Wiedersehen macht Freude: Eine Freundschaft, die in Zwickau begann

Was mit einer Buchpräsentation an der Westsächsischen Hochschule Zwickau begann, entwickelte sich zu einer besonderen deutsch-georgischen Freundschaft. Beim Wiedersehen in Zwickau treffen persönliche Begegnungen auf internationale Hochschulkooperation.

Zwickau

Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) baut ihre Hochschulkooperationen in Georgien weiter aus. Ende Dezember besuchte eine Delegation der WHZ die Business and Technology University (BTU) in Tbilissi. Im Januar folgte der Gegenbesuch: Mitarbeitende der BTU waren zu einem Arbeitsaufenthalt in Zwickau, darunter Khatia Butikashvili. Für die georgische Bibliothekarin ist die Stadt mehr als ein Arbeitsort – sie verbindet mit Zwickau eine besondere Freundschaft.

Eine Freundschaft wie aus einem Buch

Hier trifft sie die deutsche Autorin Constanze John – zum ersten Mal in Deutschland und in jener Stadt, der beide ihr Kennenlernen und ihre Freundschaft verdanken. Eine zentrale Rolle spielen dabei die WHZ, ihre Bibliothek – und vor allem ein Buch: „40 Tage Georgien“.

„Meine Freundschaft mit Constanze ist wirklich wie eine Geschichte aus einem Buch“, sagt Khatia Butikashvili. Die Leiterin der Bibliothek der Business and Technology University hielt sich im Januar zwei Wochen lang in Zwickau auf. Ihr Aufenthalt erfolgte im Rahmen eines Programms zur Förderung der Hochschulpartnerschaft zwischen der WHZ und der BTU.

Die erste Begegnung

Der Anfang dieser besonderen Verbindung liegt drei Jahre zurück. Damals war Khatia Butikashvili erstmals zu Gast in der Bibliothek der WHZ. Dort lernte sie die damalige Bibliotheksleiterin Reingard Al-Hassan kennen.

„Sie erzählte mir, dass hier eine gute Bekannte von ihr eine Buchpräsentation mit dem Titel ‚40 Tage Georgien‘ hatte und dass diese Autorin Georgien sehr liebt“, erinnert sich Khatia. „Sie gab mir den Kontakt und sagte: Wenn sie einmal nach Georgien kommt, bringt sie das Buch mit.“

Aus einer E-Mail wird Freundschaft

Ein halbes Jahr später kam tatsächlich eine E-Mail aus Deutschland. Absenderin: Constanze John. „Seitdem sind wir befreundet“, sagt Khatia. „Und selbst jetzt ist sie mehr als 80 Kilometer gefahren, um mir hier in Zwickau eine wunderbare Gastgeberin zu sein.“

Erstes persönliches Wiedersehen

Persönlich begegneten sich die beiden Frauen erstmals in Tbilissi – bei einer Veranstaltung des Goethe-Instituts. Im Gepäck hatte die Autorin ihr Buch.

„Wir waren nur kurz dort, weil wir uns lieber unterhalten wollten“, erzählt Constanze John. „Khatia bot mir gleich auch Unterstützung als Dolmetscherin bei einer Musikveranstaltung an, die wir anschließend besuchten. Danach lud sie mich in ein typisch georgisches Restaurant ein – nicht für Touristen, sondern für Georgier. Wir haben gegessen, getanzt, viel gesprochen und uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Khatia ist eine sehr herzliche, empathische und großzügige Person“, sagt die Autorin. „Als sie mir schrieb, dass sie in Zwickau ist, wusste ich sofort: Ich muss kommen. Denn unsere Freundschaft verdanken wir dieser Stadt.“

Literatur und Freundschaft in Zwickau

Constanze John reist dafür aus Leipzig an, wo sie lebt, wenn sie nicht gerade unterwegs ist. Zwickau kennt die preisgekrönte Schriftstellerin wie ihre sprichwörtliche „Westentasche“. Von 1988 bis 2001 lebte sie in der Robert-Schumann-Stadt, leitete hier die Literaturgruppe ZweiPlusEins sowie Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche und veröffentlichte unter anderem „Sagen aus Zwickau“, „Zwickau – ein Kinderstadtführer“ und „Geschichten aus dem Zwickauer Land“. Der Stadt fühlt sie sich bis heute eng verbunden – nicht zuletzt durch die vielen Freundschaften, die hier entstanden sind.

Treffpunkt der beiden Freundinnen ist die Bibliothek der WHZ. Hier stellte Constanze John nach dem Erscheinen ihre Buchtrilogie „40 Tage Armenien“ (2015), „40 Tage Georgien“ (2018) und „40 Tage Aserbaidschan“ (2020) vor. Bei diesem Wiedersehen lernt sie auch Khatias Kollegin Nino kennen, die an der BTU sowie an der Staatlichen Ilia-Universität in Tbilissi Deutsch unterrichtet.

Frühe internationale Erfahrung

Dass die Gespräche mühelos auf Deutsch geführt werden können, ist kein Zufall. „Deutsch ist für mich praktisch eine zweite Muttersprache“, sagt Khatia Butikashvili. „Ich habe es an einer Schule mit erweitertem Deutschunterricht gelernt.“ Mit 15 Jahren nahm sie an einem Austauschprogramm im Rahmen der Partnerschaft zwischen dem Saarland und Georgien teil. Der Kontakt zu ihrer damaligen Gastfamilie besteht bis heute. Ihr Hauptstudienfach war Betriebswirtschaftslehre, ihr Nebenfach Germanistik.

Internationale Projekte an der BTU

An der BTU leitet sie nicht nur die Bibliothek, sondern auch das Plagiatsprogramm und ist in zahlreiche internationale Projekte eingebunden. Dazu gehört auch ein gemeinsames, vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördertes Projekt der WHZ und der BTU. Ziel ist der Aufbau einer Plattform für technische deutsche Fachsprache in Georgien.

„Wir wollen neue methodisch-didaktische Ansätze und Fachliteratur kennenlernen und Unterrichtsmaterialien für Informatikstudierende an der BTU entwickeln“, erklärt sie.

Besuch im Robert-Schumann-Haus

Neben den Gesprächen bleibt auch Zeit für gemeinsame Entdeckungen in Zwickau. Die Freundinnen besuchen das Robert-Schumann-Haus, schauen durch eine historisch anmutende VR-Brille Schumanns Avatar an, „sprechen“ virtuell mit Clara Schumann und sehen die neue Sonderausstellung, die den großen Romantiker als Schüler zeigt. Und sie gehen – ganz typisch deutsch – essen.

„Es war ein sehr schöner Tag in unserer gemeinsamen Geschichte, die vor drei Jahren hier in Zwickau begann“, sagt Constanze John.

Einen Tag später packt sie in Leipzig ihren Koffer. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Lissabon reist sie für sechs Wochen nach Brasilien, um an einem Buch über einen georgischen Maler zu arbeiten. Aber das ist eine andere Geschichte.

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