In Chemnitz werden rund 40 Prozent des Wärmebedarfs mit Fernwärme des Versorgers eins energie gedeckt. Damit sorgt das Unternehmen in 68.000 Wohnungen für warme Räume. Bisher ist die Fernwärmeversorgung der Stadt Chemnitz über den Betrieb der beiden Kohleblöcke im Heizkraftwerk Nord sichergestellt. Das derzeit teure Gas decke nur die Spitzenlast an besonders kalten Tagen im Winter ab, wenn die Kohleblöcke bereits am Maximum sind, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Das betreffe im Jahr maximal 5 Prozent der Fernwärmeproduktion. "Die Fernwärme wird in diesem Fall vom Heizwerk Altchemnitz erzeugt." Doch im kommenden Jahr könnte das schon anders aussehen.

 

Kohleblöcke sollen bereits 2023 komplett abgeschaltet werden

Eins energie informiert: "Der Plan sieht weiterhin vor, dass die beiden Kohleblöcke im Heizkraftwerk Nord 2023 abgeschaltet werden. Nach neuen Plänen der Bundesregierung gibt es Überlegungen, die Laufzeit der Braunkohlekraftwerke in Deutschland zu verlängern, um den Gasverbrauch zu verringern. Es gibt auf Bundesebene aber noch keine konkreten Festlegungen dazu. Erst wenn die politischen Rahmenbedingungen feststehen, können wir eine Entscheidung dazu treffen." Mit dem Braunkohle-Ausstieg erfolgt der Umstieg auf zwei effiziente gasgefeuerte Motorenkraftwerke am Standort Nord und Altchemnitz. Die mit Methan betriebenen Kraftwerke können Erdgas, Biogas, synthetisches Gas und bis zu 20 Prozent Wasserstoff im Gasgemisch verbrennen.

Ursprünglich wollte eins den letzten Kohleblock erst im Jahr 2029 abschalten. Die dramatische Entwicklung bei den CO2-Preisen habe sich aber massiv auf die Vermarktung des Stromes aus dem Heizkraftwerk ausgewirkt. Verluste im zweistelligen Millionenbereich für den Betrieb des Kraftwerks sind die Folge. Vor diesem Hintergrund erfolgt der komplette Ausstieg nun bereits im kommenden Jahr. Die wirtschaftlichen Verluste würden zwar immer noch im zweistelligen Millionenbereich liegen, fallen jedoch geringer aus als in der ursprünglich geplanten Variante.

 

Zwei Gasumlagen ab 1. Oktober

Was bereits fest steht: Ab Oktober müssen Gaskunden tiefer in die Tasche greifen: Etwa 100.000 Verbraucherinnen und Verbraucher sind bei eins von einer Preisanpassung aufgrund der ab 1. Oktober geltenden Umlagen betroffen. Die Bundesregierung hat vorübergehend zwei neue Umlagen beschlossen: Die Gasbeschaffungsumlage laut Energiesicherungsgesetz mit einer Höhe von 2,419 Cent netto pro Kilowattstunde und die sogenannte Gasspeicherumlage mit einer Höhe von 0,059 Cent netto pro Kilowattstunde. "Für die Beschaffungskosten gibt es noch weitere verschiedene Kostenbestandteile, unter anderem seitens des Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe, die sich regelmäßig verändern", informiert das Unternehmen.

 

Strom: "Preiserhöhungen leider notwendig"

Auch auf dem Strommarkt beobachtet eins energie nach eigener Aussage die Situation sehr genau. "Auch der Strommarkt ist aktuell sehr starken Preisbewegungen ausgesetzt, weshalb Preiserhöhungen leider notwendig sein werden", informiert der Versorger. "Aktuell liegen jedoch noch nicht alle notwendigen Daten vor, um konkrete Aussagen über deren Höhe in den unterschiedlichen Tarifen zu machen." Rund 175.000 Kundinnen und Kunden beziehen derzeit Strom von eins.

 

 

"Preisexzesse an den Energiemärkten beenden"

Sachsens Energieminister Wolfram Günther sprach sich am Mittwoch beim Energieministertreffen in Hannover für ein breites Instrumentarium aus, um "die Preisexzesse an den Energiemärkten zu beenden. Diese hohen Preise, die nichts mit den Gestehungskosten zu tun haben, sind ein riesiges Problem für die Bürgerinnen und Bürger, für Wirtschaft, unsere Versorger, Kommunen und öffentliche Einrichtungen." Die Minister seien sich einig gewesen: "Der Bund soll ein Modell zur Preisbegrenzung entwickeln, das einerseits einen klaren Anreiz zu Energieeinsparung setzt und andererseits sozial gerecht, nachvollziehbar und praktikabel ist." Zur Lage von Stadtwerken und kleineren Versorgern sagte Günther: "Unvermindert wichtig bleibt es, Stadtwerke zu stabilisieren, wo immer nötig. Kein Stadtwerk darf ins Straucheln geraten. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir Bedarfe und Instrumente präzisieren." rih