Kann ich mir ohne Gefahr zwei verschiedene Impfstoffe verabreichen lassen? Diese Frage stellten sich Anfang April vor allem unter 60-Jährige, die ihre Erstimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca erhalten hatten. Aufgrund von seltenen, aber sehr schweren thromboembolischer Nebenwirkungen wurde das Vakzin für Menschen unter 60 Jahren zunächst ausgesetzt. Die Ständige Impfkommission empfahl Betroffenen daraufhin das "Mix an Match"-Verfahren, also einen anderen Impfstoff für die zweite Impfung. Dabei konnte man sich kaum auf wissenschaftliche Daten stützten. Jetzt gibt es erste Erkenntnisse.

 

Britische Studie liefert erste Daten

Erste Daten zur Sicherheit den "Mix and Match"-Verfahrens liefert jetzt die britische Com-Cov-Studie, die die Mischung von verschiedenen Impfstoffen während eines Impfzyklus näher untersucht. Danach ist die Mischung der Impfstoffe kurzfristig betrachtet sehr sicher. Es gibt aber Hinweise darauf, dass die Nebenwirkungen nach der zweiten Spritze mit einem anderen Impfstoff deutlich stärker sind, als bei der Verwendung eines Impfstoffs. So meldeten bis zu 80 Prozent der Geimpften Kopfweh, Müdigkeit, Muskelschmerzen, leichtes Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Allerdings ließen die Nebenwirkungen innerhalb weniger Tage nach. Zur Wirksamkeit gibt es zwar noch keine Ergebnisse, doch die Vermutung liegt nahe, dass unterschiedliche Impfstoffe die Immunantwort sogar erhöhen können.

 

Gemeinsam stärker?

Besonders bei Vektorimpfstoffen kann sich die Wirksamkeit erhöhen, wenn zwei Einzeldosen verschiedener Vektorimpfstoffe gegeben werden. So funktioniert beispielsweise der russische Corona-Impfstoff Sputnik V, der aus aus zwei verschiedenen Vektoren besteht. Diese Kombination soll dem Problem von Vektorimpfstoffen entgegenwirken, dass der Körper nicht nur eine Immunantwort gegen das Zielgen, sondern auch gegen den Vektor selbst entwickelt. Sogar die Mischung von Vektorimpfstoffen wie Astrazeneca und mRNA-Impfstoffen wie Biontech und Moderna könnte die Immunantwort des Körpers verstärken. Vektorimpfstoffe aktivieren stärker T-Zellen, die mRNA-Impfstoffe rufen vor allem eine starke Antikörperantwort hervor. Die Kombination aus beidem könnte deshalb Vorteile bringen. Solche Effekte einer höheren Wirksamkeit sind bei Menschen sogar schon zu beobachten: So ist die Immunantwort besonders hoch, wenn bereits eine Covid-19-Infektion vorlag und danach der Impfstoff von Biontech oder Moderna verabreicht wurde.