Zwickauer Grundschüler überraschen Experten bei der Stollenprüfung

Kinder der Klasse 4c zeigen bei der Stollenverkostung erstaunliche Fachkenntnisse

Zwickau

Mit erstaunlichem Fachwissen über den Weihnachtsstollen haben am Mittwoch die 26 Kinder der Klasse 4c der Zwickauer Nicolaischule die erfahrenen Prüfer der Bäckerinnung „Saxonia“ überrascht.

Vorbereitung im Ethikunterricht

Ausgestattet mit kleinen Spickzetteln, die sie im Ethikunterricht mit Lehrerin Kathleen Schiecke erarbeitet hatten, wussten die Neunjährigen genau Bescheid: vom mittelalterlichen Ursprung des brotförmigen Hefekuchens über das Jahr der ersten Erwähnung 1329 bis hin zur Bedeutung des Begriffs „Stollen“ als Pfosten oder Stütze. Auch die symbolische Form – ein gewickeltes Christkind – konnten alle erklären.

Staunen bei den Experten

„So etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt“, staunte Michael Isensee vom Deutschen Brotinstitut, der seit über 30 Jahren jährlich rund 1000 Stollen verkostet. Dass die Kinder so gut informiert waren, beeindruckte ihn besonders – zumal viele der 12 Jungen und 14 Mädchen den traditionellen Weihnachtsstollen zuvor noch nie probiert hatten.

Eine Klasse aus neun Nationen

Rund 60 Prozent der Klasse stammen aus neun verschiedenen Ländern - aus Japan, Syrien, Afghanistan, Vietnam, Russland, Tunesien, Irak, Eritrea und Venezuela. „Viele meiner Schüler lernen Deutsch von Null an und es ist so schön, dass sie sich alle gut verstehen und dass sie heute so begeistert waren. Es ist eine richtig tolle Klasse“, erzählt die Klassenlehrerin.

Einladung zur Stollenprüfung

Zur Stollenprüfung eingeladen hatte sie Mario Kloas, neuer Geschäftsführer der Zwickauer Kreishandwerkerschaft und Vater eines ihrer Viertklässler. „Ich dachte zuerst, wir besuchen einen Stollen im Bergwerk“, verrät die Lehrerin.

Unterricht als Vorbereitung

Nachdem das Missverständnis geklärt war, behandelte sie kurzerhand die Geschichte des Weihnachtsstollens im Unterricht – eine Vorbereitung, die sich bezahlt machte.

Verkostung verschiedener Stollensorten

Bei der Verkostung probierten die Kinder verschiedene Sorten, darunter Mohn-, Marzipan-, Mandel-, Rosinen- und Cranberrystollen. Letzterer erhielt hervorragende 83 Punkte – wie vier weitere Stollen, zwei erreichten 82 Punkte. Den Spitzenwert von 85 Punkten erzielte ein Quarkstollen der Bäckerei Seiler.

Ergebnisse der Prüfung

Lediglich ein Marzipanstollen verfehlte wegen eines etwas zu hohen Bittermandelanteils knapp die Note „sehr gut“. Insgesamt stellten sich nur sieben von 31 Innungsbäckern mit 15 Stollen der freiwilligen Prüfung. 14 erhielten die Note „sehr gut“, die beim Erreichen von 80 Punkten vergeben wird. Einige könnten im nächsten Jahr die Gold-Auszeichnung erhalten, die für dreimalige „Sehr gut“-Bewertungen in Folge vergeben wird.

Persönlicher Favorit der Lehrerin

Kathleen Schieckes persönlicher Favorit ist der Cranberrystollen. „Es ist mein Lieblingsstollen, denn ich mag keine Rosinen“, verrät die Lehrerin, die sich freute, bei der Verkostung persönlich den Bäckermeister Roman Clauß kennengelernt zu haben, der den besagten Stollen zur Prüfung brachte.

Ein gelungener Abschluss auf dem Weihnachtsmarkt

Für die Viertklässler war es ein rundum gelungener Tag: Nach der Prüfung führte der Weg noch über den Zwickauer Weihnachtsmarkt, wo eine Bäckerin die Kinder mit frischen Krapfen überraschte.

Reflexion im Unterricht

Im Anschluss sprachen sie im Unterricht über die Vielfalt der Stollensorten, die Bedeutung des Handwerks und darüber, dass ein erfüllender Beruf nicht immer ein Studium voraussetzt. „Es war rundum ein toller Schultag“, sagt Schiecke.