BLICK hinter die Kulissen: Zu Gast im Tierheim am Pfarrhübel

Begegnung Diese Tiere suchen ein liebevolles Zuhause

Auf einen Plausch mit Anika:

Ja ich habe ein Herz für Tiere, meistens sogar noch mehr, als für Menschen, was ich zu meiner Schande gestehen muss. Ich hoffe, dass jemand diesen Artikel liest, der vielleicht mit dem Gedanken spielt, sich ein Tier zuzulegen und sogar ein Tierheimtier in Erwägung ziehen würde oder jemand, der offenen für einen kleinen Einblick in die Arbeit des Tierschutzvereins Chemnitz ist, denn ich hatte einfach einige tolle Begegnungen, von den ich Euch erzählen will.

Eva Warmschmidt ist Tierpflegerin und Betreuerin der Geschäftsstelle des Tierheims. Sie hat sich extra Zeit für ein ausführliches Gespräch genommen, mich zwei Stunden lang herumgeführt und jede meiner Fragen ausführlich beantwortet. Gleich zu Beginn erzählt sie mir, dass aktuell etwa 30 Hunde, 25 Katzen und 45 Kleintiere im Tierheim leben. Zu Letzteren gehören Nager, Sittiche und Reptilien (Bartagame, Schlangen). Außerdem gibt es einen eigenen Stall, in dem Tiere wie Hühner, Schafe, Ziegen und ein Hängebauchschwein namens Bärbel wohnen, die ich nicht zur Vermittlung stehen.

Ich wollte gern wissen, wie die Tiere ins Tierheim kommen. Eva erzählt mir, dass manchmal die Besitzer sterben oder überfordert sind oder Tiere aus schlechten Verhältnissen gerettet werden. Es dauert bei Katzen und Kleintieren etwa anderthalb Monate (im Durchschnitt) bis sie wieder vermittelt werden. Bei Hunden ist das zum Teil schwerer (zwei Monate im Schnitt), einige werden schnell vermittelt, andere sind zum Teil viele Jahre da. Ich wünsche mir, dass die Langinsassen auch endlich ein Zuhause bekommen.

Die Vermittlungsschutzgebühr

Das Tierheim hat Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag aktuell von 13 bis 16 Uhr geöffnet und jeder kann vorbeigehen und sich die Tiere anschauen. Wenn man sich für ein bestimmtes Tier interessiert, ist ein Anruf vorher von Vorteil, weil es vor allem bei Hunden vorkommen kann, dass sie gerade Gassi geführt werden. Manchmal ist die Webseite auch noch nicht aktualisiert und einige Tiere sind neu und andere schon vermittelt.

Angenommen jemand meint es ernst und möchte ein Tier mitnehmen, dann gibt es auch ein paar einfache Punkte zu beachten, zum Beispiel dass genügend Zeit und Platz für das Tier vorhanden ist, was natürlich stark von der Rasse abhängt. Hunde sind auch nicht alle gleich, die Rasse ist ausschlaggebend für besondere Charaktereigenschaften. Auch nicht jeder Vermieter erlaubt Tiere und so ist eine Absprache mit ihm ganz wichtig. Die Tiere aus dem Tierheim sind auch nicht ganz kostenlos, wenn auch viel günstiger als ihre Artgenossen beim Züchter oder der Tierhandlung. Hunde - egal welcher Rasse, Größe, Alter - kosten 210 Euro, Katzen 60 Euro. Bei jungen Kätzchen kostet die Schutzgebühr 80 Euro, aber es gibt einen 30 Euro-Kastrationsgutschein dazu. "Die Schutzgebühr soll abdecken, dass der Besitzer auch darüber nachgedacht hat und auch willens ist ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen. Es gibt leider immer noch diese Mentalität, was nichts kostet ist nichts wert. Man sieht das hin und wieder bei Kleinanzeigen, dass Tiere kostenlos abgegeben werden und immer wieder den Besitzer wechseln. Und so eine Schutzgebühr schützt das Tier davor." Ein Vorteil von Tierheimtieren ist auch, dass alle ärztlich versorgt werden, es gibt sogar eine eigene Tierärztin vor Ort. So erhalten die  neuen Besitzer ihre Schützlinge bereits kastriert, entwurmt und gechippt. Das Tolle ist, jeder kann sich ein Tierheimtier zulegen, man muss nicht zwingend viele Vorkenntnisse besitzen, nur für schwierigere Fälle.

Ich habe mich für ein Tier entschieden und nun?

In dem Fall, man hat sich in ein Tier verliebt, muss man sich für ein erstes Kennenlernen anmelden, zum Beispiel per Telefon. Es wird dann geschaut, ob Mensch und Tier zusammenpassen. "Wir geben keinen Hund beim ersten Mal mit. Bei schwierigeren Hunden sind schon mehrere Besuche notwendig, um sich kennenzulernen." Eva erzählt weiter von einem ganz rührenden Fall: einem Hund, der keinerlei Erziehung genossen hatte und das Tierheim ihn am liebsten nicht vermittelt hatte. "Da ist eine Frau ein halbes Jahr lang jeden Tag vorbeigekommen und hat sich um den Hund gekümmert, sodass wir ihn am Ende guten Gewissens mitgeben konnten." Solche Happy Ends gibt es leider nicht so oft. Viele Leute lassen sich beispielsweise davon abschrecken, wenn ein Tier nicht mehr so jung ist oder ein paar körperliche Beeinträchtigungen hat. Die Hunde beispielsweise bellen auch immer sehr laut, wenn jemand neu an den Zwinger kommt. "Manche Hunde führen sich am Gitter auch auf, als wären sie sonst wie gefährlich und dann im näheren Kontakt sind sie meistens ganz harmlos. Das ist nur die erste Aufregung und Unsicherheit. Nicht abschrecken lassen, nur weil ein Hund am Anfang ein bisschen bellt", erklärt mir Eva.

Auch Welpen und Kätzchen suchen ein Zuhause

Mir fällt auf, dass einige Hunde im Zwinger leben und andere einen Auslauf mit Garten haben. Das wechsele immer mal durch. Jeder Hund habe einen eigenen Zwinger, aber die älteren Tiere oder die, die mehr Gesellschaft brauchen, kommen mit ihren Artgenossen in die Ausläufe. Da können sie sich sozialisieren. In einem der Ausläufe lebt derzeit eine Hundemama mit ihren kleinen Welpen. Wer also lieber ein Jungtier möchte, der ist im Tierheim auch willkommen und kann sein Herz verlieren.

Wie kann man sonst noch helfen?

Wer allerdings einfach helfen möchte, ohne ein Tier zu adoptieren, der kann spenden. Aktuell baut das Tierheim neue Unterbringen aus und freut sich über jeden Cent. Tierpatenschaften sind auch eine Möglichkeit sich einzubringen. Für ein paar Euro im Monat, kann man jederzeit vorbeikommen und sich mit seinem Schützling beschäftigen. Es werden auch immer Gassigeher gebraucht, dafür ist allerdings eine Schulung nötig, die drei bis vier Stunden dauert, 24 Euro kostet und jedes Quartal einmal angeboten wird. Da lernt man den richtigen Umgang mit den Hunden und kann danach mit Anmeldung, wann immer man möchte, Gassi gehen. Die Gassigeher sind wichtig, weil das Personal zu wenig Kapazitäten hat, um jeden Hund auszuführen. "So kann man gewährleisten, dass wirklich jeder Hund jeden Tag aus seinem Zwinger kommt." Futterspenden werden auch gern gesehen, nur Leckerlis braucht das Tierheim nicht, über alles andere freuen sie sich aber gern.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen, der kann gern auf die Webseite des Tierschutzvereins gehen oder sich durch meine Bildergalerie klicken. Dort sind viele Tiere aufgelistet. Wer allerdings einmal persönlich vorbeischaut, der kann ganz besondere Momente erleben, wie ich, als ich mit dem kleinen Eichhörnchen, was per Hand dort aufgezogen wurde und aktuell in einer Voliere lebt, spielen durfte. Kommt gern vorbei. Die Tiere freuen sich auf euch.

Hier geht es zur Webseite des Tierheims am Pfarrhübel.