen Jahr beim zweiten WM-Rennen auf deutschem Boden in Hockenheim, wo nur die kleinen Klassen bis 80 bzw. 125 ccm sowie die Seitenwagen am Start waren, sein WM-Debüt geben, bei dem er im 80er-Rennen 19. wurde.

1987 errang er bei seinem Heim-Grand-Prix, wiederum auf dem Hockenheimring, als Zehnter im 80er-Rennen seinen ersten WM-Punkt.

1989 holte er sich in der damals noch hart umkämpften Europameisterschaft im belgischen Zolder einen Laufsieg in der 80-ccm-Klasse, und in der Deutschen Meisterschaft wurde er auf einen von Horst Seel vorbereiteten Seel hinter dessen Filius Jörg wieder Vize-Meister. Zudem wurde er in der DM 125 ccm auf einer Cobas-Rotax Gesamtdritter.

In der WM brauchte er vier Jahre, um ganz nach vorn zu kommen, denn 1991 fuhr er, wiederum in Hockenheim, erstmalig aufs Podest und dann gleich als Sieger des 125er-Rennens. Dies war auch deswegen ein denkwürdiger und einzigartiger Tag, weil es an jenem 26. Mai durch Helmut Bradl im Rennen der 250-ccm-Klasse sowie das Duo Ralph Bohnhorst/Bruno Hiller bei den Seitenwagen drei deutsche GP-Siege an einem Tag gab.

Bis einschließlich 1993 gewann Ralf Waldmann noch fünf Mal in der Achtelliterklasse, wobei er die WM-Endränge drei, drei und vier belegte und danach zu den 250ern wechselte. Hier ließ der erste große Erfolg nicht lange auf sich warten. Beim achten Saisonrennen 1994 im italienischen Mugello nahm er erneut den größten Pokal in Empfang.

Bis 2000 sammelte er in seiner neuen Klasse 14 Grand-Prix-Siege, wobei 1996 und 1997 seine besten Jahre waren, er jedoch im Kampf um den WM-Titel gegen Massimiliano Biaggi jeweils knapp den Kürzeren zog. Dabei hatte er im Comeback-Jahr des Sachsenrings im WM-Kalender (1998) ein Jahr mit einem Ausflug in die Königsklasse bis 500 ccm quasi verschenkt, denn mit der Modenas von Kenny Roberts war gegen die japanischen Werks-Rennen nicht viel zu bestellen.

Auch auf vier Rädern und später bei Klassik-Veranstaltungen am Start

Nach seiner aktiven GP-Karriere war er in eine Vielzahl von Projekten eingebunden und kehrte immer mal wieder auch als Rennfahrer, zum Beispiel in der IDM, zurück. Zwischendurch versuchte er sich auch mal im Porsche Carrera Cup Deutschland. Später war er bei Klassik-Veranstaltungen wie auf dem Sachsenring sowie beim Zschorlauer Dreieckrennen immer wieder ein gern gesehener Gast. Beim Zschorlauer Dreieckrennen war er 2003, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012, 2014, 2015, 2016 und 2017, also genau zehn Mal, am Start.

Mit seinem Geburtsdatum 14. Juli 1966 feierte er 2016 am Donnerstag vor dem deutschen WM-Lauf am Sachsenring im kleinen Kreis sein 50. Wiegenfest. Den Anwesenden Gästen dürfte dieser Abend ewig in Erinnerung bleiben, und „Waldi“ als Typ all jenen noch viele Jahre mehr, die das Glück hatten, ihn jemals getroffen zu haben.

Anlässlich seines 60. Geburtstages versammelte sich heute auf Initiative des langjährgen Vorsitzenden des 1. Auer MSC, Rainer Pommer, und Marcel Uhlmann eine Handvoll Fans und „Waldi“-Verehrer am Sachsenring und schickten stilgerecht mit Reliquien seiner Rennfahrer-Karriere Geburtstagsgrüße gen Himmel.

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