Wie ein Trauerredner über Umwege seine Berufung zum Beruf machte

Carsten Riedel gibt einen Einblick in den „Talentberuf“ des Trauerredners

Ruppertsgrün/W

Es gibt auch heute noch Berufe welche man nicht einfach erlernen kann, man benötigt dazu oftmals eine spezielle Berufung. So ist es auch bei Carsten Riedel. Der 48-Jährige, der in Rebesgrün bei Auerbach aufgewachsen und heute in Westsachsen verwurzelt ist, absolvierte nach dem Abitur an der Westsächsischen Hochschule ein Studium der Betriebswirtschaft.

Dem schloss sich noch eine Ausbildung zum Fremdsprachensekretär an. Bereits während seines Studiums begann er, mit 21 Jahren, selbstständig zu arbeiten. Er verdiente sein Geld als Moderator, im Entertainment, der Show- und Journalismus-Sparte.

Über viele Jahre war er zuerst bei Zwickau TV und später beim Nachfolgesender TV Zwickau und TV Westsachsen bis Februar 2018 auf den Bildschirmen in Zwickau präsent.

„Du kannst es besser“

Mehrere traurige Gründe, Todesfälle in der Familie und dem engsten Bekanntenkreis weckten in ihm Gedanken, sein Talent reden und schreiben zu können für eine gute Sache einzusetzen. Trauerreden, die er gehört hatte, waren nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich oftmals nicht dem würdig um was es ging. Sein anfangs gesetzter Slogan „Das kannst du besser“, seine Selbständigkeit als Moderator, DJ, Entertainer und Hochzeitsredner sollten dabei helfen.

Doch, erstens kommt es anders als man zweitens denkt, so Carsten Riedel, der kurzfristig erst einmal eigene gesundheitliche Belange in den Vordergrund stellen musste.

Vom Einzelredner zum Ausbilder

Was 2018 für ihn als Einzelredner begann, wurde durch Corona zu einer Teamaufgabe. Als zertifizierter Trainer in der Erwachsenenbildung, entwickelte er fortan eigene Kurse für Trauerredner, bildete Redner in ganz Deutschland aus und förderte den eigenen Nachwuchs.

Der Aufbau einer eigenen Agentur mit derzeit 10 von ihm und Annegret Thalwitzer ausgebildeten Trauerrednern ist eine Hausnummer die ihres gleichen sucht. Ein Grund dafür – wenn jemand erkrankt und einen Termin nicht wahrnehmen kann, bei uns gibt es immer einen Plan „B“, betont Annegret Thalwitzer.

Was einen guten Trauerredner ausmacht

„Trauerredner“, so Carsten Riedel, „ist schlichtweg ein Talentberuf“. Man muss gut zuhören können, eine gewisse Empathie besitzen, ein gutes Sprachgefühl an den Tag legen können und natürlich seriös sein. Jedes individuell geführte Trauergespräch ist die Grundlage einer jeden Trauerrede. Eine Trauerrede ist kein Abspulen des Lebenslaufes, sondern das Erinnern an das Besondere, an die wichtigen Geschichten und Begegnungen eines Lebens, ein Akt der Dankbarkeit, der auch ein Lächeln erlaubt.

Trauerreden basieren auf der humanistischen Tradition der freien Rede, können aber auch Elemente des Glaubens beinhalten, wenn dies gewünscht wird.

Kraft tanken im Alltag

Abschalten können, auch das musste Carsten Riedel lernen. Hilfreich ist dabei seine kleine Familie, seine 3 sturen Hunde der Rasse Beagle und natürlich die Hobbys Kochen, kulturelle Veranstaltungen besuchen und das Wandern in der Natur.

Hier kann er wieder geistige Kraft tanken die im Berufsalltag dringend benötigt wird.

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