Sachsenring. Groß war die Freude 1998 über die Rückkehr der Motorrad-Weltmeisterschaft an den Sachsenring in dieser Motorsport-verrückten Region. Vorausgegangen war der Bau des gleichnamigen Verkehrssicherheitszentrums 1994/1995 mit der Möglichkeit der motorsportlichen Nutzung, die ersten beiden DM-/Pro-Superbike-Rennen 1996 und 1997 mit noch nie dagewesenen Zuschaueraufmärschen sowie ein eigenmächtiger, weil nicht mit der ADAC-Zentrale in München abgestimmter Vorstoß beim WM-Vermarkter Dorna.

Von den vielen Befürwortern war der unvergessene Ralf Waldmann der namhafteste und mit Steve Jenkner hatte Sachsen sogar einen Lokalmatador par excellence im Grand Prix.

 

Einstieg in die WM

Für 1996 hatte der ADAC Sachsen ursprünglich mit dem Rennfloh (1,62 m) vom Sachsenring ein Honda-Team für die 125er-DM geplant. Doch da er bei einem Rennen in Most den ADAC-Fahrerscout Harald Eckl offensichtlich ziemlich beindruckt hatte, wurde er mit ADAC-Sachsen-Unterstützung in dessen Junior-Team aufgenommen. Von Stund an war er in professionellen Händen und in der WM auf dem Weg nach oben.

Allerdings hätte seine Karriere auch schnell vorbei sein können. Nach nur zwei Rennen zur Ersatz-Europameisterschaft Ducados Open in Spanien und fünf Rennen zur Deutschen Meisterschaft, unter anderem auf dem neuen Sachsenring, stand bereits sein erster WM-Einsatz als Wild-Card-Fahrer auf dem Nürburgring an. Dabei hatte er allerdings schon im Training einen Crash, bei dem er mit dem rechten Fuß ins Hinterrad seiner Aprilia geriet und sich dabei das Fußgelenk zertrümmerte.

Aber Harald Eckl und der ADAC Sachsen hielten an ihm fest, sodass er ab 1997 sogar zu seiner ersten kompletten 125er-WM-Saison kam und seine Karriere doch noch Fahrt aufnehmen konnte.

Mit den WM-Endrängen 19, 17, 15, 12 und elf in den Jahren 1997 bis 2001 näherte sich Steve Jenkner nur sehr allmählich den Top 10. Immerhin feierte er 2001 in Assen als Dritter seinen ersten Podestplatz. Seine Sachsenring-Bilanz lautete von 1998 bis 2001 Platz acht, Platz 17 sowie zwei Mal Rang zehn.

 

Einer der schönsten Tage im Leben

Dann kam der Cinzano Motorrad Grand Prix Deutschland vom 19. bis 21. Juli 2002. Am Rennsonntag fuhr Steve Jenkner vom siebenten Startplatz damals noch aus der zweiten Reihe aus los. Im Rennen über 27 Runden machten der Franzose Arnaud Vincent und der San-Marinese Alex de Angelis vorn die Pace sowie den Sieg unter sich aus. In der Verfolgergruppe hielt Steve Jenkner gut mit und setzte sich im Kampf um den letzten vakanten Podestplatz auf der Ziellinie mit einer tausendstel Sekunde Vorsprung gegen Manuel Poggiali, ebenfalls aus San Marino, durch. Nur marginal später wurde der Spanier Pablo Nieto als Fünfter abgewinkt.

Damit erlebte Steve Jenkner seinen schönsten und emotionalsten Podestplatz von insgesamt 14, neben seinem GP-Sieg 2003 in Assen, 2002 bei seinem Heimrennen auf dem Sachsenring. Ebenfalls 2002 gelang ihm mit Endrang fünf seine beste Jahresendplatzierung.

Nachdem für seine 125-ccm-Klasse ein Maximalalter eingeführt wurde, musste er am Jahresende 2004 die Achtelliterkategorie verlassen. Nach einer unbefriedigenden Saison bei den 250ern (13 WM-Punkte, Endrang 23) hängte Steve Jenkner den Helm an den Nagel, wurde bei Bridgestone Reifen- und später Öhlins-Techniker. Sohn Moritz ist heutzutage im Pro Superstock Cup im Rahmen der IDM unterwegs.