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Die Geschichte der einst größten Chemnitzer Grube

Reihe BLICK widmet sich in einer neuen Serie 60 Jahren Stadtentwicklung - Heute: das Contiloch

In diesem Jahr hätte es seinen 27. Geburtstag gefeiert. Doch dazu kam es nicht - das sogenannte Chemnitzer Contiloch ist schon lange Geschichte. Im Jahr 2016 erfolgte der erste Spatenstich für das Technische Rathaus, das jetzt in dem einstigen Kultloch thront. Doch warum hat die größte Baustelle der Stadt, die von der früheren Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig schon einmal als "größtes Ärgernis der letzten Jahrzehnte" bezeichnet wurde, so einen Kultstatus erlangt?

Die Geschichte des Contilochs geht bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals wurde auf dem Areal am Dresdner Platz der Bau eines Mikroelektronik-Werks gestartet. Doch fertiggestellt wurde der nie. Mitte der 1990er-Jahre ist die Investruine abgerissen worden. Was blieb, war ein riesiges Loch, das irgendwann zum innerstädtischen Biotop wurde. Gras, Blumen, Sträucher und sogar Bäume begannen zu wachsen. In einigen Köpfen wuchsen auch weitere Pläne für die riesige Baugrube im Zentrum der Stadt.

Skifahren in Chemnitz?

Eine sogenannte "Conti-Galerie" oder auch eine Skihalle waren im Gespräch. Genutzt wurde das Conitloch auch für diverse Aktionen, wie zum Beispiel im Jahr 2002: Die Greenpeace Gruppe Chemnitz errichtete ein Atommüllendlager im Loch. Dazu luden die Aktivisten gelbe "Atommüll-Fässer" mit einem Radlader vor dem Contiloch ab - rein symbolisch natürlich. Dazu wurde ein großes dreieckiges Banner mit der Aufschrift "Kein Atommüll ins Conti-Loch! Greenpeace Gruppe Chemnitz" entrollt.

Zehn Jahre später erwarb der Investor Claus Kellnberger das Grundstück, ließ den Wildwuchs roden und die Grube verfüllen. Seit 2014 gab es erneut Pläne zur Bebauung, die 2015 schließlich konkret wurden: Das neue Technische Rathaus der Stadt Chemnitz sollte die 16.000 Quadratmeter große Nutzfläche füllen.

Großer Umzug ins neue Technische Rathaus

Im Januar 2016 erfolgte der erste Spatenstich für das Projekt, im April desselben Jahres die Grundsteinlegung. Im Jahr 2018 war es dann geschafft. 689 städtische Mitarbeiter aus neun Ämtern, davon sieben aus dem Baudezernat, zogen ins neue Technische Rathaus, auf dem ehemaligen Contiloch. Es war der größte Umzug in der Geschichte der Stadtverwaltung, den es zu meistern galt und der ohne nennenswerte Zwischenfälle abgeschlossen werden konnte. Dabei wurden insgesamt nicht nur etwa 10.000 Kubikmeter Umzugsgut transportiert. Eine besondere Herausforderung war die Zeitschiene für manche Büros. Sie wurden am gleichen Tag leer- und wieder bezogen. Zum Tag der offenen Tür am 21. April 2018 konnten sich dann auch die Chemnitzer das neue Technischen Rathaus in Augenschein nehmen.

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