Es ist ja die Familie...

Angemerkt Selbstbeherrschung und Corona

Angemerkt von Wieland Josch:

Es gibt eine Menge Dinge, die man derzeit salopp als doof bezeichnen kann. Vor allem deshalb, weil wir sie nicht wollen, sie aber dennoch machen oder beherzigen müssen. Ganz besonders doof ist, dass man selbst den Umgang mit der eigenen Familie vorsichtig gestalten muss. Theoretisch ist es so, dass man selbst die eigene Mutter, wenn sie zu Besuch kommt, nicht mal mehr in die Arme nehmen darf. Man muss sich also die eigentlich normalste Sache der Welt versagen, die eigenen Gefühle eindämmen. Dazu gehört schon ein großes Maß an Selbstbeherrschung. Und die hat nicht jeder. Es ist doch die Familie, sagt man sich, und geht zu Opas 80. Geburtstag ebenso wie zur Hochzeit des Bruders, mit allem dazu gehörigem Drumherum. Anzunehmen, dass da nichts passieren kann in puncto Ansteckung, weil es ja Familie ist, weicht natürlich von allen Realitäten ab, weshalb ein erneutes Kontakt- und Feierverbot in der Diskussion ist. Die Vernunft will dem zustimmen. Die Gefühle aber wollen eine andere Sprache sprechen.