Freiberg. Die Freiberger Sommernächte haben immer allerhand zu bieten. Doch als ich hörte, dass einem der erfolgreichsten Historienbestseller neues Leben eingehaucht werden sollte, in Form einer Open Air Theaterinszenierung, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Buch "Das Geheimnis der Hebamme" stammt von der Bestsellerautorin Sabine Ebert und erschien bereits 2006. Zehn Jahre später wagte sich der SWR an eine Verfilmung, die knapp drei Stunden Spielzeit hatte und insgesamt zu den in meinen Augen besseren Historienroman-Verfilmungen zählte.

Gerade Mittelalterthematiken erfordern viel mehr Arbeit als ein Theaterstück, was in der Moderne spielt. Ich fragte mich also, wie sie das ganze Buch in ein zweistündiges Stück pressen wollten. Vor allem vom Bühnen- und Kostümbild erhoffte ich mir viel und wurde nicht enttäuscht.

Darum geht es im Stück

Ende des 12. Jahrhunderts schließt sich die Waise Marthe einem Siedlerzug an. Ihre Mutter, eine Heilerin, wurde als Hexe verbrannt und auch ihr droht der Tod, da sie das Kind einer Adligen nicht medizinisch vor dem Sterben bewahren konnte. Die Siedler gründen ein neues Dorf in der Mark Meißen. Angeführt wird es durch den Ritter Christian. Schon bald entdecken die Dorfbewohner, dass sie auf wertvollem Land gebaut haben - Silber steckt in der Erde und wird sogleich abgebaut. Währenddessen kommt es immer wieder zu Fehden und Intrigen, da zwischen Ritter Christian und Ritter Randolf, der als Vogt den Bergbau überwachen soll, Feindschaft herrscht. Unerwartet entsteht zwischen Marthe und Christian eine Liebesbeziehung, die jedoch aufgrund der unterschiedlichen Stände keine Zukunft haben soll…

Erwartungen übertroffen

Der Anfang des Stücks gestaltete sich, ohne zu viel zu verraten, sehr gelungen, da alle Siedler eine Runde mit ihren Requisiten und Tieren um das Publikum drehten. Obwohl so viele verschiedene Rollen auf der Bühne zu sehen waren, verstand man schnell, worum es ging und wer welche Bedeutung für die Handlung hatte. Ich war erstaunt, wie nah die Geschichte am Roman entlang gebaut wurde und wie sehr mich das Ganze während des Zusehens fesselte. Das hatte ich in dieser Form bisher noch nie im Theater. Auch wenn der Regisseur des Ganzen einen eher unfreundlichen Eindruck machte, schien er ganze Arbeit geleistet zu haben. Und nicht nur er, auch alle 36 Schauspieler und fünf Tiere. Eines der Pferde ließ es sich auch nicht nehmen mitten im Stück vor die Bühne seinen Darm zu entleeren.

Amüsant waren ebenfalls die Erzählerparts, die nicht selten durch echten (!) Gesang ergänzt wurden, denn die Schauspieler brachten das Publikum immer wieder herzhaft zum Lachen und lockerten so das ernste Theaterstück auf. Die Kostüme und Requisiten waren, wie schon erwähnt, super gestaltet und durchdacht. Musik wurde an den passenden Stellen eingesetzt und hat mich am Ende fast zum Weinen gebracht. Habe ich aber Gott sei Dank nicht. Ich fragte mich nur, warum es eine Großleinwand gab, wenn sie doch überhaupt nicht genutzt wurde. Immerhin gab es genügend Zuschauer, die sich auf den hinteren Plätzen bestimmt darüber gefreut hätten.

Autorin war der Ehrengast

Sabine Ebert, die Autorin des Romans auf dem das Stück basierte, war als Ehrengast geladen und signierte vor Beginn der Aufführung fleißig Bücher für die Fans. Die Sächsin wurde am Ende mit auf die Bühne geholt und wirkte sichtlich gerührt. In den letzten zwei Jahren machte Sabine Ebert durch ihre Schwert-und-Krone-Buchreihe auf sich aufmerksam. Wieder wurden sie zu Bestsellern. Es wäre doch ganz schön, wenn auch die aktuellen Geschichten eine visuelle Produktion bekommen würden.

Wer Lust bekommen hat, sich "Das Geheimnis der Hebamme" live anzuschauen, der kann das nur noch am heutigen 4. Juli im Schloss Freudenstein Freiberg tun. Die Vorstellung gestern Abend war mit 760 Plätzen ausverkauft. Es gibt noch Karten an der Abendkasse. Ranhalten ist angesagt! Ich spreche eine große Empfehlung aus.