Lauenhain: Ominöse Fundamente sind ewige Zeitzeugen

Historie Hightech an der Grenze zu Erlau

Erlau/Lauenhain/Mittweida. 

Erlau/Lauenhain/Mittweida. Wer mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß zwischen Lauenhain und Erlau unterwegs ist, dem fallen inmitten des Geländes links und rechts der Straße zwei Beton-Klötzer von jeweils etwa einem Meter Höhe auf. Was hat es damit auf sich? Das wollte auch der 76-jährige Heimatforscher Bernd Jentsch in Erfahrung bringen, schließlich soll das auch in seinem historischen Abriss über seinen Heimatort Lauenhain, an dem er momentan arbeitet, einfließen. Seine aufwendigen Recherchen in mehreren Archiven sowie Gespräche mit Zeitzeugen ergaben, dass es sich um eine ehemalige Radaranlage mit dem Decknamen "Mistkäfer" der deutschen Wehrmacht gehandelt hat.

Heutige Autowerkstatt war Empfangsgebäude der Radarstation

Die heutige Auto-Reparaturwerkstatt Leukert war bis 1945 das Empfangsgebäude mit der unterkellerten Zentrale der Radarstation "Mistkäfer". Aufgrund der beiden noch vorhandenen Fundamente fand Jentsch heraus, um welches Radar-System es sich damals konkret handelte: Es war eine Kombination von Antennen, die zu dieser Radaranlage gehörte. Jentsch: "In der Literatur zum Luftkrieg über Deutschland wird diese Dreier-Kombination der Antennen an anderen Orten ebenfalls bestätigt". Konkret handelt es sich um eine "Freya"-Antenne sowie zwei ,,Würzburg-Riese"-Parabolantennen, wie sie ab 1941 im Deutschen Reich in großem Umfang zum Einsatz kamen. Während es von der "Freya"-Antenne keine Spuren von damals mehr gibt, sind die beiden Beton-Fundamente noch gut sichtbar. Die "Freya" soll auf der Lauenhainer Seite kurz vor Erlau gestanden haben, wie die Lauenhainer Zeitzeugen Ruth Polster und Eberhard Möbius übereinstimmend angegeben haben. Um Feindflugzeuge auch im Dunkeln schon von weitem zu erkennen und zu bekämpfen, setzte die Wehrmacht ab 1940 verstärkt Radartechnik ein. Die englischen Bomber flogen damals in Höhen zwischen drei und sechs Kilometern mit einer Geschwindigkeit von etwa 500 Stundenkilometern.

Radaranlage sollte die Bevölkerung schützen

Durch Vorwarnungen dieser Radaranlage konnte die Bevölkerung etwa 15 Minuten vor dem Eintreffen der Bomber die Keller aufsuchen. Ob die am 25. Dezember 1944, um die Mittagszeit aus Süden in Richtung Mittweida fliegenden Bomber erfasst und der Fliegeralarm von dieser Radarstation ausgelöst wurde, ist leider nicht bekannt. Die Bomben fielen jedenfalls auf den Feldern zwischen dem Bahnhof Mittweida, Frankenau, Lauenhain und Erlau. Ab 1943 mussten auch Lauenhainer Mädchen als Luftwaffenhelferinnen hier ihren Dienst verrichten. In Lauenhain waren sie allgemein als die ,,Funkmädels" bekannt. Kurz vor Ende des Krieges wurden die Antennen schließlich gesprengt sowie das Radar-Empfangsgebäude und alles übrige geplündert. Die Fundamente erinnern aber noch immer.