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Machen Influencer alles für Geld?

Hannas Kommentar Von Fake-Cremes, überteuerten Haarmasken und glaubhaften Influencern

Hannas Kommentar

Nach einer langen Zeit im Instagram-Game habe ich einiges gelernt. Noch vor vier Jahren hätte ich mir am liebsten jedes der Produkte gekauft, die die Influencer so glaubhaft beworben haben. Doch als Auszubildende und jetzt Studentin hatte und habe ich, glücklicherweise, nicht die finanziellen Mittel. Aber zugegeben: Eine damals gehypte Haarmaske für etwa 30 Euro liegt noch in der hintersten Ecke meines Schranks und ab und zu krame ich sie hervor, um ihr nochmal die Chance zu geben, ihre beworbene Wirkung an meinen Haaren zu entfalten. Ja, sie riecht gut. Aber mehr merke ich nicht. Sie pflegt meine Haare genau so wenig, wie die Haarmasken aus der Drogerie, für die ich bei doppelter Menge nur 1/5 des Preises bezahle. Nach dem Fehlkauf war ich einige Zeit von Influencer-Werbung "geheilt".

Doch dann kam sie: Die Naturkosmetik-Marke mit den wunderschönen braunen Glasfläschchen war überall in den Storys und in meinem Feed zu finden. Und wie von Geisterhand bestellte ich vier Probeflaschen. Neben einem Pflege-Gesichtsöl landeten auch eine BHA-Säure, ein Vitamin C-Serum und ein Reinigungsöl in meinem Warenkorb. Dank eines Rabattes, der, zugegeben, dauerhaft auf irgendwelchen Instagram-Profilen zu finden war, da diese Marken durchgehend mit Rabattcodes arbeiten, habe ich "nur" etwa 13 statt 15 Euro bezahlt. 13 Euro für vier der Probeflaschen, in denen drei Milliliter enthalten sind. Ja, die Produkte sind nicht schlecht, aber sie sind meiner Meinung nach auch nicht ihren Preis wert. In Apotheken oder Parfümerien bekomme ich für das gleiche oder weniger Geld eine Beratung und Produkte, die mit diese Marke vergleichbar und gleichzeitig auf meine Haut abgestimmt sind.

Und es hat "Klick" gemacht

Und dann machte es Klick. Ich realisierte, dass viele der Marken, die von Influencern beworben werden, durchgehend und ohne Pause mit Rabattcodes arbeiten, um ihre so krass überteuerten Produkte irgendwie an den Mann oder die Frau zu bringen. Und was regt Menschen noch mehr zum Kauf an als Rabatte, Rabatte und noch mehr Rabatte? Richtig, die Werbung der Influencer, die unsere Vorbilder sind, immer wunderschön aussehen und dafür die angepriesenen Produkte verwenden. Da gebe ich doch gerne ein paar Euro mehr aus und habe am Ende genau so schöne Haare, Haut und Zähne!

Machen Influencer alles für Geld?

Eine Frage, die man pauschal nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten kann und sollte. Auch der YouTuber Marvin Wildhage beschäftigte sich damit. Vor einem Jahr wagte er deshalb ein Experiment. Er rief die Marke "Hydro Hype" ins Leben. Das erste Produkt dieser Marke ist eine Gesichtscreme. Er erstellte eine Webseite, ein Instagram-Kanal und designte das Produkt. Dann schrieb er verschiedene Influencer an und fragte sie, ob sie für Hydro Hype werben wollen. Drei Influencer nahmen das Angebot an. Marvin verschickte die Fake-Creme, bei der es sich in Wahrheit um einfaches Gleitgel handelt, an die drei und legte auch eine Produktbeschreibung bei. Laut dieser waren einige der Inhaltsstoffe gefährlich, darunter Uran und Asbest. Auch ein Stoff, den es gar nicht gibt, schaffte es auf die Inhaltsstoff-Liste: Pipikaka Seed Oil. Machte das die Influencer nicht stutzig? Nein, Enosa Bukvic warb für Hydro Hype und postete sogar einen Vorher-Nachher-Vergleich in ihre Story. Auch Vanessa Mariposa bewarb das Produkt und erzählte ihren Followern, dass sie die Creme in Salzburg bei ihrer Mutter entdeckte. Und weil diese so begeistert gewesen sei, habe Vanessa es auch ausprobiert. Doch das ist gelogen. Denn die Hydro Hype-Creme war nirgendwo käuflich zu erwerben.

Und gestern war es wieder soweit: Marvin veröffentlichte ein YouTube-Video, in dem er seinen neusten Prank vorstellte. "Ich drehe den schlechtesten Film aller Zeiten und schaue, welcher Influencer dafür wirbt", so Marvin. Der 25-Jährige produzierte einen trashigen, sinnfreien Thriller mit dem Titel "A Hole". Vielversprechender Name, oder? Das Film-Poster ist eine verfremdete Abbildung eines Polochs und das einzige, was im Internet auf diesen Film hindeutet, ist ein Instagram-Account voller gekaufter Abonnenten und Fake-Kommentaren. Es gibt keinerlei Webseite, Trailer oder Angaben zu den Schauspielern. Den angefragten Influencern wird versprochen, dass der Arthouse-Thriller 2023 in die Kinos kommt. Und zehn Minuten, nachdem Marvin die Anfragen verschickt hat, kommt auch schon die erste Zusage: Das Management von Vanessa Mariposa bestätigte die Anfrage. Dann war es soweit: Vanessa postete eine Story, in der sie über "A Hole" sprach. Sie habe den Film vor allen anderen gesehen und sei echt begeistert davon. Eine glatte Lüge, denn laut Marvin, sei der Film zu diesem Zeitpunkt nicht einmal fertig geschnitten worden.

Was sagt uns das?

Influencer (und ja, es gibt einige Ausnahmen) würden jeden Schrott bewerben, solange das Geld stimmt. Auf der einen Seite ist es verständlich, denn die meisten sind auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Aber auf Kosten der Follower und Fans Produkte oder Leistungen zu bewerben, die nicht nur sinnlos sondern auch gefährlich sein könnten (Siehe Hydro Hype-Creme mit radioaktivem Uran in den Inhaltsstoffen), ist einfach nur falsch. Diese Influencer ziehen die gesamte Szene in den Dreck, in dem sie Produkte in den Himmel loben, die sie noch nie ausprobiert haben oder sogar selbst schlecht finden, nur weil sie Geld verdienen wollen.

Aber um fair zu bleiben: Es gibt einige Ausnahmen. Nicht alle Influencer tun und bewerben alles für Geld. Und nicht alle beworbenen Produkte sind schlecht.

Woran erkennt man glaubhafte Influencer?

In den letzten Monaten hat sich einmal wieder gezeigt, welchen Influencern und YouTubern man vertrauen kann. Ankerkraut, eine Marke für Gewürzmischungen, die durch die Sendung "Höhle der Löwen" bekannt wurde und massiv auf Kooperationen mit Internet-Stars setzte, wurde im Frühjahr an Nestle verkauft. Als das rauskam, distanzierten sich einige der Influencer und YouTuber von der Marke, darunter auch Twitch-Streamerin Shurjoka und Streamer TrilluXe. "Ich bin unfassbar enttäuscht, weil ich die Produkte von Ankerkraut immer sehr gemocht hab. Mit dieser Entscheidung möchte ich mich allerdings von der Firma distanzieren, ich habe meine Partnerschaft mit Ankerkraut mit sofortiger Wirkung beendet" und "Bin sehr traurig darüber, wir haben supercoole Aktionen in den letzten Monaten gemeinsam gemacht und noch einiges geplant gehabt für 2022. :( Die Nachricht habe ich auch erst durch diesen Tweet erfahren, die Partnerschaft habe ich soeben mit sofortiger Wirkung beendet" sind nur zwei der vielen negativen Reaktionen der Onlinesternchen.

Und genau dieses Beispiel zeigt, welchen Influencern man vertrauen kann. Nämlich denen, die ihre Moral und Grundsätze nicht über Bord werfen, um so viel Einnahmen wie möglich zu machen, und die nicht für jedes Produkt oder jede Leistung werben, sondern mit ausgewählten Firmen über einen längeren Zeitraum eine Kooperation haben und denen, die nicht jede zweite Story mit "Werbung" kennzeichnen müssen.

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