"Wir alle haben viel gelernt":Wechsel in der Chefetage des Zwickauer Puppentheaters

Leiterin Monika Gerboc und Dramaturgin Dominique Suhr verlassen das Zwickauer Puppentheater. Jetzt wurden auf einer großen Party ihre Nachfolger vorgestellt.

Zwickau

Der Goldstaub bleibt haften. Puppentheaterchefin Monika Gerboc und Dramaturgin Dominique Suhr haben ihn gemeinsam bei ihrer Abschiedsparty auf dem Bühnenboden des Zwickauer Theaters verstreut. Neun Jahre lang hatte Gerboc das Haus geleitet. "Ich habe mir lange überlegt, wie man sich verewigt, denn Erinnerungen verblassen, Inszenierungen werden irgendwann abgespielt", sagt Gerboc. So kam ihr die Idee mit dem Theater-Goldstaub. Wie hartnäckig dieser ist, weiß der Kultour Z.-Geschäftsführer und damit Gerbocs Chef Jürgen Flemming nur zu gut. Und genauso hartnäckig war einst Monika Gerboc, als sie sich auf den Posten der Theaterdirektorin beworben hatte. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Flemming. "Sie hat mich mindestens 18 Mal angerufen und hatte schon ganz genaue Vorstellungen." Bei manchen habe er zuerst nur den Kopf schüttelt. Doch sie konnte tatsächlich ihre Visionen mit Leben erfüllen. "Weil ich es eben als meine Lebensaufgabe sah", sagt Gerboc. Eine Aufgabe, die jetzt auf ihren Wunsch hin endet: "Ich habe alles gegeben, was ich konnte. Jetzt muss ich neue Kraft tanken".

Das scheinbar Unmögliche möglich gemacht

Monika Gerboc und Dominique Suhr verlassen beide das Zwickauer Puppentheater auf eigenen Wunsch. Die Abschiedsparty im Zwickauer Puppentheater war gleichzeitig eine Willkommensparty für das Duo, das den beiden nachfolgt: Christine Schmidle als Direktorin und Alexej Vancl als Dramaturg. Gemeinsam konnte das Quartett so auf die Zukunft anstoßen.

Sabine Weitzel, die von Anfang an als Theaterpädagogin und Puppenspielerin im Zwickauer Puppentheater dabei ist, würdigte das Wirken ihrer langjährigen Chefin: "Monikas größte Stärke ist, die Menschen mitzureißen". Und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Wie das Theater-Projekt "Deutsche Balladen" mit VR-Brillen, mit dem das Theater auf internationalen Festivals für Aufsehen sorgt. Dazu zählen auch eine geniale Einfälle wie der, das "Grusel-Spektakel" auf der Bur Schönfels mit den Laiendarstellern aufzustocken. "Sie haben uns dann ehrenamtlich bei der Ausrichtung unserer beiden internationalen Puppentheater-Festivals unterstützt", sagt Weitzel.

Zu Gerbocs Verdiensten gehört, Legenden des Puppenspiels nach Zwickau geholt und in Zwickau zwei internationale Festivals organisiert zu haben. Sie hat die Theaterpädagogik am Zwickauer Puppentheater und die "Magischen Samstage" für Erwachsene etabliert. "Sie hat gesagt: Wir machen ein Eröffnungsspektakel zum Mitmachen mit einer Parade durch die Stadt - mit riesigen Marionetten und Puppen. Ich konnte erst gar nicht glauben, dass jemand mitlaufen würde", erzählt Kultour-Z.-Chef Jürgen Flemming. Doch die Parade erwies sich als Dauerbrenner, der jedes Jahr aufs Neue Hunderte in den Bann zieht.

Künftige Führung zollt Achtung und feiert mit

Das nächste Eröffnungsspektakel wird in der Regie der neuen Direktorin Christine Schmidle stattfinden. Die gebürtige Offenburgerin sagt: "Als ich das erste Mal in dieses Puppentheater kam, schlug mir eine Herzlichkeit, Offenheit und Exzellenz entgegen, die es selten so schön zu finden gibt." Schmidle arbeitete bereits an 14 Theatern als Schauspielerin und Regisseurin, unter anderem an Shakespeare‘s Globe in London. Nach Zwickau kam sie, wie sie sagt, "um zu bleiben". Ab November wird ihr als Dramaturg der gebürtige Ukrainer Alexej Vancl zur Seite stehen.

Alle ihre Erfolge waren immer eine Gemeinschaftsleistung, unterstrich Gerboc in ihrer sehr herzlichen Dankesrede. Die emotionalsten Dankesworte richtete Monika Gerboc an ihre zwölfjährige Tochter Nina, denn die Familie muss den Tod Monika Gerbocs Partners, Ninas Vaters, verarbeiten.

Das letzte Geschenk der scheidenden Direktorin

Gerbocs letztes Geschenk als Puppentheater-Direktorin ist ihre Inszenierung "Kannst du pfeifen, Johanna", die sich mit dem Thema Tod und Verlust auseinander setzt. Das Stück feierte am 22. Juni Premiere. Bei der offiziellen Verabschiedung begeisterte und rührte es das geladene Publikum, unter dem auch das Ehepaar Franziska und Konrad Till aus Radebeul war, das sich einst als Schneewittchen und Prinz in Gerbocs Inszenierung in Zwickau kennen und lieben gelernt hatten. Franziska Till gab ihr zum Abschied mit: "Wir alle haben von Monika so viel gelernt und ich bin mir sicher, das ist noch nicht das Ende."

 

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