Eine neue Glocke für Bieberstein

Tradition Glockenguss Firma setzt auf neue Form

Schließlich wird die 1.100 Grad heiße Flüssigkeit in die Form gegossen. Foto: Wieland Josch

Freiberg. Es ist das bislang ambitionierteste Projekt, welches der Hilliger-Verein umsetzt. Die Mitglieder um den Vorsitzenden Volker Haupt haben sich der Bewahrung und Verbreitung des Erbes der einst berühmten Glockengießer-Familie verschrieben, die vor einigen Jahrhunderten von Freiberg aus wirkte und deren Glocken an vielen Orten noch zu finden und zu hören sind.

Vom historischen Geläut der Biebersteiner Kirche blieb nur eine, mittlerweile restaurierte Hilliger-Glocke übrig. Ihre kleine Schwester wurde im Januar erfolgreich im Sächsischen Metallwerk Freiberg gegossen. Am 3. Februar sollte der große Bruder folgen, wobei groß durchaus wörtlich zu verstehen ist. Doch der Versuch funktionierte nicht. Die Form gab nach und die glühend heiße Bronze schoss durch die Ritzen nach draußen.

In dieser Woche nun erfolgte der zweite Anlauf, über dessen Verlauf wir in unserer nächsten Ausgabe berichten werden. Möglich wurde er vor allem durch eine sehr genaue Fehleranalyse, betrieben vom Sächsischen Metallwerk und der Firma Direkt Form Projektgesellschaft, welche die Form nach Vorlagen hergestellt hatte. Das Problem war bald erkannt. "Die Analyse hat ergeben, dass die Maßnahmen, um den entstehenden Auftrieb abzufangen, nicht genügend funktioniert haben", sagt Katja Pranke von Direkt Form. Konstrukteur Jörg Eisoldt und Ralph Rothe vom Qualitätsmanagement machten sich daran, eine neue Form zu schaffen, die den wirkenden Kräften standhalten wird.

Der wichtigste Unterschied ist dabei allein schon von außen erkennbar, denn statt des eckigen Kastens wie beim ersten Versuch, ist es nun eine runde Variante. Bestehend aus vier Kästen, zusammengehalten von kräftigen Klammern, sollte es nun funktionieren. "Entscheidend sind dabei die Gewichte", betont Katja Pranke. Die Rede ist von vier Krangewichten, welche noch oben auf die Form gelegt werden und die für zusätzliche Stabilität sorgen. Alles ist also bereit dafür, dass ab dem Pfingstfest, so zumindest ist es vorgesehen, das vollständige Geläut der Biebersteiner Kirche wieder zu hören sein wird.