Bertelsmann-Stiftung: Wie gut hält Sachsen zusammen?

Studie Tiefe Spaltung zwischen Ost und West noch immer erkennbar

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Foto: Lalocracio/Getty Images/iStockphoto

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung über den sozialen Zusammenhalt in Deutschland erreicht Sachsen den geringsten Wert beim Thema "Gesellschaftlicher Zusammenhalt".

Köpping: Blanker Hass und Aggressionen

Die Studie zeige deutlich, dass es in Sachsen alarmierenden Handlungsbedarf gibt, damit die Gesellschaft nicht auseinanderreißt, sagt Petra Köpping, sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration. "Neben vielen hilfsbereiten und solidarischen Menschen angesichts der vielen geflüchteten Menschen, die zu uns gekommen sind, haben wir auch blanken Hass und Aggressionen erlebt, die sich sogar gegen Frauen, Kinder sowie Helferinnen und Helfer richtete." Ursachen dafür sucht Köpping auch in der Zeit der Deutschen Einheit. "In vielen hunderten Begegnungen traten dabei immer wieder die nicht verarbeiteten Nachwendeerfahrungen zu Tage und die damit einhergehenden Demütigungen, die viele bis heute - unabhängig von ihrer jetzigen wirtschaftlichen und sozialen Stellung - nicht verkraftet haben. Wir müssen die Bedürfnisse der Menschen in Sachsen stärker beachten. Seit drei Jahren steht der gesellschaftliche Zusammenhalt im Mittelpunkt unserer Arbeit."

Was jedoch seit 1990 versäumt wurde, lasse sich nicht kurzfristig ändern. Laut Köpping seien ein "langer Atem und die richtigen Ideen" notwendig. Kai Unzicker, Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bertelsmann Stiftung meint: "Vor allem auf lokaler Ebene sollten Maßnahmen ergriffen werden, die ermöglichen, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben und Kontakte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstehen. Die Förderung des Ehrenamts und der Ausbau einer zivilgesellschaftlichen Infrastruktur sind dabei ebenfalls wichtige Bausteine."