Ein Stück Geschichte in vergessenen Kellern

Projekt Fläche an der Rajewsky-Straße in Bad Schlema saniert

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Bad Schlemas Ortschronist Dr. Oliver Titzmann hat das Geschehen auf dem Gelände an der Professor-Rajewsky-Straße genau verfolgt. Foto: R. Wendland

Bad Schlema. Wenn man bei Baumaßnahmen auf alte Mauern stößt, wird es besonders für Historiker und Geschichtsinteressierte spannend. So geschehen auch bei der Sanierung des Geländes an der Professor-Rajewsky-Straße in Bad Schlema. Dort wurden die Keller ehemaliger Pensionshäuser freigelegt. Historische Schätze in dem Sinne hat man nicht entdeckt, aber geschichtlich betrachtet ist das Areal nicht ganz unbedeutend.

Pensionshäuser für die Kurgäste

Wie Bad Schlemas Ortschronist Dr. Oliver Titzmann erklärt, standen auf der Fläche früher einmal neun Pensionshäuser im Schnitt mit acht bis zwölf Betten. Die Wohnungen hat man an Kurgäste vermietet. Die Gebäude trugen Namen, wie Haus Sonneneck, Haus Elisabeth, Haus Vogtland, Haus Dresden oder auch Haus Rübezahl. Bis auf ein Gebäude, das 1935 errichtet wurde, stammt die gesamte ehemalige Bebauung aus den 20er-Jahren.

Oliver Titzmann hat sich mit der Historie beschäftigt: "Die Häuser wurden 1955 abgebaut und in die Kellergeschosse hat man damals alles reingeschmissen, was man nicht gebrauchen konnte. Das, was man damals mit Erde bedeckt hat, kam jetzt wieder zutage." Titzmann hat Fotos der alten Häuser gesammelt.

"Früher war es so, dass fast alle Pensionshäuser, wie Hotels auch, Postkarten herausgegeben haben. Diese wurden von Kurgästen versendet." Die Kellergeschosse der Pensionshäuser sind im Zuge der Sanierungsmaßnahme den Baggern zum Opfer gefallen und das Material wurde abtransportiert.

Ein Zustand wie vor 100 Jahren

Die Fläche ist jetzt bereinigt und es erinnert nichts mehr an die einst schmucken Häuser. Titzmann hat so viel wie möglich fotografiert und dokumentiert. Die Fläche wird nicht nur saniert, sondern renaturiert. Damit erreicht man annähernd wieder den Zustand von 1920, als das Areal eine Ackerfläche war.

Was die Sanierung angeht, so hat sich die Wismut GmbH dem Ganzen angenommen und übergibt die Fläche im sanierten Zustand der Gemeinde. Vorerst soll mit dem Gelände nichts passieren. Vielmehr hält sich die Kommune das Areal in der Rückhand für die perspektivische Entwicklung der Kurgesellschaft.