Region. Am 1. Oktober 20222 soll er wieder steigen: der Mindestlohn. Die neue Bundesregierung hat sich dabei auf 12 Euro geeinigt, ein entsprechendes Gesetz wurde angekündigt. Die drei sächsischen Industrie- und Handelskammern warnten vergangene Woche vor einer zu schnellen und direkten Anhebung auf 12 Euro (BLICK berichtete). Jetzt teilt Sachsens Wirtschaft- und Arbeitsminister aus - gegen die Kammern.

 

Schüren von Angst?

"Haben die Kammern denn aus der Einführung des Mindestlohnes nichts gelernt?", fragt Dulig in einer Mitteilung des Landes. Bis heute gebe es nachweisbar positive wirtschaftliche Effekte. "Weder kam es zu heraufbeschworenen Massenentlassungen noch zu massiven Verwerfungen. Das neuerliche Schüren von Ängsten ist respektlos denen gegenüber, die auf höhere Löhne angewiesen sind. Gerade in Sachsen muss es mit den Löhnen endlich aufwärts gehen. Wir sind noch immer das Schlusslicht in Deutschland und haben die meisten Niedriglohnempfänger."

 

Jeder Dritte verdient weniger als 12 Euro

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes verdient jeder dritte Arbeitnehmer in Sachsen unter zwölf Euro pro Stunde. "Es ist ein Skandal, dass unsere Region nach wie vor Schlusslicht bei den Löhnen in Deutschland ist", kommentiert kürzlich Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau. "Niedrige Löhne in Zeiten von steigenden Kosten an der Tankstelle und im Supermarkt benachteiligen immer wieder die gleichen. Zudem werden diese Beschäftigten doppelt abgestraft - heute mit niedrigen Löhnen und morgen mit niedrigen Renten im Alter."

 

Es fehlt nicht nur Fachpersonal

Nach einer Umfrage unter Unternehmen aus allen drei Kammerbezirken Sachsens, warnen die Industrie- und Handelskammern vor der Anhebung auf 12 Euro pro Stunde. Doch gleichzeitig suchen viele Branchen händeringend nach Arbeitskräften, denn nicht nur Fachpersonal, sondern auch Beschäftigte ohne spezifische Ausbildung, zum Beispiel in Gastronomie und Hotellerie oder Logistik sind rar geworden. Dulig: "Oftmals sind es dieselben Unternehmen, die schon heute einen hohen Fach- und Arbeitskräftebedarf haben und diesen lautstark beklagen, aber ihre Beschäftigten noch immer nicht so bezahlen, dass sie über die Runden kommen."

 

"Eine Frage des Respekts"

Dulig weiter: "Es geht um Menschen, die Gebäude reinigen, die in Restaurants, in Hotels oder im Handel arbeiten, die im Kindergarten oder in der Schule das Essen ausgeben. Ich bin der Meinung, diese Menschen haben zwölf Euro pro Stunde verdient! Sie werden nur langfristig bei ihrer Tätigkeit bleiben, wenn diese soziale Untergrenze von den Unternehmen endlich angenommen wird. Denn jede und jeder Betroffene, der Kinder versorgt, steigende Mieten, Strom- und Heizkosten bezahlen muss, wird die Anhebung auf zwölf Euro deutlich spüren. Wer Arbeitskräfte sucht, muss sie anständig bezahlen - damit sie auch von ihrer Arbeit leben können. Das ist eine Frage des Respekts!"