Politischer Aschermittwoch in Freiberg

Schlagabtausch Stadt-Union lud zu klaren Worten ein

Der Schlüssel ist zurück. Joachim Breßler, Stanley I., Aline I., Sven Krüger und Holger Reuter (v.r.). Foto: Wieland Josch

Freiberg. Am Aschermittwoch, so ist es seit langer Zeit grausames Gesetz, ist alles vorbei, weshalb auch die Freiberger Karnevalisten unter ihrem Chef Joachim Breßler nebst Prinzenpaar Stanley I. und Aline I. (v.r.) an jenem Tag den Schlüssel für das Rathaus, den sie am 11. 11. Oberbürgermeister Sven Krüger (2.v.l.) abgenommen hatten, an ihn und Bürgermeister Holger Reuter wieder übergeben mussten.

Das klappte diesmal reibungslos, nachdem die Narren im vergangenen Jahr so wild feierten, dass sie den Schlüssel irgendwo vergessen hatten. "Damals wollten wir den Schlüssel zurückgeben und konnten nicht", resümierte Breßler launig. "Diesmal können wir ihn zurückgeben, wollen aber eigentlich nicht." Am Ende musste es dennoch sein, weshalb ab jetzt wieder (halbwegs) normal in Freiberg regiert werden kann.

Für die einen ist am Aschermittwoch alles vorbei, für andere geht es erst richtig los. Der Freiberger Stadtverband der CDU hatte zu seinem 8. Politischen Aschermittwoch in das Hotel Kreller eingeladen und nutzte die Veranstaltung, um auch vor Ort den Wahlkampf 2017 einzuläuten. Bevor jedoch der Vorsitzende Holger Reuter ans Pult trat, ließ er noch jemand anderem den Vortritt. Mit Joachim Breßler war nicht nur der Vorsitzende des Freiberger Karneval Klubs einer Einladung gefolgt, sondern in Personalunion "Ministerpräsident Tillich", der zu den Paraderollen des Narrenchefs gehört. Als dieser verkündete er gewaltige Umbauten in seinem "Kabinett". So wird Fahrlehrer Werner Helfen Verkehrsminister, Kultus übernimmt Heidi Hinkel, die irgendwo noch freie Valenzen haben dürfte, und für die Integration ist ein Mann mit Migrationshintergrund gebucht, der aus Süddeutschland eingewanderte Brauhaus-Geschäftsführer Professor Michael Eßlinger.

Danach ergriff Holger Reuter das Wort und legte mehr als einmal dabei auch den Finger in die Wunden der eigenen Partei, verstand es aber, die Waage zwischen deftiger Satire und kraftvoller Kritik auszutarieren. "Wir stehen vor einer großen Richtungsentscheidung", sagte er und bezog sich auf die Wahl zwischen einer CDU-geführten Regierung und einem möglichen Rot-Rot-Grünen Bündnis. Dass dies überhaupt in Frage komme, sei dem momentanen Hype um Martin Schulz zu danken. Dem solle man nicht auf den Leim gehen, so Reuter und zählte auf, dass an St. Martin auch nicht alles so heilig sei. Aber auch seine eigene Parteichefin bekam deutliche Worte gesagt. Sie sei die sozialdemokratischste Kanzlerin, welche die CDU je hatte. Bei all dem Geschimpfe auf Donald Trump solle nicht übersehen werden, dass auch Merkel für einsame Entscheidungen stehe, etwa die Energiewende oder die Flüchtlingspolitik.

In der momentanen Situation müsse es erlaubt sein, über neue politische Konstellationen nachzudenken, womit auf den Vorschlag der Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann eingegangen wurde, eine Koalition mit der AfD nicht auszuschließen. Konrad Heinze, ehemaliger Oberbürgermeister Freibergs, gab anschließend einen ebenso heiteren wie musikalischen Jahresrückblick.