Wenn Feinstaub den Atem raubt

Schadstoffkonzentrationen Am Arbeitsplatz oft höher als auf der Straße

Ging es in der 1950er Jahre-Gaunerkomödie "Pariser Luft" mit der jungen Brigitte Bardot noch um kriminelle Machenschaften in den Straßen von Frankreichs Kapitale, so sieht sich die Hauptstadt unseres Nachbarlandes heute mit "kriminell" hohen Smogwerten in ihrer Atmosphäre konfrontiert. Die Metropole verhängte daher im März 2014 erstmals seit 1997 ein teilweises Fahrverbot für Pkw. Doch nicht nur auf den Straßen großer Städte raubt der Feinstaub den Atem, sondern auch hierzulande an so manchem Arbeitsplatz.

Dicke Luft

Eine aktuelle Auswertung von Zehnder, einem der führenden Hersteller von Innenraum-Luftreinigungs-Systemen in Europa, zeigt, dass 82 von insgesamt 100 bundesweit untersuchten Lagerhallen und Logistikzentren Feinstaubwerte in der Raumluft von über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter enthielten. Dies stellt in den Straßen deutscher Großstädte bereits den oberen Grenzwert dar. Unter Feinstaub versteht man laut Umweltbundesamt einatembare Partikel in der Atmosphäre ab einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer (PM10). Mit teilweise weit über 150 Mikrogramm lag gut ein Viertel der getesteten Hallen zudem konsequent in dem Bereich, der im Frühjahr 2014 in Paris das Fahrverbot zur Folge hatte.

Gesundheitsrisiken

Doch während der Schadstoffgehalt der Außenluft mit der Ausweisung immer strengeren Umweltzonen bekämpft wird, halten sich die Arbeitnehmer weiterhin täglich rund acht Stunden in den oft noch weitaus schlechteren Luftverhältnissen an ihrem Arbeitsplatz auf. Der legale Grenzwert an Arbeitsstätten liegt derzeit bei 10.000 Mikrogramm für einatembare Feinstaubpartikel. Dies ist 200mal so hoch wie die 50 Mikrogramm, welche in der Außenluft erlaubt sind. Eine internationale Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift "The British Medical Journal" veröffentlicht wurde, weist auf die entsprechenden Gesundheitsrisiken hin.

Wissenschaftler stellen fest:

Je länger ein Betroffener einer erhöhten Feinstaubkonzentration ausgesetzt sei, desto höher steige sein Herzinfarktrisiko. Bereits eine Erhöhung des Feinstaubanteils um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft steigert die Wahrscheinlichkeit von Herzproblemen um 13 Prozent. Zudem haben auch Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich gemacht, dass die Feinstaubbelastung die Entstehung von Atemwegserkrankungen begünstigt. Kein Wunder, dass Fachleute immer wieder eine sinnvolle Anpassung der EU-Grenzwerte fordern. Doch bis es soweit ist, sollten Arbeitgeber mit innovativen Lösungen zur Feinstaubreduzierung die Gesundheit, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter sichern.djd/pt