Sachsenring. Mit Luca Cadalora feiert heute ein Mann seinen 60. Geburtstag, der als ehemaliger Grand-Prix-Pilot für MuZ in der Region sowie am Sachsenring in sehr guter Erinnerungs sein dürfte.

In Windeseile in die WM

Geboren wurde Luca Cadalora am 17. Mai 1963 in der norditalienischen Universitätsstadt Modena. Über die Italienische und die Europa-Meisterschaft diente er sich schnell hoch und bestritt 1984 als 21-Jähriger in der 125-ccm-Klasse sein erstes WM-Jahr. Beim Saisonauftakt, dem Nations Grand Prix in Misano in seinem Heimatland, debütierte er mit Platz fünf. Beim dritten Saisonrennen auf dem neuen Nürburgring-Grand-Prix-Kurs feierte er als Zweiter bereits seinen ersten GP-Podestplatz. Gut sieben Zehntel schneller war nur Angel Nieto auf dem Weg zu seinem 13. und letzten WM-Titel. Der 2017 im Alter von 70 Jahren verstorbene Spanier zählte allerdings aus Aberglaube zeitlebens zwölf plus eine WM-Krone.

Luca Cadalora beendete sein WM-Debütjahr auf dem achten Rang.

Obwohl er 1985 ein Jahr zum Vergessen erlebte, wurde er 1986 dem Vorjahres-Weltmeister Fausto Gresini im überlegenen Garelli-Werksteam zur Seite gestellt.

Wiederum beim dritten Saisonrennen und erneut auf dem Nürburgring feierte er seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Nahezu im Gleichschritt bzw. mit wechselweisen Doppelsiegen steuerten Luca Cadalora und der 2021 an Covid verstorbene Fausto Gresini dem WM-Titel entgegen. Am Ende hatte dann aber der vierfache Saisonsieger Luca Cadalora mit 122 zu 114 Punkten das bessere Ende für sich.

Hubraum verdoppelt

Daraufhin verließ er die Achtelliterklasse und stieg als Teamkollege von Martin Wimmer ins von Giacomo Agostini geleitete Yamaha-Werksteam ein und dementsprechend in die 250-ccm-Kategorie auf. Honda-Piloten dominierten damals die Viertelliterklasse nach Belieben und okkupierten am Saisonende die ersten fünf Plätze. Hinter dem einzigen Aprilia-Werkspiloten Loris Reggiani wurde Luca Cadalora WM-Siebenter, unmittelbar vor seinem erfahreneren deutschen Teamkollegen. Im spanischen Jerez de la Frontera, im schwedischen Anderstop sowie in Misano stand er jeweils als Zweiter auf dem Podest.

1988 sah das Kräfteverhältnis der führenden japanischen Motorradmarke ähnlich aus. Luca Cadalora feierte auf dem Nürburgring (Wo sonst?) seinen ersten WM-Sieg bei den 250ern sowie einen weiteren im britischen Donington Park und schloss die Saison auf dem sechsten WM-Endrang ab. Diesmal allerdings nur als zweitbester Yamaha-Pilot hinter dem Spanier Juan Garriga, der mit seinem Landsmann Alfonso "Sito" Pons bis zum Schluss um den WM-Titel kämpfte, sich aber knapp geschlagen geben musste.

Im darauffolgenden Jahr errang Luca Cadalora wieder zwei GP-Siege und steigerte sich in der WM-Endabrechnung erneut um einen Platz.

1990 verpflichtete Yamaha den US-Amerikaner John Kocinski der mit der Yamaha im Team seines Landsmannes und Ex-Weltmeisters Kenny Roberts fast Übernatürliches leistete und Weltmeister wurde. In seinem Sog steigerte sich auch Luca Cadalora und wurde mit drei Saisonsiegen auf der Marlboro-Yamaha das Agostini-Teams WM-Dritter.

Danach wechselte er 1991 ins Rothmans-Honda-Werksteam auf das vermeintlich stärkste Bike. Nun war seine Zeit gekommen. Nach acht der 15 Saisonrennen stand er auf der obersten Stufe des Treppchens und sicherte sich seinen ersten 250er-WM-Titel. Sein großer Widersacher war damals der Bayer Helmut Bradl auf einer Werks-Honda in HB-Farben. Damals war die Zigaretten-Industrie noch ein Segen für den Motorsport insgesamt.

Auch 1992 lief für ihn in der gleichen Konstellation alles nach Plan. Zwar standen nur 13 WM-Läufe auf dem Programm, doch mit sieben Triumphfahrten holte Luca Cadalora erneut über die Hälfte der vakanten Siege und verteidigte seinen Titel souverän.

Aufstieg in die Königsklasse

Danach ging er zu Yamaha (Team Roberts) zurück und stieg in die Königsklasse bis 500 ccm auf. In der ersten Saisonhälfte war er gut dabei, aber noch nicht top. In der zweiten Saisonhälfte gelangen ihm dann an der Seite des US-Amerikaners Wayne Rainey in Donington Park und in Misano seine ersten zwei 500er-GP-Siege sowie dazwischen im tschechischen Brno ein zweiter Platz. Als Nummer 2 im Yamaha-Werksteam hatte er als WM-Fünfter die in ihn gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt. Misano 1993 war aber auch ein trauriges Ereignis, weil Wayne Rainey auf dem Weg zu seinem vierten WM-Titel in Folge dort stürzte und eine Querschnittlähmung davontrug. Weltmeister wurde so sein Landsmann Kevin Schwantz auf einer Suzuki.

1994 war Luca Cadalora der Leader im Yamaha-Rennstall, doch in jenem Jahr begann die Ära des Australiers Michael "Mick" Doohan, der mit einer Werks-Honda einen echten Siegeszug antrat und fünf 500er-WM-Titzel en suite gewann. Als "best of the rest" wurde Luca Cadalora, mit immerhin zwei Grand-Prix-Siegen, Vize-Weltmeister.

Auch 1995 gelangen ihm zwei GP-Triumphe, mit denen er diesmal WM-Dritter wurde.

So auch 1996, nun allerdings auf einer Semi-Werks-Honda des Japan-stämmigen und Technik-Gurus Erv Kanemoto aus den USA. Wieder gelangen ihm zwei Saisonsiege, der zweite davon auf dem Nürburgring, welcher sein 34. und damit letzter sein sollte.

1997 fuhr er wieder auf Yamaha, allerdings erneut nur in einem werksunterstützen Team. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, als WM-Sechster hinter fünf Honda-Treibern bester Yamaha-Pilot zu werden, noch vor den Nummer-eins-Protagonisten Norick Abe aus Japan und Sete Gibernau aus Spanien.

Im darauffolgenden Jahr kehrte er ins von Wayne Rainey geleitete Yamaha-Werksteam zurück, erlebte aber ein wahres Seuchenjahr mit Verletzungen und mageren Ergebnissen.

Auf Horst Fügners und Heinz Rosners Spuren

Danach trat er beim Zschopauer Hersteller MuZ(-Weber) die Nachfolge des Schweizers Eskil Suter bzw. seines Landsmannes Doriano Romboni an, wenngleich deren noch junges und mit dünner Finanzdecke ausgestattetes Projekt im Haifischbecken 500er-WM von Anfang an wenig Erfolg versprach. Von seinen acht WM-Teilnahmen 1999 war ein achter Platz in Jerez de la Frontera sein bestes Ergebnis. Im Jahr zwei nach dem WM-Comeback des Sachsenrings 1998 brannte Luca Cadalora auf der winkligen Berg- und Talbahn bei Hohenstein-Ernstthal im Training ein echtes Feuerwerk ab und stellte die MuZ-Weber sensationell auf den dritten Startplatz. Im Rennen kam er dann allerdings nur eineinhalb Runden weit und schied auf Platz vier liegend nach einem Highspeed-Crash an der Karthalle aus.

2001 schwang er sich noch zwei Mal in den Sattel einer noch schwächeren Modenas KR3 von Kenny Roberts, dann verabschiedete er sich endgültig vom aktiven Rennsport.

Vor ein paar Jahren fungierte er als Riding Coach für Valentino Rossi, aber das ist inzwischen auch Geschichte.