Wie jedes Jahr vergab die Nobelstiftung in den letzten Wochen die Nobelpreise in den sechs verschiedenen Fachgebieten Physiologie/ Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Friedensbemühungen und Wirtschaftswissenschaften. Die Preistragenden erhielten neben einer Urkunde und einer Medaille zusätzlich ein Preisgeld in Höhe von zehn Millionen schwedischen Kronen - umgerechnet rund 920.000 Euro. Dies ist eine der größten Auszeichnungen der Welt und ist auf den schwedischen Erfinder des Dynamits Alfred Nobel zurückzuführen. 

Doch wer kommt in die engere Auswahl und wie funktioniert die Vergabe überhaupt? Das ganze Verfahren ist noch sehr ursprünglich. Anfang des Jahres versendet die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaft Briefe an rund 3.000 wissenschaftliche Einrichtungen. Bis 31. Januar haben diese dann Zeit Vorschläge für den Nobelpreis per Brief und nur handschriftlich nach Stockholm zu senden. Alle Empfehlungen landen dann im Roten Buch. Die Fachstiftungen der Nobelstiftung wählen dann in ihren Gebieten Kandidaten aus. Dafür werden weltweite Fachgutachten eingeholt.

 

Wer erhielt 2022 den Nobelpreis und wofür?

Nobelpreis Medizin: (Preisvergabe 03.10.2022)

Der Nobelpreis der Medizin ging in diesem Jahr an den schwedischen Biologen Svante Pääbo für die Forschung zur menschlichen Evolution bzw. die Entschlüsselung der DNA des Neandertalers und die Begründung der Paläogenetik. Seit 1999 ist er Abteilungsleiter für evolutionäre Genetik am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Nobelpreis Physik: (Preisvergabe 04.10.2022)

Den Nobelpreis der Physik erhielten in diesem Jahr gleich drei Forscher: Alain Aspect (Physiker aus Frankreich), John F. Clauser (Physiker aus den USA) und Anton Zeilinger (Physiker aus Österreich). Die Wissenschaftler erlangten neue Erkenntnisse im Gebiet der Quantenmechanik. Demzufolge verhalten sich verschränkte Teilchen miteinander gleich, selbst wenn sie voneinander entfernt sind. Die Forscher zeigten, dass es möglich ist verschränkte Teilchen zu beobachten. Damit gelang ihnen die Grundsteinlegung für viel neue Forschung.

 

Nobelpreis Chemie: (Preisvergabe 05.10.2022)

Carolyn Bertozzi (von der Universität Stanford), Morten Meldal (arbeitete u.a. in Camebridge und der Universität Koppenhagen) und Barry Sharpless (arbeitete u.a. in Stanford und Harvard) erhielten den Nobelpreis der Chemie für die Entwicklung von Methoden zum zielgerichteten Aufbau von Molekülen, der sogenannten Click-Chemie. Mit den neuen Erkenntnissen kann die Entwicklung von beispielsweise Arzneimitteln vorangetrieben werden.

Nobelpreis Literatur: (Preisvergabe 06.10.2022)

Die 82-jährige französische Schriftstellerin Annie Ernaux erhielt den Literaturnobelpreis für "ihren Mut und ihre klinische Scharfsinnigkeit, mit der sie die Wurzeln, Entfremdung und die kollektiven Zwänge persönlicher Erinnerungen aufdeckt." Sie schreibt autobiografische Geschichten und gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie behandelt Themen wie Schwangerschaftsabbrüche, Scham und Konventionen.



Nobelpreis für Frieden: (Preisvergabe 07.10.2022)

In diesem Jahr waren 343 Vorschläge auf der Liste des Friedensnobelpreises, eine Person und zwei Organisationen erhalten die Ehrung. Einer der Preisträger ist der aktuell inhaftierte Ales Bialiatski aus Belarus. Er ist Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation Wjasna und setzt sich für Demokratisierung in Belarus ein.

Einen weiteren Nobelpreis bekam die russische Organisationen "Memorial", die 2021 durch ein Justizverfahren von Russland aufgelöst wurde. "Memorial" setzt sich seit vielen Jahrzehnten für die historische Aufarbeitung politischer Gewaltherrschaft, für die Einhaltung der Menschenrechte und die soziale Fürsorge für die Überlebenden des sowjetischen Arbeitslagersystems ein.

Eine weitere Organisation namens "Center for Civil Liberties" aus der Ukraine erhielt ebenfalls den Friedensnobelpreis 2022. Sie habe sich dafür eingesetzt, russische Kriegsverbrechen an der ukrainischen Zivilbevölkerung aufzudecken und zur Rechenschaft zu ziehen.

Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft: (Preisvergabe 10.10.2022)

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft ging 2022 an Ben Bernanke (Ehemaliger US-Notenbankchef aus den USA), Douglas Diamond (US-amerikanischer Ökonom aus den USA) und Philip Dybvig (Wirtschaftswissenschaftler aus den USA) für ihre Erforschung von Banken und Finanzkrisen.

Ben Bernanke studierte Economics an der Harvard University und wurde u.a. in Princeton und Stanford Professor. Zwischen 2002 und 2014 war er der Notenbankchef von Fed (Federal Reserve), des Zentralbank-System und der US-Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika.

Douglas Diamond studierte Volkswirtschaftslehre an der Brown Universität und in Yale und lehrte selbst an der Universität Chicago. Zwischen 1990 und 2008 war er wissenschaftlicher Berater der Fed und erklärte die Bedeutung von Banken im Weltwirtschaftssystem und die Entstehung von Finanzkrisen in seiner Arbeit.

Philip Dybvig studierte Mathematik, Physik und Wirtschaftswissenschaften an der Bloomington Universität und in Yale. Er lehrte in Princeton und Yale und forschte mit Douglas Diamond zusammen.