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"Ich bin der Martin, ne": Erinnerungen an einen Großen der TV-Unterhaltung

Diether Krebs wäre am 11. August 75 Jahre alt geworden Er war ein Allround-Talent, arbeitete als Komiker, Schauspieler, Autor und Regisseur: Am 11. August wäre Diether Krebs 75 Jahre alt geworden.

"Ich bin der Martin, ne": Der Satz ist legendär. Einigen ist Diether Krebs tatsächlich - leider, muss man wohl sagen - als Martin mit dem Rentier-Pullover im Gedächtnis geblieben. Jener Martin, den Krebs 1982 in der Comedyserie "Sketchup" (BR) kreierte, war der Typ des Losers, der irgendwie von '68 übergeblieben war: halbes Semester Soziologie, später Rebirthing und dann Volkshochschule - Astrologie. "Oder so." Sogar einen Song gab es: "Martin My Love" hieß der Hit zum Typ. Diether Krebs war aber so unendlich viel mehr als der Erfinder dieses Klischees. Als einen der "größten Sketchspieler von internationaler Klasse" bezeichnete ihn Rudi Carrell, der ihn für "Rudis Tagesshow" engagiert hatte. Krebs, 1947 in Essen geboren, wurde nur 52 Jahre alt, er starb am 4. Januar 2000 in Hamburg, wo seine Frau als Übersetzerin am Theater beschäftigt war. Am 11. August wäre er 75 Jahre alt geworden.

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen sammelte Krebs bereits während seiner Schulzeit erste Theatererfahrungen. Später absolvierte er eine Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen, nach einem ersten Engagement am Theater in Oberhausen war er immer wieder in kleineren Filmrollen zu sehen.

Ein Künstler, der polarisierte

Für deutsche und damalige Verhältnisse war Krebs' Humor sicher krass - so krass wie seine Anschauungen über das Fernsehen, das öffentlich-rechtliche ebenso wie das in den Achtzigern aufgekommene private. Was konnte er auf die "Schreibtischtäter" in den Sendern schimpfen, die "erfolgreichen Fernsehverhinderer" in den Chefetagen, die seinem Urteil zufolge ohne Ideen und Fantasien waren, dafür aber gesegnet mit viel Angst vor der politischen Keule: "Das halte ich für mehr als krank", sagte er 1991.

Damals wurde dem Autor und Komiker ein Sketch gestrichen, in dem vor den Heiligen Drei Königen plötzlich ein Zwillingspärchen in der Krippe lag: Hätte ja sein können, dass damit das religiöse Empfinden der Zuschauer schwer getroffen worden wäre. "Den Zwang des Geldes haben die Öffentlich-Rechtlichen nicht so sehr, dafür sind sie zum reinen Parteifunk verkommen", wütete er. "Was Kohl nicht hören will, wird nicht gesendet. Was die Zuschauer wirklich wollen, scheint hier wie dort Nebensache." Fraglos sind das Worte, die zwei Jahrzehnte später, in Zeiten, in denen das Öffentlich-Rechtliche wieder vielfach lauter Kritik ausgesetzt ist, noch mal einen ganz anderen Klang haben.

Vom Schwiegersohn zum Sketchup-Star

Populär wurde Diether Krebs 1974 mit der TV-Rolle des ungeliebten SPD-Schwiegersohns von "Ekel" Alfred Tetzlaff in Wolfgang Menges Erfolgsserie "Ein Herz und eine Seele", stieg dann aber 1975 wegen Differenzen mit dem WDR wieder aus. Danach kam die "SOKO 5113" - über 90-mal ermittelte Krebs unter Werner Kreindl in dem beliebten Kriminalisten-Team. In der BR-Comedyserie "Sketchup" mit Beatrice Richter, später Iris Berben, blühte dann endgültig der Ulk - und der Schauspieler wurde zum Star-Comedian, wie man es heute wohl sagen würde. Krebs hingegen sagte, er hatte gelernt, "große Gefühle auch auf kleine Leute zu übertragen". Er wusste, dass er den "Dödel" Martin "mit Herzblut" spielen musste. "Sonst bleibt er eine Pappfigur, und davon gibt es zu viele im TV."

Der stets rauchende oder / und trinkende Schauspieler, Autor und Regisseur mochte die schnelle Verwandlung: vom ondulierten Muttchen zur bebrillten Nana-Mouskouri-Persiflage und zum schrillen Punk. Aber der Vater zweier Söhne konnte auch anders, wenn er beispielsweise in einem kleinen Fernsehspiel wie "King of Evergreen" (1995) ein abgehalfterter Schnulzensänger war. Krebs wollte auf dem Essener Ostfriedhof begraben sein. Ein handgroßer Kieselstein ziert heute sein schlichtes Grab.

Der NDR hat Diether Krebs Anfang August mit einem großen Filmabend geehrt. Gezeigt wurde unter anderem Christian Stöfflers Porträtfilm "Diether Krebs - Der Größte" (NDR/SWR), der noch einige Tage in der ARD-Mediathek zu sehen ist. "Er war einer, der es geliebt hat, Versager zu spielen", sagt in dem Beitrag Uli Stark, Regisseur von Krebs' großen Erfolgen "SOKO 5113", "Sketchup" und "Voll daneben". Krebs sei so ein großer Komiker gewesen, "weil er so uneitel war".

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