Erlbach. Im gallischen Dorf ist ein weltoffener Verein entstanden. Der BC Erlbach hat genau das geschafft, was angeblich nicht möglich ist. Mitten im Wald, fernab der großen Städte, entwickelt sich ein Ballspielclub völlig entgegen dem Trend. "Wir haben 24 Neuanmeldungen vorliegen. Während der Coronapandemie ist das schon ziemlich überraschend für uns", räumt Schatzmeister Andreas Schaff ein. Damit gehören dem BC Erlbach nun 214 Mitglieder an. Der Verein zählt 69 Kinder und Jugendliche und er kann inzwischen vier völlig eigenständige Nachwuchsmannschaften (Bambinis, F-, E-, D-Jugend) aufbieten. Damit gehört der 1919 gegründete Traditionsverein nunmehr zu den Top50 des Vogtlandes. 353 Vereine gehören dem Kreissportbund an. Es kommt aber noch besser! Denn die Fußballer aus Erlbach rangieren derzeit in der Kreisoberliga auf dem dritten Platz.

 

"Aufstieg kein Thema"

 

Keiner will auf dem Sportplatz in Eubabrunn etwas vom Aufstieg hören. "Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass wir nach zehn Spieltagen mal Dritter in der Vogtlandliga sind, dem hätte ich einen Vogel gezeigt", lacht Andreas Schaff. Nein! Der BC Erlbach beschäftigt sich nicht mit dem Thema Aufstieg. Das ist Käse. Welche Leistung die Erlbacher aber vollbringen, wird deutlich wenn man weiß, dass im Sächsischen Fußball-Verband 868 Vereine mit 161.532 Mitgliedern gemeldet sind. Es ist der größte Sportfachverband in Sachsen, der im wöchentlichen Spielbetrieb mehr als 2.000 Fußballspiele zu organisieren hat. In den ersten sieben Ligen spielen genau 99 sächsische Vereine. Danach kommen die Kreisoberligen und dort spielt der BC Erlbach. Der BCE ist also an die Top100 Sachsens herangerückt. Im oberen Vogtland aber hält man den Ball ganz flach. Dort sagen sie: "Wenn wir zu den Top10 des Vogtländischen Fußballverbandes gehören, ist das für uns großartig!" Im VFV sind 74 Vereine organisiert. Erlbach ist hinter dem VfB Auerbach, VFC Plauen, Reichenbacher FC, VfB Mühltroff, Merkur Oelsnitz und dem FSV Treuen die aktuelle Nummer 7! Verrückt oder?

 

Am 27. März geht die Saison weiter

 

Beim BC Erlbach hofft man sehr, dass die 1. Männermannschaft die Meisterrunde der Vogtlandliga erreicht. Dann nämlich würde alle Konzentration den Fußballern der 2. Mannschaft gelten, die nach Möglichkeit den Klassenerhalt in der Kreisliga B schaffen sollen. Noch muss die "Zweite" nämlich gelegentlich eigene Leute in die "Erste" abstellen, wenn dort Not am Mann ist. Dass der BC Erlbach zwei Männermannschaften hat, ist das Ergebnis von toller Jugendarbeit. Seit der Jahrtausendwende leisten die Erlbacher in Sachen Jugendarbeit wirklich Großartiges. Die BCE-Familie vereint Männer und Frauen, Junge und Alte, genau wie Kind und Kegel. Die Erlbacher starten nach der Coronaunterbrechung am 27. März mit einem Auswärtsspiel in Schreiersgrün in den zweiten Teil der Saison. Die Obervogtländer haben bereits zwölf Punkte mehr auf dem Konto, als die bislang überraschend schwachen Fronberger. Doch die Mannschaft um Spielertrainer Thomas Grehl wird ganz sicher nicht überheblich in Schreiersgrün antreten. Im Testspiel bei Merkur Oelsnitz hieß es 1:9. "Da haben wir gesehen, was in der Landesklasse abgeht und wo wir stehen", behält Andreas Schaff die Bodenhaftung. Der 63-Jährige hat viele Vereine kommen und gehen sehen. "Ich bin froh, dass bei uns jetzt so viele junge Leute mit anpacken und dass wir normal geblieben sind", freut sich Andreas Schaff.

 

Auch Frauenmannschaft erfolgreich

 

Zu den drei Mannschaften, die für den BC Erlbach im Erwachsenenbereich antreten, gehört auch ein Frauenteam. Die Girls sind aktuell Tabellenführer in der Vogtlandstaffel. Am 3. April steigt um 14 Uhr auf dem Rasenplatz in Eubabrunn das mit Spannung erwartete Spitzenspiel. Die Erlbacherinnen um Trainer Mathias Hoyer und Danny Walther sind noch ungeschlagen und sie wollen gegen den Tabellenzweiten 1. FC Greiz die eigene Festung verteidigen. Insgesamt gehen für den BC Erlbach acht Mannschaften im Spielbetrieb auf Punktejagd. Hinzu kommen die Erlbacher Bambinis, die als jüngste BCE-Mitglieder den großen Helden von damals nacheifern.

 

Anlässlich 100. Geburtstag Traditionself

 

Zum 100. Vereinsgeburtstag hat der BC Erlbach eine Traditionself formiert. Im Kasten steht Torwartlegende Thomas Rubner, die Abwehr bilden Andreas Konschak, Thomas Renz und Friedhold Grehl. Im Mittelfeld brillieren Matthias Stock, Manfred Hackl, Thomas Müller sowie Gerd Reichelt. Und im Sturm machen Rene Sandner, Hans-Günther Weigelt und Thomas Grehl Betrieb. Trainer Thomas Stock hatte beim BC Erlbach 1995 übernommen, nachdem die Mannschaft sang und klanglos abgestiegen war und personell am Boden lag. Unter Thomas gelang die sportliche Konsolidierung durch das vermehrte Integrieren junger Spieler und die Rückkehr verdienter Erlbacher Kameraden aus höherklassigen Vereinen.