Zwillinge, 13 Monate, fast verhungert – Folgen fürs ganze Leben… dieser Fall lässt Redakteurin Elli nicht los

Sie waren 13 Monate alt, unterernährt, ihr Körper am Limit. Folgen fürs ganze Leben. Ich lese diesen Fall aus Sachsen mit einem Urteil des Landgerichtes Zwickau – und frage mich, warum sie vermutlich trotzdem bei ihren Eltern bleiben werden. Als ehemalige Erzieherin lässt mich das nicht los.

Zwickau

Zwei kleine Kinder. Zwillinge, 13 Monate alt. In einem Alter, in dem Kinder anfangen, ihre Welt zu entdecken. In dem sie greifen, krabbeln, erste Schritte machen.

Und stattdessen: ein Körper, der zu wenig bekommen hat. Zu wenig Nahrung. Zu wenig Kraft. Zu wenig von dem, was ein Kind zum Wachsen braucht.

Der Fall aus Sachsen, über den BLICK.de berichtet, ist schwer vorstellbar.

Zwei Kinder, die so mangelernährt waren, dass ihr Zustand lebensbedrohlich wurde. Kinder, deren Entwicklung bereits Schaden genommen hat.

Und bei denen man heute schon ahnt, dass dieser Schaden sie ihr Leben lang begleiten wird.

Vielleicht bedeutet das: Therapien über Jahre. Vielleicht bedeutet es: Einschränkungen, die nie ganz verschwinden. Vielleicht auch ein Leben, das nie ganz selbstständig geführt werden kann.

Gedanken, die man kaum zu Ende denken möchte.

Und trotzdem bleiben diese Kinder, laut aktuellem und noch noch nicht rechtskräftigen Urteil, des Landesgerichtes Zwickau bei ihren Eltern.

Ein Urteil – und viele Fragen

Das Gericht hat die Eltern verurteilt. Noch ist das Urteil nichts rechtskräftig. Doch nach aktuellem Stand wurde entschieden, die Familie nicht zu trennen. Die Kinder bleiben – unter Auflagen, unter Beobachtung, begleitet durch das Jugendamt.

Man kann nachvollziehen, dass solche Entscheidungen nicht leicht getroffen werden. Dass es darum geht, Bindungen zu erhalten. Dass es nicht darum geht, Familien vorschnell auseinanderzureißen.

Und dennoch bleibt diese eine Frage im Raum: Wann ist der Punkt erreicht, an dem ein Kind woanders sicherer ist?

Bilder, die bleiben

Man liest solche Berichte – und unweigerlich entstehen Bilder im Kopf.

Kinder, die zu schwach sind. Die vielleicht nicht die Kraft haben zu stehen. Die nicht das Gewicht haben, das sie in diesem Alter haben sollten.

Kinder, deren Körper zeigt, dass etwas nicht stimmt.

Und gleichzeitig Kinder, die auf Erwachsene angewiesen sind. Darauf, dass jemand erkennt, wenn etwas falsch läuft.

12 Jahre nah am Kind

Ich war über 12 Jahre lang Erzieherin – mit Herz. Ich habe kleine Hände gehalten, Tränen getrocknet, Babys am Körper getragen, sie beim Laufenlernen begleitet. Mit ihnen die Wut ausgehalten.

Ich habe gesehen, wie unterschiedlich Entwicklung verlaufen kann. Und wie viel man auffangen kann – wenn man früh genug hinschaut.

Vielleicht ist es genau das, was mich an diesem Fall nicht loslässt.

Dieses Gefühl, dass es einen Zeitpunkt gegeben haben muss, an dem man hätte eingreifen können.

Zwischen Wissen und Zweifel

Natürlich weiß ich, dass Systeme nicht perfekt sind. Dass es zu wenige Pflegefamilien gibt. Dass Jugendämter abwägen müssen.

Und ich weiß auch, wie wichtig die Bindung zwischen Eltern und Kindern ist.

Aber ich frage mich, ob es Situationen gibt, in denen andere Dinge schwerer wiegen müssen.

Zum Beispiel die Frage: Wie stellt man sicher, dass so etwas nicht noch einmal passiert?

Wären engere medizinische Kontrollen ein Weg? Regelmäßige verpflichtende Arztbesuche? Ein genaueres Hinsehen in den ersten Lebensjahren?

Oder beginnt alles noch viel früher – bei Aufklärung, bei Begleitung, bei dem Versuch, Eltern überhaupt zu erreichen?

Was bleibt

Vielleicht ist es am Ende genau das: dieses Nachdenken.

Das Gefühl, dass man früher hätte hinschauen müssen. Dass Unterstützung früher ansetzen müsste.

Ich habe keine einfachen Antworten.

Aber ich wünsche mir, dass wir sensibel bleiben für das, was Kindern passiert. Dass wir genauer hinschauen – gerade bei denen, die sich nicht selbst äußern können.

Und dass wir diese Fragen niemals aus dem Blick verlieren.

Im Sinne der Kinder.

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