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Das zwischenmenschliche Pandemie-Drama: Wollen wir das alles wirklich so?

Kommentar Das macht die Pandemie zwischenmenschlich mit uns

Ankes Kommentar:

Die Coronafallzahlen schnellen derzeit rasant in die Höhe. Während die Regierung diverse Virusmutanten über kontaktreduzierende Maßnahmen und Impfaktionen einzudämmen versucht, brodelt darunter längst die menschliche Katastrophe. Blick-Autorin Anke Brod spekuliert in ihrem Kommentar über Gründe einer gesellschaftlichen Kluft und wünscht sich mehr Austausch auf Augenhöhe.

Gibt es vielleicht niemals die eine Lösung? 

Druck erzeugt Gegendruck. Das ist ein physikalisches Gesetz. Über harte Ausschluss-Maßnahmen im Alltag werden Andersdenkende wie Impfskeptiker derzeit bewusst von der Regierung in die Enge getrieben, um sich den propagierten "Pieks" geben zu lassen. Doch Druck allein unterdrückt eben auch nur und nimmt das überrollte Gegenüber nicht ernst. Wer indes als Individuum kategorisch abgekanzelt und von einer panischen Masse ungesehen niedergetrampelt wird, dürfte tatsächlich bald Vertrauen in Gesellschaft und System verlieren oder lehnt sich auf.

Teilerfolge oder die eine Lösung 

Verlorene Existenzen in Einzelhandel, Gastronomie oder unter Freiberuflern, dazu zerbrochene Freundschaften, unreflektierter Hass auf den ungeimpften Nachbarn, überlastete Familien: Ist dies alles - auch mögliche Verzweiflungssuizide - von uns allen so gewollt? Ist das die "Lösung" ? Sind das "harmlose" Kollateralschäden? Mitnichten. Wir sollten hier tatsächlich mal den unangenehmen Gedanken zulassen, dass es vielleicht niemals die Lösung, maximal Teilerfolge, geben wird. Das Leben ist und war zu keiner Zeit komplett absicherbar.

Die Pandemie erzeugt Ängste und Verzweiflung. Einhergehende Ohnmachtsgefühle machen hilf- oder schlaflos. Wann aber wollen wir in der gemeinsamen Krise endlich ohne standardisierte Schuldzuweisungen aufeinander zugehen? Weshalb reden wir nicht über individuelle Ängste, Beweggründe, Lebenseinstellungen oder medizinische Vorerfahrungen? Warum sollte sich jemand unter Druck einem körperlichen Eingriff unterziehen müssen, den er für sich als mündiger Bürger ablehnt? Warum sollte der 16-jährige Hobbyfußballer von nebenan eine Herzmuskelentzündung riskieren, damit Herr Müller wieder in den Urlaub fahren kann? Diese Rechnung geht niemals auf.

Gesagtes häufiger hinterfragen 

Andersdenkende mit brachialer Gewalt in einen Topf zu werfen, um heterogene Lifelines zum Einheitsbrei zu verquirlen, lässt das brisante Gemisch eher explodieren, als dass es zerkochen und zerfallen würde.

Ich lehne gewalttätige Radikalisierungen hier wie da ab. Ich wünsche mir aber - persönlich zutiefst von der herrschenden Spaltung getroffen - ein Fallenlassen von Scheuklappen sowie das Hinterfragen von Gesagtem und Informationen. Ein wenig Sanftmut und gegenseitige Wertschätzung täte uns allen gut.